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International Süper Lig - Das Derby Galatasaray gegen Besiktas


Galatasaray und Besiktas sind im europäischen Teil Istanbuls beheimatet, die Rivalität ist über Jahrzehnte gewachsen. Am Wochenende kam es wieder zum Duell der Erzrivalen und die Fans erlebten ein denkwürdiges Derby.  

Sir Alex Ferguson hat schon viel erlebt in seinem langen Fußball-Leben. Am 15. September 2009 spielte er in der Champions League mit Man United bei Besiktas. Im Anschluss an das Spiel lautete sein Kommentar: "The loudest I’ve ever heard". Dass türkische Fans bei besonderen Begegnungen besonders laut werden, bewiesen sie abermals am Sonntagabend.

Match der Woche: Galatasaray - Besiktas

Johan Elmander spielt seine erste Saison im Trikot Galatasarays. Seit dem Sieg am Sonntagabend im prestigeträchtigen Istanbuler Derby gegen Besiktas JK hat der Schwede bereits Kult-Status erlangt. In einer zerfahrenen und wenig begeisternden ersten Hälfte knallte der Stürmer den Ball nach Vorarbeit von Eboue aus 18 Metern an die Unterkante der Latte von wo das Leder in die Maschen sprang. Danach gaben die Gastgeber das Heft des Handelns jedoch aus der Hand.

Den Schwarzen Adlern von Besiktas gelang es in dieser Phase jedoch nicht, ihre Dominanz auch vor dem Tor des 17maligen Meisters unter Beweis zu stellen. Das Spiel wurde zudem gegen Ende der ersten Hälfte ruppiger. Kurz vor der Pause kam es zu allem Überfluss zu einer Rudelbildung. Als Schiedsrichter Firat Aydinus zur Pause pfiff war man auf Grund des wenig packenden Duells und der Unruhe auf dem Spielfeld irgendwie erleichtert.

Das genaue Gegenteil bewirkte sein Schlusspfiff eine Stunde später. Aber der Reihe nach. Die Adler waren bis in die Federspitzen engagiert aus der Halbzeit gekommen. Ricardo Quaresma bediente Ibrahim Toraman, der aus wenigen Metern den Ausgleich markierte. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr, beide Mannschaften waren nur noch im Vorwärtsgang.

Gala antwortete mit einem Treffer Felipe Melos - traumhaft vorbereitet durch Selcuk Inan. Dann machte es das Team von Fatih Terim selber noch Mal spannend. In der 77. Minute unterlief Semih Kaya ein Eigentor, wieder war Ricardo Quaresma der Vorbereiter. Die Zuschauer auf den Rängen peitschten die Spieler in der Folge auf eine Weise an, wie es auch für türkische Verhältnisse beeindruckend war.

Die Lautstärke der Gala-Fans dürfte dem einen oder anderen einen kurzfristigen Gehörverlust zugefügt haben. Auch Johan Elmander muss von dieser Kulisse sehr beeindruckt gewesen sein. Der ehemalige Premier-League-Akteur ist ohnehin für bedingungslosen Einsatz bekannt. Als er jedoch kurz vor Schluss eine Flanke von Selcuk in den Strafraum segeln sah, kannte der Schwede weder Freund noch Feind. Er warf sich in den Ball, markierte per Kopf aus kürzester Distanz den Siegtreffer und dürfte die nächsten Minuten wie in Trance erlebt haben.

Sein komplettes Team, inklusive Wechselspielern und Betreuerstab warf sich auf ihn. Man musste sich ein wenig Sorgen um Elmander machen, manch einer meint auch Rufe von ihm nach seiner Mama vernommen zu haben. Bei der herrschenden Lautstärke der Jubelarie in diesem Moment, darf man diese Gerüchte jedoch getrost in das Reich der Fabel verweisen - das hätte eh niemand hören können. Es war ein Derby, welches als eines der Denkwürdigsten in die lange Geschichte der Duelle zwischen diesen beiden Teams eingehen wird.

Historisches zum Match der Woche

Besiktas JK (Gymnastik Club) gilt als einer der ältesten Sportvereine der Türkei. Das Besondere: Gegründet wurde er in einer Zeit, als Sportvereine verboten waren. 1903 befürchtete man im Osmanischen Reich, dass sich in Vereinen revolutionäre Gruppierungen bilden und einen Umsturz wagen könnten. Erst 1910 wurden sie offiziell erlaubt, ein Jahr später entstand auch eine Fußball-Abteilung innerhalb des BJK.

Die gab es bei Galatasaray bereits seit 1905. Galata ist ein Viertel im Istanbuler Stadtteil Beyoglu. Die dortigen Schüler des Galatasaray-Gymnasiums begeisterten sich für das Spiel mit dem Lederball und wollten es besser machen. Besser als die englischen Einwanderer in Konstantinopel (wie Istanbul bis 1930 offiziell hieß), die das neuartige Ballspiel an den Bosporus mitgebracht hatten.

