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Mädchenspiel gepfiffen: Der Shitstorm gegen Kerem Demirbay ist lächerlich

Fortuna-Profi Kerem Demirbay pfeift als Wiedergutmachung für einen Machospruch ein Mädchen-Spiel. Prompt erntet er einen Shitstorm, weil er dabei schicke Zivilklamotten trägt. Die Kritik ist peinlich.

Ein Kommentar von Tim Schulze

Fortuna-Profi Kerem Demirbay leitet das Spiel zweier Mädchenmannschaften im Designermantel

Hat auch als Schiedsrichter Stil: Kerem Demirbay leitet das Spiel zweier Mädchenmannschaften im Designermantel

Man kann es niemandem recht machen, schon gar nicht in Zeiten von Social Media. Das hat jetzt auch die Kerem Demirbay erfahren, 22-jähriger Fußball-Profi von Fortuna Düsseldorf. Demirbay hatte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus mit einem üblen Machospruch beleidigt ("Ich finde, Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen"). Er entschuldigte sich nach dem Spiel umgehend, wurde vom DFB für fünf Partien gesperrt (zwei davon auf Bewährung). Zudem kam sein Verein auf die Idee, dass der junge Sprücheklopfer zur Wiedergutmachung ein Mädchenspiel als Schiedsrichter leiten sollte. Eigentlich keine schlechte Idee, denkt man sich.

Doch die Club-Verantwortlichen haben die Rechnung ohne die Trolle gemacht. Der Verein veröffentlichte nach dem Spiel der D-Jugend-Mannschaften Fotos auf seiner Facebookseite - und prompt traten sie auf den Plan: Die Geschmacksdiktatoren, Motzkis und Besserwisser, die ihre hämischen Kommentare massenhaft auf Facebook und Twitter posteten. Die Empörung war groß. Es gab spöttische Kommentare, aber auch Beschimpfungen und Beleidigungen, weil Demirbay in schicken Zivilklamotten das Spiel pfiff.

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User Thore Ankersen schrieb auf Facebook: "Wie kann man als 'Buße' für einen Macho-Spruch einen Macho in Designerklamotten und Lackschuhen auf einen Fußballplatz schicken in dem Bewusstsein, dass ganz Deutschland dabei zuguckt." User Dan Jo schimpft: "SCHWACHSINN! Die Aktion war alles andere als optimal, NIEMAND der es ernst meint Pfeift ein Spiel in Zivil. VOLLPFOSTEN!" (Die Schreibweise des Originals wurde beibehalten.)

Auch andere Schiedsrichter pfeifen Kinderspiele in Zivilklamotten

Es nützte auch nichts, dass Fortunas Vorstandvorsitzender Paul Jäger zur Verteidigung auf Facebook schrieb, dass es durchaus üblich sei, dass Kinderspiele in Zivilklamotten gepfiffen werden, dass die Mädchen viel Spaß hatten (Jäger hat "unglaublich viele glückliche Gesichter gesehen") und alle Beteiligten die Aktion gelungen fanden. Sogar einige Fortuna-Anhänger waren zu dem Spiel gekommen.

Selbstverständlich kann man grundsätzlich über Sinn und Unsinn solcher PR-Aktionen diskutieren. Doch darum geht es in diesem Fall nicht. Es geht darum, dass zahlreiche Menschen offensichtlich nichts Besseres zu tun haben, als sich über eine Nebensächlichkeit wie der maßgeschneiderten Kleidung Demirbays aufzuregen. Ihrer Meinung nach muss ein "Sünder" offensichtlich in Sack und Asche auftreten, in diesem Fall ist damit wohl ein Trainingsanzug oder Ähnliches meint. Doch das wäre eine hohle Symbolik, weil es verlogen ist. Es ist gut, dass die Verantwortlichen Demirbay in seiner Privatkleidung auf das Spielfeld schickten - so, wie es üblich ist. Eines ist ziemlich sicher: Hätte Demirbay irgendein anderes Outfit getragen, die Trolle hätten einen anderen Anlass zum Pöbeln gefunden.


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