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International: Warum Barca - Real Madrid die Massen elektrisiert

Vordergründig geht es um die Vorherrschaft im spanischen, europäischen oder sogar Welt-Fußball. Doch die tiefere Bedeutung des Duells zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona geht deutlich darüber hinaus. Unsere fünf Thesen zeigen:  El Clasico ist "mehr als ein Fußball-Spiel". 

"El Clasico" zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona, keine Partie erregt die Gemüter der Fußball-Enthusiasten in Spanien und der ganzen Welt so sehr wie das Duell zwischen diesen beiden Teams. Obwohl die Partie – Liga, Pokal, Supercup und Champions League sei dank – ja mittlerweile schon fast inflationär oft ausgetragen wird.

Seit José Mourinho 2010 das Traineramt bei Real Madrid übernommen hat, stand er bereits in zehn Clasicos an der Seitenlinie, das Duell am 35. Spieltag der Primera Division wird daher sein elftes Aufeinandertreffen als Coach der Königlichen mit Barca sein – und aus seiner Sicht hoffentlich siegreich gestaltet werden, damit der einst zehn Punkte betragende Vorsprung auf den Erzrivalen vier Spieltage vor Schluss nicht auf einen einzigen zusammenschmilzt.

Das Match könnte sogar eine Art Schlüsselmoment in Mourinhos Karriere sein. Denn bei Real verfügt er derzeit über eine riesige Machtfülle im Club, scheint unantastbar. Verspielt er aber den Meistertitel noch und gewinnt auch nicht die Champions League, könnte er trotzdem Probleme bekommen. Daher müsste er seine Negativserie gegen Barcelona durchbrechen. Mourinho konnte in den bisherigen zehn Spielen erst einmal gewinnen – im Pokalfinale 2011 nach Verlängerung – und verlor bereits fünfmal. In Barcelona ist er mit Real noch ohne Sieg.

Insgesamt hat es Real Madrid seit 14 Spielen nicht geschafft, Barcelona in den regulären 90 Minuten zu besiegen. Angesichts dieser Konstellationen bietet auch die erneute Auflage des ewigen Duells genügend Gesprächsstoff. Grund genug für einen spanischen TV-Sender, seine Fußball-Gesprächsrunde "Punto Pelota" im Vorfeld auf satte 24 Stunden auszudehnen.

Aber es gibt ja auch jede Menge Themen zu besprechen, Real Madrid gegen den FC Barcelona ist schließlich deutlich mehr als ein Fußball-Spiel, wie unsere beispielhaft ausgewählten fünf Thesen beweisen.

Barca vs. Real: "Mehr als ein Fußball-Spiel"

Fußball wird hier zum Stellvertreterkrieg zwischen den nach Unabhängigkeit strebenden Katalanen und dem kastilischen Hauptstadtclub, einst Lieblingsclub des verhassten Diktators Franco. Unter ihm war Katalanisch verboten worden, das heimische Stadion daher der einzige Ort, an dem katalanische Gesänge straffrei angestimmt werden konnten. Barca wurde damit zum Symbol für den Widerstand.

Diese ideologische Kluft zwischen beiden Teams wurde durch die sportliche Rivalität weiter vertieft. Erst hatte es den Transferstreit um Afredo di Stefano gegeben, der, nachdem er Freundschaftsspiele für Barca bestritten hatte, doch lieber zu Real wollte und nach langem Streit auch durfte.

Dann beendete Barca mit dem Achtelfinalsieg gegen Real im März 1961 auch noch die fünfjährige Vorherrschaft Madrids im Europacup. Für Aufregung sorgte allerdings die Art und Weise, wie das Aus zustande gekommen war. Nachdem Barca im Hinspiel ein fragwürdiger Elfmeter zugesprochen wurde, verwehrte der Referee im Rückspiel vier Real-Toren die Anerkennung.

