Krise Diskussion um Gehaltsverzicht spaltet BVB-Stars


Nach der verpassten Champions-League-Qualifikation soll die Mannschaft des BVB freiwillig auf 20 Prozent des Gehalts verzichten. Einige Spieler sind davon wenig begeistert.

Der Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals war schnell angehakt. Noch immer ist die kritische finanzielle Lage bei Borussia Dortmund nach der verpassten Champions-League-Qualifiaktion gegen FC Brügge am letzten Mittwoch das bestimmende Gesprächsthema rund ums Westfalenstadion. In einer bisher einmaligen Aktion sollen die Bundesligaprofis durch einen freiwilligen Gehaltsverzicht ihren Teil zur Stabilisierung der angeschlagenen Aktiengesellschaft leisten. "Das ist ein Hilfsmittel, um das Bewusstsein der Spieler zu schärfen und um einen Verlust von etwa zehn Millionen Euro zu kompensieren", sagte Meier der "Welt am Sonntag". Es sei auch eine moralische Frage. "Wir sagen den Spielern: lasst uns nicht allein mit dem Desaster, das angerichtet worden ist."

Sammer: Mannschaft macht mit

Laut Matthias Sammer ist die Mannschaft dazu ohne Abstriche bereit. "Ich sage: Die Mannschaft wird sich an dem Gehaltverzicht beteiligen", stellte der 35-Jährige am Sonntag klar. Er gehe hundertprozentig davon aus, dass alle Spieler verzichten würden, betonte Sammer, auch wenn der Vorschlag nicht spontan auf einhellige Zustimmung gestoßen war. "Da können alle erzählen, was sie wollen, auch über diese Mannschaft, den Verein."

Kritik aus der Mannschaft

Aus der Mannschaft waren aber auch andere Stimmen zu hören. "Es gibt innerhalb der Mannschaft viele unterschiedliche Meinungen",wird beispielsweise Lars Ricken zitiert, "das Thema ist noch lange nicht durch." Immerhin sind es 20 Prozent des Gehalts, auf die die gut bezahlten Stars freiwillig verzichten sollen. Ein Vorgang, den es bisher in dieser Form und Radikalität noch nicht gegeben hat. "Es gab schon keine Champions-League-Prämie. Wenn einem der Chef 50 Prozent wegnehmen will, sagt keiner sofort Ja.", stellte sich der Brasilianer Dede (angebliches Jahressalär 2 Millionen EURO) quer.

Amoroso hat angeblich bereits mit seinem Rücktritt gedroht und ist nicht bereit, auf nur einen Cent seines Einkommnes zum Wohle des Vereins zu verzichten. Auch Kehl gehört zu denjenigen, die auf ihr vertraglich abgescihertes Gehalt bestehen und wohl auch bei jedem gericht mit einer Klage Erfolg hätten.

Das Management hat bereits den Weg gewiesen. Nach einem Bericht der "Ruhr- Nachrichten" vom Montag bestätigte Meier, dass man zum zweiten Mal in dieser Saison auf einen Teil des Salärs verzichte. Auch Trainer Sammer will seinen Solidarbeitrag leisten, wie er selbst mitteilte.

Amoroso Spitzenverdiener mit 4,5 Millionen Euro

Die Personalkosten sind mit der größte Etatposten in der Finanzplanung des Vereins. "Unser Gehaltsvolumen ist drei Mal so hoch wie beim VfB Stuttgart", blickte Meier zu den Schwaben, die ihrerseits allerdings im Millionen-Geschäft Champions League mitmischen. Die "Bild"-Zeitung listete in ihrer Montag-Ausgabe sogar die Gehälter nebst Konterfei des entsprechenden Lohnempfängers auf: An der Spitze rangiert der brasilianische Stürmer Marcio Amoroso mit satten 4,5 Millionen Euro Jahresgage.

Letzter Ausweg: UEFA-Cup

Jetzt liegt die ganze Hoffnung des Weltpokalsiegers von 1997 auf dem ungeliebten UEFA-Cup, wo man in der ersten Runde auf Austria Wien trifft. Doch der BVB müsste schon ins Finale einziehen, um die finanziellen Verluste auszugleichen. In der Verfassung, in der sich die Mannschaft zuletzt präsentierte, sicher keine Selbstverständlichkeit. Zumal die Gelddiskussionen die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft nicht verbessern wird. Und wer ist schon sicher, dass sich Diven wie Amoroso, die sicher ihr Herz nicht an den Verein verloren haben, nicht zusammen mit den anderen plötzlich einen neuen Arbeitgeber suchen und die Mannschaft so auseinanderbricht. Doch Sammer bleibt optimistisch, auch wenn sein Resümee am Sonntag nach purer Verzweiflung klang. "Wichtig ist, an dieser Situation nicht zu verzweifeln".

Christoph Marx

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