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Hertha BSC gegen 1. FC Nürnberg: Wie im Kinderladen - überrascht und erstaunt

Herthas Bundesliga-Rückkehr nach 455 Tagen ist misslungen. Der neu formierte 1. FC Nürnberg war mutiger und giftiger. Und der neue "Club"-Stürmer Pekhart traf gleich zum Auftakt. Viel Zeit für eine Akklimatisierung in der 1. Liga hat der Hauptstadtclub nicht.

Am Ende fühlte sich Markus Babbel wie in einem Spielzeugladen: Seine Spieler staunten wie Kinder über die neue bunte Welt namens 1. Liga - und mussten für das Gucken mit dem 0:1 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg kräftig Lehrgeld bezahlen. Der Hertha-Trainer nahm ein Stück Schuld an der Pleite bei der Rückkehr in die feinste und teuerste Abteilung des deutschen Fußball-Kaufhauses auf seine Kappe: "Ich habe vergessen, meinen Spielern zu sagen, dass sie sich auch ein Spielzeug aussuchen dürfen und zugreifen." So wurde es für Hertha ein missglücktes Comeback.

Der "Club" bedankte sich für die unerwartete Zurückhaltung des Berliner Aufsteigers und krallte sich vor 61.118 Fans die ersten drei Punkte der neuen Saison. Hertha BSC in dem insgesamt schwachen Spiel mit zu wenig Mut, zu viel Respekt, zu harmlos: "Das ist schon ein blödes Gefühl, weil die Stimmung am Anfang toll war, aber wir konnten nichts zurückgeben", sagte Maik Franz, einer von vier Neuzugängen. Der in der Liga als "Iron Maik" bekannte Franz hatte Jens Hegeler genau 22 Sekunden nach dessen Einwechslung flach flanken lassen; der neue "Club"-Franke aus Tschechien, Tomas Pekhart, traf (80. Minute) zur Entscheidung.

Ottl von Qualität der Hertha überzeugt

"Was wir daraus lernen können, werden wir in den nächsten Tagen besprechen", kündigte Andreas Ottl, ein weiterer Neu-Berliner, an. Von der Qualität seines Teams ist der ehemalige Bayern-Profi trotz des ersten Rückschlags gleich bei der Rückkehr der "alten Dame" auf die große Bühne weiter überzeugt. Zeit haben die Berliner angesichts der zwei nun anstehenden Auswärtsspiele in Hamburg und Hannover nur wenig. "Jetzt sind wir in der 1. Liga. Das müssen wir annehmen", betonte Ottls ehemaliger Münchner Kollege Christian Lell.

Wo Babbel schnell ansetzen muss, wurde gegen den neu formierten "Club" sofort deutlich, auch wenn das erste Saisonspiel natürlich noch nicht als endgültiger Erstliga-Tauglichkeitstest herhalten kann. "Es geht alles schneller, es geht intensiver zur Sache", meinte der Hertha-Trainer (38), für den die Rückkehr in die deutsche Eliteliga natürlich auch eine große persönliche Chance und Aufgabe ist.

Gäste gewannen zwei Drittel der Zeikämpfe

Nürnbergs Coach Dieter Hecking (46) hatte Babbels Team bestens analysiert: "Wir haben es sehr gut verstanden, ihre Passgeber in der Mitte zuzumachen." So blieben nur wirkungslose Langpässe und lähmendes Quergeschiebe. 62 Prozent der Zweikämpfe gewannen die Gäste. Zudem wirkten die Berliner nicht nur beim Gegentor des 1,3 Millionen Euro teuren Pekhart ein Stück zu langsam, zu zögerlich.

"Berlin wusste überhaupt nicht, was zu tun ist", stellte Nürnbergs Torhüter und Kapitän Raphael Schäfer mit Freude fest. Dabei hatten bis auf die Zweitliga-Entdeckung Pierre-Michel Lasogga alle Berliner aus der Startelf schon reichlich Erstliga-Erfahrung sammeln können.

Von Panikreaktionen oder -einkäufen nach der ersten Pleite halten Babbel und auch Manager Michael Preetz gar nichts: "Wir werden sicher gegen den Abstieg spielen. Es ist ein Rennen über 34 Spieltage." Babbel wird "jetzt einen Teufel tun, die Mannschaft zu verdammen. Jetzt geht's weiter: Kopf hoch, Brust raus". Kapitän Andre Mijatovic, beim 0:1 zu spät, legte sogar ein Gelübde ab: "Ich verspreche, dass wir noch zeigen werden, dass wir in die 1. Liga gehören."

Jens Mende, DPA / DPA

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