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Pandemie-Pilotprojekt Hansa Rostock lässt wieder Fans ins Stadion – so soll es laufen

Das Ostseestadion, die Heimspielstätte von Hansa Rostock
Das Ostseestadion, die Heimspielstätte von Hansa Rostock
© Firo Sportphoto / Picture Alliance
Premiere nach langer Pandemie-Pause im Profifußball. Erstmals seit Monaten werden am Wochenende wieder Fans im Stadion sein – bei der Drittliga-Partie Hansa Rostock gegen den Halleschen FC.

Das kommt nicht alle Tage vor. Am Wochenende wird (Fußball-)Deutschland auf Hansa Rostock blicken. Grund ist nicht der sportliche Erfolg des Drittliga-Zweiten aus Mecklenburg-Vorpommern – sondern ein Pilotversuch in der Coronavirus-Pandemie. Erstmals nach Monaten der Geisterspiele im deutschen Profifußball sollen beim Ligaspiel am Samstag gegen den Halleschen FC wieder Zuschauerinnen und Zuschauer im Ostseestadion auf den Tribünen sitzen.

Hansa Rostock darf vor 777 Fans spielen

777 Fans habe die Landesregierung zugelassen, teilte der Klub mit. Sie dürfen die Partie unter strengen Bedingungen verfolgen:

  • Zugelassen sind nur Dauerkartenbesitzer oder -besitzerinnen, die ihren Wohnsitz in Rostock haben, sowie Vertreterinnen und Vertreter von Hansa-Partnerfirmen.
  • Jeder Besucher und jede Besucherin muss sich vor den Stadiontoren auf eine Coronavirus-Infektion testen lassen. Los gehen soll es bereits ab sieben Uhr morgens, sieben Stunden vor dem Anpfiff.
  • Auf den Rängen herrschen Masken- und Abstandspflicht.
  • Den Zuschauerinnen und Zuschauern wird die Nutzung der "Luca"-App zur unkomplizierten Kontaktnachverfolgung dringend empfohlen.

Das Vorgehen sei im Vorfeld einem Testlauf unterzogen worden, versichert Hansa Rostock. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Partie gegen den Halleschen FC zu einer Blaupause für andere Veranstaltungen werden kann. "Aber selbst das durchdachteste Hygiene-Konzept kann nur dann funktionieren, wenn es am Ende auch gelebt und erfüllt wird", appelliert der Klub an seine Anhängerschaft. "Daher bitten wir alle, die die Chance haben, bei diesem Feldversuch dabei sein zu können, diese große Verantwortung gegenüber allen anderen Fans und Teilen unserer Gesellschaft immer im Hinterkopf zu behalten und uns bei der Umsetzung der Vorgaben und Maßnahmen zu unterstützen und aktiv mitzuwirken."

Es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass von Rostock aus für die gesamte Branche und darüber hinaus aufgehen könnte – der Drittligist könnte, sofern es keine Infektionen gibt, zeigen, dass auch Veranstaltungen mit Besucherinnen und Besuchern möglich sind, wenngleich das 29.000 Plätze bietende Ostseestadion nur zu einem Bruchteil gefüllt sein wird. Nicht ohne Grund haben sich auch Verantwortliche anderer Vereine zu einem Ortsbesuch angekündigt.

Erfreut über das Pilotprojekt dürfte auch Rostocks parteiloser Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen sein. Er hatte in der Vergangenheit häufiger für pragmatische Lösungen in der Coronavirus-Pandemie geworben und viel Lob für den erfolgreichen Umgang mit dem Erreger in seiner Stadt erhalten. Rostock gehört seit langem zu den Regionen mit wenigsten Infektionen. Am Freitag gab das Robert-Koch-Institut den Wert von 22,9 Neuansteckungen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen einer Woche an. Der bundesweite Wert lag bei 95,6, jener von Mecklenburg-Vorpommern bei 63,7.

Warum 777?

"Wir hätten auch 750 oder 780 nehmen können", sagte Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien laut dem Portal "Sportbuzzer". "Aber 777 klingt schöner." Ohnehin müsse man abwarten, wie viele Menschen sich überhaupt auf den Weg ins Stadion machen werden. Die 7 steht überdies wie keine andere für die Hansestadt Rostock, zum Beispiel finden sich auf dem Rathaus sieben Türmchen. Auch das plattdeutsche Gedicht. "De Rostocker Kennewohrn" ("Die Rostocker Wahrzeichen") kündet von der Verbindung zu der Zahl.

Auch beim Deutschen Fußball-Bund kommt das Pilotprojekt gut an. "Grundsätzlich freut sich der DFB über jedes Fußballspiel, zu dem Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen sind, und über jeden Fan, der vor Ort teilhaben kann", teilte Vizepräsident Peter Frymuth der Nachrichtenagentur DPA mit, sagte aber auch: "Traurig macht mich gleichzeitig, dass andernorts in Deutschland viele Menschen nicht die Möglichkeit haben, ihrer Leidenschaft nachzugehen und unter freiem Himmel in ihrem Amateurverein Fußball zu spielen – obwohl nach allen bisherigen Erkenntnissen auf dem Spielfeld nur eine äußerst geringe Ansteckungsgefahr besteht."

In der kommenden Woche will Hansa Rostock berichten, wie der Versuch gelaufen ist und welche Schlüsse daraus gezogen werden können. Am Samstag, 14 Uhr, im Ostseestadion geht es damit um mehr als nur drei Punkte.

Quellen: FC Hansa Rostock, Corona-Landesverordnung Mecklenburg-Vorpommern, Stadt Rostock, Robert-Koch-Institut, "Sportbuzzer", Nachrichtenagentur DPA

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