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Schon wieder ein neuer Trainer: Lieber HSV, nerv nicht und steig endlich mal ab

Jedes Jahr zweimal das gleiche Leid. Der HSV wechselt seinen Trainer und übersieht dabei mal wieder das Kernproblem. Das nervt. Ein Abstieg sollte helfen.

Ein Kommentar von Felix Haas

Joe Zinnbauer sammelte beim HSV 1,11 Punkte im Schnitt - zu wenig, er musste gehen

Joe Zinnbauer sammelte beim HSV 1,11 Punkte im Schnitt - zu wenig, er musste gehen

Eigentlich könnte man als Journalist beim Thema HSV wieder den Kommentar von vor einem halben Jahr herauskramen. Oder von vor einem Jahr. Macht auf den ersten Blick keinen Unterschied. Es geht schließlich immer um Trainerentlassungen, Abstiegskampf und um peinliche Auftritte der Mannschaft. Doch zum Glück ist diesmal alles anders.

Diesmal geht es wahrlich nicht um die Absetzung von irgendwelchen austauschbaren Trainer-Größen wie Bert van Marwijk oder Mirko Slomka. Diesmal geht es um Joe Zinnbauer. Es geht also um einen, der seinen Platz in den HSV-Annalen sicher hat. Zinnbauer trug schließlich wochenlang die mit Abstand schönsten Strickpullis von Oma Gertrud an den Seitenlinien der Republik spazieren. Das muss ihm erstmal einer nachmachen.

Im Sommer schon wieder ein neuer Trainer

Ansonsten, so glauben zumindest die HSV-Verantwortlichen um Dietmar Beiersdorfer, sollte Zinnbauers Nachfolger Peter Knäbel dem guten "Joe" so schnell nichts nachmachen. Denn Zinnbauer sammelte seit seinem Amtsantritt im September 1,11 Punkte im Schnitt. Das ist natürlich zu wenig für einen Verein, der in einer möglichen Olympia-Bewerberstadt beheimatet ist (und damit quasi in einer Weltstadt).

Also muss der Trainer (mal wieder) gehen. Jetzt übernimmt Knäbel für den Rest der Saison - und ab Sommer kommt wieder ein neuer Trainer, der mit Vertrauen ausgestattet eine neue Mannschaft aufbauen darf.

Ab jetzt darf dann wirklich eine eins-zu-eins-Version eines beliebigen Kommentars folgen: Es nervt, sie lernen es nicht beim HSV! Das Kernproblem wird seit Jahren ignoriert. Und dabei ist es nur ein vermeintlich kleines, psychologisches Problem. Es ist das Selbstverständnis, das nicht stimmt in Hamburg. Der HSV ist kein Europapokal-Teilnehmer. Bei Weitem nicht. Er ist ein Abstiegskandidat. Und das seit Jahren.

Realismus gibt's nicht

Wenn man sich die Punktetabelle der HSV-Trainer ansieht, stellt man fest, dass fünf Trainer der vergangenen vier Jahre zu den schlechtesten HSV-Trainern aller Zeiten gehören. Thorsten Fink holte 1,23 Punkte im Schnitt, Bert van Marwijk 0,8, Mirko Slomka 0,75 und Michael Oenning 0,64. Was das jetzt über die Qualität und Zusammenstellung der Mannschaft aussagt, darf sich jeder selber überlegen.

Die Führungsetage beim HSV muss endlich lernen, von oben realistisch die eigenen Ansprüche einschätzen und diese dann auch vorzuleben - angefangen von Geldgeber Kühne bis hin zu Beiersdorfer und Knäbel. Für die Zielsetzung ab Saisonstart würde das erstmal bedeuten: Alle Anstrengungen auf Klassenerhalt, alles andere kommt danach. Alles andere wäre nach Ermessen jeder logisch-denkenden Person auch unrealistisch.

Zinnbauers Punkteschnitt zu gut für den Abstieg

Wenn sie das nicht langsam begreifen, hilft dem HSV nur der Abstieg in Liga zwei. Da kann das Anspruchsdenken gesunden. Es würde den Verein auf den Boden der Tatsachen zurückholen und das ewige Gequatsche vom Team aus den Top-5-der-Liga hätte ein Ende.

Immerhin ist Zinnbauer jetzt weg. Der konnte nämlich nicht nur Strickpullover tragen, sondern sein Punktedurchschnitt wäre für einen Abstieg vermutlich ohnehin zu gut gewesen. 1,11 Punkte bedeuten hochgerechnet schließlich 37,74 Punkte am Saisonende. Das wären dann zehn Punkte mehr als in der vergangenen Saison gewesen. Aber Steigerung ist beim HSV nicht gewünscht. Es sei denn natürlich, sie führt direkt nach Europa. Alles andere ist für den Weltverein aus der großen Weltstadt uninteressant.

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