Jürgen Klinsmann Bald Trainer der "Three Lions"?


Lange war es ruhig um Jürgen Klinsmann. Jetzt hat sich der Ex-Bundestrainer in einem Interview mal wieder geäußert. Klinsi sehnt sich nach neuen Herausforderungen. Dafür drückt der Schwabe sogar wieder die Schulbank - und spekuliert insgeheim auf höchst attraktive Trainerjobs.

Etwa ein halbes Jahr ist es her, dass Jürgen Klinsmann nach einer berauschenden Weltmeisterschaft dem deutschen Fußball den Rücken kehrte und sich zur Erholung in sein Haus am Strand von Kalifornien und den Schoß der Familie zurückzog. Doch jetzt will der Ex-Bundestrainer im Fußball wieder mitmischen. Der Akku ist voll aufgeladen, sagt er in einem Interview.

Er wolle auf jeden Fall wieder als Trainer arbeiten, betont der 42-Jährige. Dafür paukte er in den vergangenen sechs Monaten mit einem Privatlehrer intensiv Spanisch. "Es wird immer besser. Ich kann spanische Fußballübertragungen im Fernsehen verstehen, die meisten Fußballspiele sind hier auf Spanisch." Die Sprache sei ein Schlüssel zu einer fremden Mentalität. "Und du musst die Kultur auch verstehen, sonst fehlt dir was", sagt der Schwabe.

Spanischpauken als Vorbereitung auf neue Weihen

Vor allem aber fehlten ihm Spanisch-Kenntnisse und damit der sprachliche Zugang zu größeren Fußball-Nationen wie Argentinien, Spanien oder auch Mexiko. In Italien oder England hätte Klinsmann hingegen keine Verständigungsprobleme. In beiden Ländern war er bereits als Spieler erfolgreich. Italienisch sei immer noch "fest im System" abgespeichert und Englisch fällt dem Wahl-Kalifornier, der mit einer Amerikanerin verheiratet ist, ohnehin leicht.

Offen für Überraschungen

Er würde es denn auch nicht ausschließen, bei Mannschaften wie etwa Italien oder England das Zepter zu übernehmen. "Man muss sich alles vorstellen können", sagt Klinsmann. "Im Profi-Sport gibt es nicht unendlich viele Alternativen auf dem Level, auf dem ich mich bewegen durfte. Die Luft ist relativ dünn." Wenn die Herausforderung stimme und es sich für die Familie einrichten lasse, "dann geht man in das Land, von dem man nie gedacht hatte, dass man mal hingehen würde."

Einen konkreten Job habe er aber noch nicht in Aussicht, sagt Klinsmann. "Ich bereite mich auf etwas Neues vor. Es kann in ein oder zwei Monaten kommen, oder in ein oder zwei Jahren. Momentan bereite ich mich auf den nächsten Schritt vor, ohne zu wissen, was der nächste Schritt sein wird." Viele Dinge würden sich sowieso zufällig entwickeln. Auf die Art sei er letztendlich auch in den Trainersessel beim DFB gerutscht.

Widererwarten - und all seinen Kritiker zum Trotz - führte Klinsmann die deutsche Elf bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land bis zum Sieg im Spiel um den Dritten Platz. Danach wollte praktisch keiner mehr, dass er geht. Selbst hochrangige Politiker machten sich für seinen Verbleib stark. Vergebens. "Es war wichtig, wieder Abstand zu gewinnen für die Balance in der Familie. Ich wusste, es würde ein paar Wochen dauern", sagt Klinsmann und fügt hinzu: "Es geht mir gut." Der Vorteil seiner freiwilligen Auszeit sei, dass er sich habe weiterbilden können.

Engagament als Trainer des US-Teams nicht ausgeschlossen

Ende vergangenen Jahres wähnten ihn schon viele als neuen Trainer der US-Nationalmannschaft. Allerdings verfrüht, wie sich herausstellte. Eine Zusammenarbeit mit dem US-Verband kam nicht zu Stande, obwohl Klinsmann der bevorzugte Kandidat war. "Das war richtig schade", sagt er. "Wir waren richtig weit." Doch sportlich habe es dann doch nicht ganz gestimmt. "Wir konnten es nicht auf einen Nenner bringen." Ein künftiges Engagement sei aber deswegen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. "Das 'Nein' war nicht für immer. Wir sind wirklich im Guten verblieben." Mit einem lockeren amerikanischen "Let's stay in touch" - "Lass uns in Kontakt bleiben" - habe man sich verabschiedet.

Erik Kirschbaum/Reuters Reuters

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