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HSV-Dilemma: Komm in die Hufe, Dolly

Vorstandvorsitzender Bernd Hoffmann hat die Faxen dicke. Keine Entschuldigungen mehr, er will Taten sehen. Dem Team, inklusive Trainer Doll, steht ein heißer Herbst bevor.

Der demonstrative Zusammenhalt beim Hamburger SV bröckelt. So scharf wie nie zuvor kritisiert der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann die Profis und nimmt auch Thomas Doll in die Pflicht. "Wir befinden uns aktuell im Abstiegskampf, das wird vom Schönreden nicht besser. Aber das hat ein Teil der Mannschaft offenbar nicht begriffen. Anders ist so ein mangelndes Engagement nicht zu erklären", sagte der sichtlich mitgenommene Clubchef Hoffmann und rügte den teuersten HSV-Kader der Geschichte. "Bis Weihnachten werden es hammerharte Wochen, das muss jedem bewusst sein, auch dem Trainer."

Dumme Ausreden gelten nicht mehr

Zum Wochenanfang zogen sich die Verantwortlichen in Sitzungen zurück, Rafael van der Vaart und Co. gingen auf Dienstreise zu ihren Nationalmannschaften. Die Stimmung um die AOL-Arena war wie das Hamburger Schietwetter. Allein die Namen der Verletzten als Entschuldigung aufzuzählen, will Hoffmann nicht mehr akzeptieren. "Irgendwann sollten wir das beiseite schieben, andere Mannschaften haben auch Verletzte."

Vor der Saison hat der Traditionsclub mehr als zwanzig Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, von denen drei (Vincent Kompany/8 Millionen, Juan Pablo Sorin/3, Guerrero/2,8) verletzt ausfallen. Hinzu kommen auch Verständigungsprobleme - nicht alle der Profis aus 14 Nationen beherrschen die deutsche Sprache.

"Es braucht keiner mehr zu erzählen, welche Qualität der Kader hat", meinte Hoffmann, der nach dem harmlosen 1:1 gegen Mönchengladbach am nächsten Samstag in Mainz bedingungslosen Kampf sehen will. Das Problem des Trainers: Er kann in dieser wichtigen Woche gar nicht mit den Leistungsträgern zusammenarbeiten. Van der Vaart und Joris Mathijsen spielen mit den Niederlanden gegen England, David Jarolim und Raphael Wicky sind ebenfalls international im Einsatz. Die angeschlagenen Piotr Trochowski, Boubacar Sanogo, Paolo Guerrero und Mehdi Mahdavikia sagten zwar ihren Nationaltrainern ab, an ein vernünftiges Training ist aber nicht zu denken.

Vertrauen in Doll, dennoch wird Aktion verlangt

So muss Doll weiterhin auf junge Leute setzen, die er allerdings nicht mit dem Druck überfrachten will. Er befürchtet: Werden erst Abstiegsängste geschürt, könnte die Mannschaft gänzlich zusammenbrechen. So gelang am Samstag dem lautstark von den Fans geforderten Stürmer Besart Berisha nach seiner Einwechslung keine torgefährliche Aktion.

Im Vorstand steht die Position des Trainers nicht zur Debatte. "Thomas Doll hat den sichersten Arbeitsplatz in der Bundesliga", lautet das Bekenntnis von Hoffmann zu seinem Coach. Doch der Vereinschef wie auch die fassungslosen Fans wollen endlich Siege sehen. Sonst droht bis zur Jahreshauptversammlung am 11. Dezember das aus Hoffmann, Dietmar Beiersdorfer (Sportchef) und Doll bestehende Führungstrio auseinander zu brechen.

Britta Körber und Franko Koitzsch/DPA / DPA

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