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Kaká: Gebetet, geweint, geblieben

Silvio Berlusconis Gegner sagen, der Montag sei ein guter Tag für Italien gewesen. Denn der Ministerpräsident, in der Nacht zuvor erst vom Nahost-Friedensgipfel herbeigeflogen, kümmerte sich weniger um Staatsangelegenheiten - sondern vor allem um seinen AC Mailand. Und dort vor allem seinen Superstar.

Von Julius Müller-Meiningen, Rom

Was sich da zuvor in Mailand abspielte, glich einer Seifenoper. Geld und Gefühle führten Regie, als der Weltfußballer des Jahres 2007, Kaká, sein Milan-Leibchen aus dem Fenster schwenkte und verkündete, er bleibe dem AC Mailand treu. Trotz der auf 120 Mio. Euro bezifferten Transfersumme und angeblich bis zu 19 Mio. Euro Jahresgehalt, mit denen Manchester City den AC Mailand und Kaká ein paar Tage lang schwindlig gemacht hatten. Dabei war es nicht der 26-jährige brasilianische Nationalspieler, der sein Bleiben bekannt gab, sondern Italiens Premier höchstpersönlich.

Um Viertel vor elf Uhr nachts ließ sich Berlusconi per Telefon in eine Fernsehsendung schalten und sprach wie einer der vier Evangelisten: "Kaká bleibt bei uns. Das Geld interessiert ihn nicht. Er ist ein Goldjunge. Als ich von ihm am Telefon gehört habe, dass er die Farben des Vereins, die Freundschaft und Nähe, Wärme und Zuneigung, die ihm die Fans in diesen Tagen gezeigt haben, vorzieht, habe ich 'Hurra' gerufen, und wir haben uns geistig umarmt. Kaká ist und bleibt bei Milan."

Gegen Mittag hatte Milan-Eigentümer Berlusconi in seine Villa in Arcore bei Mailand geladen. AC-Geschäftsführer Adriano Galliani war zu Gast, das Gespräch drehte sich um den Transfer des brasilianischen Profis. Augenzeugen berichteten, die Stimmung sei trotz des zu erwartenden Geldsegens nicht die beste gewesen. Kaká gibt man nicht gerne her.

Der offensive Mittelfeldspieler, wussten dessen Vertraute zu berichten, sei enttäuscht gewesen über die Bereitschaft Milans, ihn nach Manchester wechseln zu lassen. Offiziell einigten sich die Beteiligten jedenfalls auf die Version eines Rührstücks, mit dramatischen Einlagen.

Am Vormittag war Kakás Vater und Berater Bosco Leite aus São Paulo am Mailänder Flughafen angekommen. Es folgten Verhandlungsrunden, erst mit Galliani auf dem Milan-Vereinsgelände, später mit den Abgesandten von Manchester City in einem Rechtsanwaltsbüro. Hinterausgänge wurden benutzt, dunkle Limousinen rauschten durch den Mailänder Abend. Währenddessen hatten sich Hunderte Tifosi vor der Wohnung des Fußballers versammelt und die Slogans skandiert, die schon am Samstagabend im Meazza-Stadion manchem das Herz erweicht hatten. "Non si vende Kaká", immer wieder: Kaká verkauft man nicht.

Der Spieler zeigte sich abends am Fenster, winkte den Fans zu, schlug sich dreimal die Faust aufs Herz und schwenkte sein Milan-Trikot. Zuvor hätten sich Vater und Sohn lange unterhalten, berichten Vertraute, Kaká habe gebetet und geweint und sich schließlich für Mailand entschieden. Als Berlusconi das Land bereits über die Entscheidung des wie den Messias verehrten Fußballers informiert hatte, trat dieser noch einmal vors Volk und winkte. Nach Mitternacht gestand er in einem Telefonat dem Milan-eigenen Fernsehkanal: "Es war wirklich keine wirtschaftliche Entscheidung. Ich war immer zufrieden bei Milan und bin jetzt sehr froh." Die Zuneigung der Fans hätte durchaus eine Rolle gespielt. Übrigens: Kaká ist mit einem Jahresgehalt von 9 Mio. Euro auch bei Milan der bestbezahlte Spieler.

Bei Manchester City passt die Absage Kakás, in der sich auch die Skepsis gegenüber dem sportlichen Projekt der Engländer ausdrückt, zu anderen Problemen. Robinho, Kakás Freund und mit 42 Mio. Euro der bisher teuerste City-Transfer, ist aus dem Trainingslager auf Teneriffa verschwunden - angeblich, um in Brasilien familiäre Probleme zu lösen. Seine Flucht habe nichts mit dem geplatzten Kaká-Deal zu tun, teilte Robinho mit. Man City wartet auch auf eine Zusage von HSV-Star Nigel de Jong. Obwohl beide Klubs sich seit Tagen einig sind - Hamburg bekäme für den Niederländer 20 Mio. Euro -, hat der Profi bis Redaktionsschluss nicht entschieden, nach England zu wechseln.

Und der Ex-Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz, der für 20 Mio. Euro von den Blackburn Rovers zu Man City wechseln will, soll plötzlich 40 Mio. Euro kosten.

FTD

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