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Fußball-Presseschau: Hohn für Rummenigge

Kritik und Hohn erntet Karl-Heinz Rummenigge für seinen öffentlichen Rüffel an Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. Die Schadenfreude über die Niederlage des Rekordmeisters hält sich kaum in Grenzen und Dortmunds Trainer Thomas Doll wird Führungsstärke abgesprochen. stern.de und indirekter-freistoss blicken in die Gazetten.

Andreas Lesch (Berliner Zeitung) lässt seiner Schadenfreude über die Bayern-Niederlage in Stuttgart und den Zwist zwischen Rummenigge und Hitzfeld freien Lauf: "Gemessen an den Sprüchen und Ansprüchen des Vereins ist die Saison für den FC Bayern bisher ein hübsches, kleines Desaster. Die Münchner entpuppen sich allmählich als Illusionstheater. Sie haben mit ihren edlen Zugängen und ihren aufregenden Auftaktleistungen das Publikum und offenbar auch sich selbst getäuscht. Sie haben in guten Zeiten von der Klasse ihrer Einzelkönner profitiert. Jetzt, in schlechten Zeiten, verfallen sie schnell in ihre überwunden geglaubte Einfallslosigkeit. Das spricht nicht für eine funktionierende, sinnvoll erneuerte Teamstruktur. Wenn die Münchner in der Liga und im Uefa-Cup so früh an ihre Grenzen stoßen, braucht niemand zu jammern, sie würden in der Champions League vermisst: Vermutlich hätten sie sich dort unauffällig in den Klub der deutschen Versager eingereiht."

Peter Penders (FAZ) rät den Bayern, von Bremen zu lernen: "Vielleicht sind die unterschiedliche Personalführung und die Weitsicht, sich in kritischen Momenten zurückzunehmen, die Gründe dafür, warum die Bremer seit Jahren national ärgster Widersacher der Bayern sind. Die Münchner beklagen häufig, dass jede Kleinigkeit, die den FC Bayern betreffe, in den Medien aufgeblasen werde - und übersehen dabei, dass sie selbst am meisten pusten. Mal ist es der Weihnachtsmann, der kein Osterhase ist, mal ist es das Fernglas, das die Konkurrenz demnächst benötige, mal war es der beste Kader aller Zeiten, mal das prallgefüllte Festgeldkonto, mal der omnipräsente Medien-Präsident, der zielsicher in jede Glut Brandbeschleuniger gießt. Dies alles sind Töne vom Alpenrand, wie sie von der Weser nie zu hören sind."

Stefan Osterhaus (Neue Zürcher Zeitung) rät den Bayern, von Stuttgart zu lernen:

"Ratschläge zum Krisenmanagement können die Bayern in Stuttgart einholen. Denn so wirr die Situation der Bayern erscheint, so staunenswert ist die jüngste Entwicklung im VfB. Der hat den sportlichen Sinkflug beendet. Vor exakt vier Wochen hatte Armin Veh die Krise für offiziell erklärt - und so den ersten Schritt zur Bewältigung getan, indem er die Probleme nicht leugnete, sondern sich nach erfolgter Diagnose sofort daran machen konnte, diese zu beheben. Die Darbietung gegen die Bayern zeigte den VfB auf der Höhe seiner Fähigkeiten - ein Kollektiv mit guten Individualisten und einem Goalgetter, wie ihn Stuttgart seit Jürgen Klinsmann nicht mehr erlebt hat: Mario Gomez. (…) Die Urheberschaft an der Irritation darf Rummenigge ganz allein beanspruchen. Der bayrische ‚Deichgraf', dessen Programmatik als Klubleiter sich im wesentlichen im Ruf nach der Einzelvermarktung erschöpft, sah sich bemüßigt, am Fußballverstand des Mannes zu zweifeln, der zweimal mit Außenseiterteams die Champions League gewonnen hatte."

Christof Kneer (SZ) erlebt die Genesung des Meisters: "Es ist eine banale Erkenntnis, dass ersatzgeschwächte Teams nicht so gut Fußball spielen wie nicht ersatzgeschwächte Teams, aber im Falle des VfB steckt hinter der Banalität eine tiefere Wahrheit. Die Erkenntnis der Krisenwochen ist, dass diese Mannschaft mehr als andere auf die beste Elf angewiesen ist - Veh hat seiner Elf einen so anspruchsvollen Qualitätsfußball beigebracht, dass er nur mit Qualitätsspielern funktioniert. Der Erfolg hat diese Elf in der vorigen Saison derart überrumpelt, dass sie keine Zeit hatte, einen stabilen Plan B zu entwickeln. Die Elf kann nur gut spielen, schlecht spielen muss sie noch lernen. Wenn das gute Spiel nicht funktioniert, fällt sie auseinander - wie zu Saisonbeginn, als ein einziges Gegentor genügte, um ihren Willen zu brechen."

Nur 1:1 gegen Frankfurt - Freddie Röckenhaus (SZ) bezweifelt Glaubwürdigkeit und Führungsstärke Thomas Dolls, dessen Rhetorik er als heiße Luft empfindet: "Unter jenen Dortmundern, die dem Selbstbetrug noch nicht anheim gefallen sind, macht sich die Gewissheit breit, dass der Trainer ein Teil des Problems sein könnte. Nach der dramatisch schwachen Partie in Hannover hatte Doll ungewohnte Härte angekündigt: Arrivierte Spieler würden sich auf der Tribüne wiederfinden, es würden jetzt andere Saiten aufgezogen. Die Strafexpedition begann dann mit einem arbeitsfreien Montag (Doll weilte bei der Familie in Hamburg) und einem deshalb auf Dienstag verschobenen, kombinierten Lauf- und Straftraining. Am Donnerstag hatte Doll dann erkannt: ‚Mein Kader ist nicht groß genug, dass ich mir leisten könnte, Arrivierte auf die Tribüne zu verbannen.' Was den seit Saisonbeginn ohne Begründung auf die Tribüne verbannten Lars Ricken genauso gewundert haben dürfte wie die in den letzten Monaten transferierten und ausgeliehenen Pienaar (Stammspieler bei Everton), Sahin (Stammspieler bei Feyenoord) und Smolarek (Stammspieler bei Real Santander). Zum Spiel war von Dolls Theaterdonner dann übrig geblieben, dass die weithin als Mitläufer und Fehleinkäufe abgeschriebenen Nelson Valdez und Delron Buckley aus der Mannschaft rotiert waren, nach 30 und 60 Minuten dann aber schon wieder eingewechselt wurden. Und nachdem der BVB die ersten 45 Minuten in ähnlich lethargischer Manier wie gegen Hannover agiert hatte und erst eine Halbzeittirade von Doll wenigstens ein passable zweite Halbzeit erzwungen hatte, gab es dann im Nachklapp noch die Belobigung der Truppe, die Reaktion gezeigt habe. Dass Dolls Autorität bei der führungslos anmutenden Truppe unter solchen Aufführungen nicht leidet, ist kaum vorstellbar. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der in der Öffentlichkeit nicht müde wird, sich vor, hinter, neben und unter Doll und Sportdirektor Michael Zorc zu stellen, soll bereits Kontakte mit anderen Trainern aufgenommen haben."

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