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Klinsmann für England: "Voraussetzungen müssen stimmen"

Das Thema wird immer heißer: Jürgen Klinsmann kann sich ein Engagement als englischer Nationalcoach unter bestimmten Bedingungen vorstellen. Und auch auf der Insel rückt der mögliche Heilsbringer auf der Trainerkandidatenliste immer weiter nach vorn.

Der englische Patient sucht einen Heilsbringer, "Kaiser" Franz Beckenbauer hat ihn für das Fußball-Mutterland schon gefunden. "Wer kann die Boys mit den drei Löwen auf der Brust aus dem Tief oder sogar Koma holen? Da fällt mir ein Name sofort ein: Jürgen Klinsmann", empfahl das deutsche Fußball-Idol via "Bild" (Freitag- Ausgabe) dem englischen Fußball-Verband FA den früheren Bundestrainer wärmstens als Nachfolger für den ungeliebten Steve McClaren. Diese Lösung sei "ideal" für beide Seiten. "Jürgen ist ein Mann, der klare Vorstellungen hat und diese auch gegen Widerstände durchsetzt. Mit ihm kann ich mir einen Neuanfang in England vorstellen", begründete der Ehrenspielführer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) seinen Tipp.

Klinsmann äußerte sich zum Thema zurückhaltend. Grundsätzlich wolle er nur unter ähnlichen Bedingungen wie beim DFB, bei dem er nach dem dritten Platz bei der Heim-WM 2006 seinen Vertrag nicht verlängerte, wieder in das Trainergeschäft einsteigen. "Die Voraussetzungen müssen stimmen", sagte der Ex- Bundestrainer dem Online-Angebot von "Sport1.de". Und ergänzte: "Dass solche Gerüchte hochkochen, damit muss und kann ich leben."

Mourinho und Wenger winken ab

Der deutsche Ex-Nationalspieler, der nach dem dritten Rang bei der Heim-WM 2006 seinen Vertrag beim DFB nicht verlängern wollte, ist auf der Liste der FA-Trainerkandidaten in jedem Fall weit nach vorne gerückt. Denn zwei Tage nach der verpassten Europameisterschaft 2008 ist über den Verband eine Absagenflut hereingebrochen: Der zunächst als Favorit gehandelte Martin O'Neill (Aston Villa) winkt ebenso ab wie der kürzlich beim FC Chelsea entlassene Portugiese José Mourinho. Auch Teammanager Arsène Wenger (FC Arsenal) und Sam Allardyce (Newcastle United) signalisierten: Kein Interesse. Dieses haben dafür der nach der Trennung von Real Madrid auf Jobsuche befindliche Italiener Fabio Capello ("Ich bin im richtigen Alter für dieses attraktive Projekt") und der Spanier Rafael Benitz vom FC Liverpool ("Vielleicht…, wenn ich mein Englisch verbessere") angedeutet.

"Keine Rücksicht auf Altlasten"

Auf der Insel schlug sich zwei Tage nach der 2:3- Heimpleite gegen Kroatien, durch die England erstmals seit 1984 bei einem Top-Turnier fehlt, auch "The Times" auf die Seite des Schwaben. "Der anglophile Klinsmann ist bereit, wieder einzusteigen, und hat starke Meinungen, was das Training angeht", schrieb die angesehene Tageszeitung über den früheren Stürmerstar von den Tottenham Hotspurs.

Beckenbauer hält "Klinsi" für total geeignet. "Er spricht die Sprache perfekt, genießt durch seine Tottenham-Zeit einen glänzenden Ruf, war dort sogar mal Fußballer des Jahres", meinte er über den 43 Jahre alten Ex-Nationalspieler, den er ohnehin besser geeignet für einen National- als für einen Clubtrainer-Job hält. Vieles spreche für die Aufgabe in England, glaubt Beckenbauer: "Er sucht eine Aufgabe in einem Land mit großer Tradition und Begeisterung für den Fußball." Und hätte bis zur WM in Südafrika drei Jahre Zeit, "ein neues Team aufzubauen und muss keine Rücksicht auf Altlasten nehmen."

"England beinahe ein gutes Team"

Die Einsicht, dass ein radikaler Umbruch bei den "Three Lions" nötig ist, setzt sich auf der Insel nur langsam durch, wenngleich die FA parallel zur Trainersuche eine Überprüfung der Nationalteam- Organisation "von Grund auf" versprach. Neben dem als "McClown" verspotteten Ex-Coach sind unterdessen auch die hochbezahlten Star-Kicker in die Kritik geraten. "Seit Jahren war immer von der goldenen Generation die Rede. Wenn das die goldene Generation ist, sollten wir uns so schnell wie möglich vom Goldstandard verabschieden", polterte FA-Vorstandsmitglied Lord Mawhinney.

Ätzend äußerte sich auch Manchester Uniteds Ex-Kapitän Roy Keane: "Technisch ist England so gut wie Deutschland und Frankreich. Die Leute sollten keine Panik schieben, England ist beinahe ein gutes Team. Aber da sind zu viele Egos im Spiel, viel zu viele. Damit ist jeder neue England-Trainer konfrontiert", glaubt der irische Coach des FC Sunderland.

DPA/kbe

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