Barca vs. Real: "Das ultimative Spiel"

Zur Beruhigung der ohnehin aufgeheizten Stimmung trug der Vorfall natürlich nicht bei und färbte auch auf die Anhänger ab. "Die Leute verlangen von dir als Spieler, dass du gewinnst und daher fühlst du dich hier noch mehr unter Druck. Das ist einfach das ultimative Spiel", wird Günter Netzer von der BBC zitiert. Kein Wunder, dass auf dem Schwarzmarkt astronomische Ticketpreise gezahlt werden.

Man will hautnah dabei sein, wenn Wurfgeschosse auf das Spielfeld niederprasseln. 1968 führte ein Flaschenregen, der auf die siegreiche Barca-Mannschaft bei der Ehrenrunde niederging, für ein vorübergehend generelles Flaschenverbot in spanischen Stadien, 2001 wurde der von Barca zu Real gewechselte Luis Figo von Anhängern der Blaugrana mit faulem Obst, Bechern und sogar einem Spanferkelkopf beworfen.

Diese abgrundtiefe Abneigung zwischen beiden Lagern ist die Regel, Fairness eher die Ausnahme. Umso bemerkenswerter, weil nahezu einmalig, waren die Standing Ovations, mit denen Real-Anhänger im Estadio Bernabeu 2005 Barcas Ronaldinho für zwei Tore und eine Gala-Vorstellung huldigten.

Barca vs. Real: "Die schwierigste Partie für einen Schiedsrichter"

In der aber allgemein eher feindlichen Stimmung haben vor allem die Schiedsrichter einen Höllenjob zu erledigen, wie der spanische Ex-Referee Raul Garcia de Loza gegenüber goal.com behauptete. Der Unparteiische muss einen kühlen Kopf bewahren. Er darf sich weder im Vorfeld von den Verschwörungstheorien José Mourinhos aus dem Konzept bringen, noch im Spiel von tretenden Spielern und schon gar nicht von den aufgeregt an der Seitenlinie herumtanzenden Trainern verunsichern lassen.

Die Rangeleien zwischen Mourinho und Barcas Co-Trainer, auf deren Höhepunkten der Portugiese seinem Gegner in bester Stooges-Manier einen Finger ins Auge piekste, liegen noch kein Dreivierteljahr zurück.

Barca vs. Real: Viele Tore garantiert

Langeweile darf man bei diesem Spiel also ebenso wenig erwarten wie Torlosigkeit. Denn seit 1902 der deutsche Udo Steiberg, der in Deutschland als Vertreter für Werkzeughersteller und Baustoffhändler gearbeitet hatte, ehe er mit dem Patent einer neuartigen Zementmischmaschine nach Barcelona zog, im ersten Clasico bei Barcas 3:1-Sieg doppelt getroffen hatte, gab es in Pflichtspielen nur achtmal ein 0:0. Zuletzt 2002.

Viel häufiger waren dagegen Schützenfeste wie das allerdings unter skandalösen Umständen zustande gekommene 11:1, mit dem sich Real 1943 nach 0:3-Niederlage im Hinspiel doch noch im Pokalhalbfinale durchsetzte, Barcas 7:2 (1950) oder in der jüngeren Vergangenheit ein 6:2 (2009) bzw. 5:0 (2010) der Blaugrana.

Barca vs. Real: Die besten Spieler ihrer Generation stehen auf dem Feld

Diese These lässt sich sicherlich nicht für alle Epochen untermauern, aktuell dürfte sie aber zutreffen. Denn Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind wohl ohne Zweifel die herausstechenden Fußballer der Gegenwart, wer die tatsächliche Nummer eins ist, wohl auch eine Glaubensfrage.

Nach dieser Partie wird man aber möglicherweise sagen können, wer zumindest in der Torjägerliste der Primera Divison die Nase vorn haben wird. Momentan liegen beide mit 41 Treffern gleichauf. Die Bilanz spricht derzeit für Messi. Zwar traf er in den letzten beiden Spielen nicht, schoss in 18 Clasicos aber bisher insgesamt schon 13 Tore, Ronaldo traf dagegen erst zweimal gegen Barca.

Malte Asmus 

sportal.de / sportal

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