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Horrorfoul: "Mein Fuß zeigte in die andere Richtung"

Ein übles Foul hat Kroatiens Fußball aus allen EM-Träumen aufgeschreckt: Top-Torjäger Eduardo von Arsenal London wurde von Birminghams Martin Taylor ins Krankenhaus befördert und wird die Titelkämpfe im Juni verpassen. Gegen den Täter gibt es inzwischen sogar Morddrohungen.

Von Nico Stankewitz

Es wird als eines der brutalsten Fouls aller Zeiten in die Fußballgeschichte eingehen, der brutale Tritt von Birminghams Verteidiger Martin Taylor gegen den leichtfüßigen Kroaten Eduardo von Arsenal London. Eduardo da Silva, der Brasilianer, der bei Dinamo Zagreb die kroatische Staatsbürgerschaft erhalten hatte und Kroatien beinahe im Alleingang zur EM schoss hat einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch erlitten und wird für mindestens sechs Monate ausfallen. Zunächst war sogar unklar, ob der 25-Jährige Torjäger, für den Arsenal im Sommer immerhin 15 Millionen Euro an Zagreb überwiesen hatte, überhaupt je wieder Fußball spielen können würde.

"Ich liebe ihn wie einen Sohn"

Vollkommen geschockt und verzweifelt präsentierte sich der kroatische Nationaltrainer Slaven Bilic: "Ich bin total geschockt, er ist als Spieler mit mir groß geworden. Ich liebe ihn wie meinen Sohn, er ist nicht nur ein toller Spieler, sondern auch ein guter Typ. Eduardos Verletzung ist ein unglaublicher Rückschlag für den kroatischen Fußball." Die Nationalmannschaft um Eduardo und Spielmacher Luka Modric gilt als die stärkste seit 1998, als Kroatien immerhin Deutschland ausschaltete und das Halbfinale erreichte. Zu den wesentlichen Stützen des Gruppengegners der deutschen Mannschaft zählen die aus der Bundesliga bekannten Offensivspieler Ivica Olic (Hamburger SV) und Mladen Petric (Borussia Dortmund), mit Josip Simunic, Robert Kovac, Marko Babic, Ivan Rakitic, Niko Kovac, Jurica Vranjes und Ivan Klasnic stehen eine ganze Reihe ehemaliger oder aktueller Bundesliga-Legionäre im Kader. Dem Ex-KSC-Profi Bilic ist es gelungen, die Mannschaft zu einer verschworenen Einheit zu machen.

In Kroatien herrscht geradezu Volkstrauer, so stark haben sich die Hoffnungen der jungen Nation auf den naturalisierten Brasilianer als Sturmführer gestützt. Auch für die EM sehen Kroatiens Fans jetzt schwarz, in der kroatischen Presse wurde Eduardo als "unersetzlich" und "lebenswichtig" beschrieben. Allein 25000 Fans sprachen sich dafür aus, Taylor auf Lebenszeit zu sperren.

Morddrohungen gegen Taylor

Der Täter steht derweil selber unter Druck, denn gegen Taylor gingen inzwischen Morddrohungen ein, die zumindest zum Teil ernst genommen werden müssen. Der dänische Arsenal-Stürmer Niklas Bendtner nimmt Taylor in Schutz: "Er ist eigentlich ein fairer Spieler, ich habe in der vergangenen Saison noch mit ihm zusammen gespielt, es war nur unglücklich und ungeschickt." Auch Birminghams Trainer Alex McLeish nahm seinen Spieler in Schutz: "Es ist ein tragischer Unfall. Die ganze Szene war einfach unglücklich, aber ein normales Foul, wie es im Fußball passieren kann. Es tut mir sehr Leid für Eduardo und seinen Verein."

Taylor hatte bereits am Sonntag Eduardo im Krankenhaus besucht und sich entschuldigt. Eduardos Mitspieler zeigten sich geschockt, aber kämpferisch: "Ich habe so etwas noch nie gesehen, es war fürchterlich! Wir wollten vorher schon gewinnen, jetzt werden wir etwas großes für Eduardo gewinnen", so Arsenals französischer Mittelfeldspieler Mathieu Flamini.

"Mein Fuß zeigte in die andere Richtung"

An drei verschiedenen Stellen ist das Bein von Eduardo gebrochen, in zwei stundenlangen OPs wurden zunächst die Brüche gerichtet und dann das Bein wieder "aufgebaut" und es gelang dem Ärzteteam zumindest gute Voraussetzungen für eine vollständige Genesung zu schaffen. Der Spieler selber kann sich im Krankenhaus an den Unfall kaum erinnern: "Ich möchte es nicht nochmal im Fernsehen oder in der Zeitung sehen, aber alles, was ich erinnere ist, dass im Moment des Sturzes mein Fuß in die andere Richtung zeigte" so Eduardo nach der Operation in Londons Selly Oak Hospital.

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