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Platzsturm und Massenpanik Katastrophe im Stadion: Zahl der Toten nach Fußballspiel in Indonesien auf 125 korrigiert

Kanjuruhan Stadion in Malang in Indonesien: Hilfe für einen Verletzten
Hilfe für einen Verletzten nach Zusammenstößen nach einem Erstligaspiel im Kanjuruhan Stadion in Malang. Fangewalt ist ein großes Problem in Indonesien.
© AFP
Es ist eine der schwersten Sportstadion-Katastrophen der Welt: Bei Zusammenstößen zwischen Fußballfans und der Polizei in der indonesischen Stadt Malang und einer anschließenden Panik sind mindestens 125 Menschen getötet worden.

Bei schweren Ausschreitungen im Anschluss an ein Fußballspiel in der indonesischen Provinz Ost-Java sind nach neuesten Behördenangaben mindestens 125 Menschen ums Leben gekommen und 180 verletzt worden. Zuvor waren mehr als 170 Tote gemeldet worden, die Zahl wurde korrigiert 

Tausende wütende Fans hatten nach Polizeiangaben am Samstagabend (Ortszeit) den Rasen des Kanjuruhan-Stadions gestürmt, nachdem ihr Verein Arema FC das Erstligaspiel gegen den Erzrivalen Persebaya Surabaya 2:3 verloren hatte – die erste Niederlage seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die Polizei versuchte daraufhin eigenen Aussagen zufolge, die Fans zur Rückkehr auf die Ränge zu bewegen und feuerte schließlich Tränengas in die Menge, nachdem zwei Polizisten getötet worden waren. Dies löste Polizeiangaben zufolge eine Massenpanik aus.

Staatspräsident ordnet Sicherheitscheck aller Fußballspiele an

An einem Ausgang sei es zum Stau sowie zu "Atemnot und Sauerstoffmangel" gekommen, erklärte der örtliche Polizeichef Nico Afinta. Viele der Opfer wurden demnach zu Tode getrampelt. 34 Menschen seien auf dem Spielfeld gestorben, alle weiteren in Krankenhäusern. Noch rund 180 Personen sind nach seinen Angaben in Kliniken. Bei den Ausschreitungen wurden überdies 13 Fahrzeuge beschädigt, darunter zehn der Polizei.  Auf Fotos, die auf der Seite des Senders tvOne veröffentlicht wurden, ist unter anderem ein völlig zerstörtes Auto im Stadion zu sehen. Weitere Bilder zeigen den Platzsturm sowie Rauchschwaden auf dem Fußballfeld und auf den Tribünen.

Die Tragödie in Malang ist eine der schwersten Sportstadion-Katastrophen der Welt. Indonesiens Präsident Joko Widodo ordnete als Konsequenz eine Sicherheitsüberprüfung der Fußballspiele des Landes an. Der Sport- und Jugendminister des Landes, der nationale Polizeichef und der Chef des indonesischen Fußballverbandes wurden angewiesen, "eine gründliche Bewertung der Fußballspiele und der Sicherheitsverfahren vorzunehmen", sagte Widodo in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung.

Der indonesische Fußballverband (PSSI) setzte den Spielbetrieb in der ersten Liga für eine Woche aus. Arema wurde die Austragung von Heimspielen für den Rest der Saison untersagt. Zudem habe der Verband ein Untersuchungsteam eingesetzt, das noch am Sonntag seine Arbeit aufnehmen sollte. "PSSI bedauert die Aktionen der Aremania-Anhänger im Kanjuruhan-Stadion. Es tut uns leid und wir entschuldigen uns bei den Familien der Opfer und bei allen Beteiligten für den Vorfall", sagte der Verbandsvorsitzende Mochamad Iriawan. Man werde die Polizei bei der Aufklärung unterstützen.

Die Organisatoren hätten die Empfehlung der Behörden ignoriert, das Spiel am Nachmittag statt am Abend abzuhalten, sagte der indonesische Koordinationsminister für politische, rechtliche und sicherheitspolitische Angelegenheiten, Mahfud MD. Ihm zufolge hatte die Regierung empfohlen, nur 38.000 Eintrittskarten zu drucken. Stattdessen seien sämtliche 42.000 Stadionplätze verkauft worden.

Gewalt durch Fans ist ein Problem in Indonesien

Die Fußballclubs Arema und Persebaya sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus. "Arema FC spricht sein tiefes Beileid für die Katastrophe in Kanjuruhan aus. Das Management von Arema FC ist auch für den Umgang mit den Opfern verantwortlich, sowohl für die Toten als auch für die Verletzten", sagte Vereinschef Abdul Haris. Der Club werde ein Krisenzentrum und eine Opferinformationsstelle einrichten. "Bei den Familien der Opfer entschuldigt sich das Management von Arema FC zutiefst und ist bereit, eine Entschädigung zu leisten. Das Management ist bereit, Vorschläge für den Umgang mit der Katastrophe anzunehmen, damit viele gerettet werden", erklärte Haris.

Gewalt durch Fans ist ein Problem in Indonesien. Tiefe Rivalitäten ziehen dabei oft tödliche Auseinandersetzungen nach sich. Manche Spiele sind so aufgeladen, dass die Spieler der Spitzenmannschaften unter Schutz zu Auswärtsspielen reisen müssen.

Weltweit gilt das Unglück im britischen Hillsborough-Stadion im Jahr 1989 als eines der verheerendsten, als beim Zusammenbruch der Tribünen 97 Fans des FC Liverpool ums Leben kamen. 2012 starben in Port Said in Ägypten bei Stadion-Ausschreitungen nach einem Fußballspiel 74 Menschen. 1964 wurden bei einer Massenpanik während eines Olympia-Qualifikationsspiels zwischen Peru und Argentinien im Nationalstadion von Lima 320 Menschen getötet und mehr als 1.000 verletzt.

Hinweis der Redaktion: Die Meldung wurde nach Bekanntgabe neuer Opferzahlen durch die indonesischen Behörden aktualisiert

mad AFP DPA

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