Länderspiel gegen die USA "110 Prozent Anti-Klinsi"


Die große Frage vor dem so bedeutungsvoll gewordenen Test gegen die USA lautet: Wie wird die Stimmung beim Spiel sein? Der Empfang, den die Fans Jürgen Klinsmann und den Nationalspielern bereiteten, fiel schon mal alles andere als herzlich aus.

Die Stimmung im Land vor dem richtungweisenden Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Abend gegen die USA ist geteilt. In einer aktuellen Umfrage des Dortmunder Marktforschungsinstituts "promit" schenken nur noch 53 Prozent den "Klinsmännern" ihr Vertrauen, sie glauben fest an einen Sieg gegen die US-Boys. Aber, und das erstaunt dann doch: Über 40 Prozent rechnen nicht mit dem so dringend benötigten Befreiungsschlag in Form eines Erfolgserlebnisses.

Das Ergebnis der Befragung spiegelte sich denn auch am Dienstagabend beim öffentlichen Training der DFB-Kicker gut 24 Stunden vor dem "Spiel der Wahrheit" ("Bild"-Zeitung) im Dortmunder WM-Stadion wider. Drei Wochen nach der 1:4-Pleite gegen Italien wurden die Nationalspieler von den gut 8.000 Zuschauern mit mäßigem Beifall, aber auch mit Pfiffen empfangen. Lautstark skandierten Zuschauer den Namen des Dortmunder Verteidigers Christian Wörns, den Klinsmann aus dem Kader gestrichen hatte. Wörns hatte Klinsmann daraufhin öffentlich als "link" bezeichnet und ein Treffen mit dem Bundestrainer platzen lassen.

Bierhoff optimistisch

Die erhoffte Versöhnung zwischen dem Bundestrainer und dem Publikum blieb aus. Vereinzelt machten die Fans sogar ihrem Unmut über den polarisierenden Coach mit beleidigenden Sprechchören Luft. "110 Prozent Anti-Klinsi" war auf einem Transparent zu lesen, das erst eingerollt wurde, als Ordner einschritten.

Oliver Bierhoff hatte davon anscheinend nichts mitbekommen - vielleicht wollte er es einfach auch nur nicht. "Man merkt, dass am Mittwochabend gute Stimmung sein wird", sagte der Teammanager. "Das Dortmunder Publikum hat die Nationalmannschaft schon immer vorbildlich unterstützt." Zuletzt hatte die deutsche Auswahl am 10. September 2003 ein EM-Qualifikationsspiel in Dortmund gegen Schottland mit 2:1 gewonnen.

Am Ende Applaus für die Spieler

Dem Publikum bot die Nationalmannschaft nach Lauf- und Schussübungen lockere Trainingsspiele. Co-Trainer Joachim Löw legte einen Schwerpunkt auf das zuletzt kritisierte Stellungsspiel der Vierer-Abwehrkette. Am Ende des hatten sich zumindest die Nationalkicker mit den Fans versöhnt: Sie schossen Bälle und warfen Maskottchen ins Publikum. Dafür gab's Applaus.

Der angepeilte Zuschauerrekord bei einem Training der Nationalmannschaft blieb übrigens aus. Die Fan-Bestmarke bei einem öffentlichen Training der DFB-Auswahl datiert weiter vom 10. November 2005, als sich die Klinsmann-Truppe in Köln auf das Länderspiel in Frankreich (0:0) vorbereitet hatte. Seinerzeit hatten fast 20.000 Fans bei der Übungseinheit im dortigen WM-Stadion zugeschaut.

Klaus Bellstedt mit DPA


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