Beide Vereine sind auf dem europäischen Teil der Riesenmetropole angesiedelt. Dennoch dauerte es bis zum 22. August 1924, bis die heutigen Erzrivalen in einer offiziellen Partie aufeinandertrafen. Besiktas entschied dieses allererste Duell im Rahmen der Istanbuler Fußball Liga mit 2:0 für sich. Sieben Jahre sollte es dauern bis man 1931 wieder einen Sieg gegen die Jungs vom Galata-Gymnasium erringen konnte.

In der Zwischenzeit hatten die Löwen acht Ligaspiele für sich entscheiden können. Der Grundstein für eine bis heute andauernde Rivalität war gelegt. Speziell die Tatsache, dass es aus dem europäischen Teil ebendiese beiden Teams waren, die seit den Anfängen des Fußballs in der Türkei bis heute eine Hauptrolle spielen, macht die besondere Brisanz aus.

Von den anderen Gründungsmannschaften jener Zeit sind nicht mehr viele übrig geblieben. Oder haben Sie schon Mal was von Moda FC, HMS Imogene FC, Elpis FC oder dem Cadikeuy FC gehört. Allesamt Teams, die von englischen bzw. von griechischen Einwanderern gegründet worden waren. Dauerhaft an der Spitze des türkischen Fußballs konnte sich seitdem nur ein weiterer Verein der Gründungszeit halten - Fenerbahce SK.

Fener ist allerdings auf dem asiatischen Teil angesiedelt, die Rivalität mit Gala und Besiktas ist bekanntermaßen nicht weniger gering. Seit dem ersten Spiel 1924 gab es zwischen den beiden Vereinen des Westteils 328 Pflichtspielduelle. Die Rot-Gelben gewannen inklusive des Sieges am Sonntag 114 dieser Spiele, 105 gingen an Besiktas, 109 Mal gab es keinen Gewinner.

Frage der Woche an Emre, den Fener-Fan

sportal.de: Das Cimbom-Besiktas-Derby war ja kaum an Dramatik zu überbieten. Wenn du einmal zurückdenkst, welches Nachbarduell hat bei dir die größten Spuren hinterlassen?

Emre, der Fener-Fan: "Da brauche ich nicht lange zu überlegen. Die "6" ist seitdem eine magische Zahl für mich. Es ist definitiv das Spiel vom 6. November 2002. Fener spielte ab der 58. Minute nach einer Roten Karte gegen Ariel Ortega nur noch zu zehnt. Zu diesem Zeitpunkt führten wir bereits mit 2:0. Danach gelang das schier Unglaubliche. Wir erzielten noch vier weitere Treffer. Das 6:0 war ein Sieg im Rausch. Es mag sein, dass wir in diesem Jahr nicht so gut spielen. Es mag sein, dass wir auf Grund des Korruptionsskandals den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Doch letztendlich wäre es ein Verlust für alle Fans, wenn es nicht mehr zu solchen Derbys kommen würde."

Der Spieltag in der Übersicht

Natürlich galt der Fokus an diesem Wochenende dem Derby zwischen Gala und Besiktas. Aber auch Fener und Trabzon schafften es in die Schlagzeilen. Beiden Teams gelang es überraschend gegen Underdogs zu verlieren. Die Kanarienvögel unterlagen dem ehemaligen Team von Michael Skibbe Eskisehirspor mit 2:1, der Ehrentreffer gelang dabei Moussa Sow.

Trabzon verlor zu Hause gegen Mersin IY mit 2:3. Unter der Woche war man sang- und klanglos aus der Europa League ausgeschieden. Nun muss man langsam darum fürchten, nicht an der Meisterschaftsrunde, die von den ersten vier Teams ausgespielt wird, teilnehmen zu können. Der Vorsprung auf Platz fünf beträgt nur noch zwei Punkte, dort lauert Genclerbirligi Ankara . Und die Form spricht eindeutig für den Herausforderer!

Derweil hat sich das Vakuum an der Spitze des Türkischen Fußball-Verbandes TFF endlich gefüllt. Yildirim Demirören wurde am Montagabend zum neuen Vorsitzenden gewählt, nachdem bereits vor mehreren Wochen der alte Vorstand im Zuge des Manipulationsskandals zurückgetreten war. Demirören war bis letzte Woche Präsident von Besiktas und soll nun den türkischen Fußball in ruhiges Fahrwasser führen. Man darf gespannt sein, ob und wie schnell ihm das gelingen wird.

Serkan Agci und Bülent Yaman

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