HOME

Italienischer Fußball: Nach Anne-Frank-Verhöhnung: Wie Lazio Rom gegen die eigenen Fans ein Zeichen setzt

Ein Bild von Anne Frank, um den verhassten Stadtrivalen zu beleidigen - die geschmacklose Aktion von Lazio-Rom-Fans sorgt weiter für Aufregung. Spieler und Verein setzen ihr eigenes Zeichen. Doch einige Anhänger stimmen faschistische Gesänge an.

Aufregung um Anne-Frank-Verhöhnung: Lazio Rom setzt ein Zeichen gegen eigene Fans

Die Elf von Lazio Rom um Stürmerstar Ciro Immobile (M.) haben ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt

Die Bestürzung über die Lazio-Rom-Fans nimmt auch nach dem ersten Spieltag nach der Verhöhnung von Anne Frank nicht ab. Als "neue Schande" für Lazio bezeichnete die "Gazzetta dello Sport" am Donnerstag, dass einige Anhänger des Hauptstadtclubs vor dem Spiel gegen Bologna am Mittwochabend faschistische Gesänge angestimmt und den Hitlergruß gezeigt hatten. "Das war alles andere als eine Hommage an die Opfer des Holocaust", kommentierte die italienische Tageszeitung "La Stampa".

Der erste Spieltag nach dem Auftauchen der antisemitischen Klebebilder im Olympiastadion in Rom sollte eigentlich im Zeichen des Gedenkens stehen: Die Lazio-Spieler trugen beim Aufwärmen T-Shirts mit der Aufschrift "Nein zum Antisemitismus" und einem Bild des berühmten Holocaust-Opfers Anne Frank.

Außerdem wurde ein Ausschnitt aus Anne Franks Tagebuch vorgelesen. Das hatte der italienische Fußballverband FIGC in Abstimmung mit dem Sportministerium und der jüdischen Gemeinde für alle Spiele dieser Woche und am Wochenende angeordnet - wie auch eine Minute des Nachdenkens auf allen Plätzen, um das Gedenken an die Opfer des Holocaust zu fördern. Der Fußballverband FIGC wollte laut Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag zusammenkommen, um über den Vorfall zu beraten. 

Polizei macht 16 Verdächtige aus

Die Polizei hat unterdessen mehrere Verdächtige ausgemacht. Durch die Auswertung des Materials von Überwachungskameras innerhalb des Stadions seien 16 Personen ermittelt worden, drei von ihnen seien minderjährig, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Mittwoch. Demzufolge wird wegen "Aufstachelung zum Rassenhass" ermittelt.

Präsident von Lazio Rom verurteilt "Dummköpfe"

Der Präsident von Lazio Rom, Claudio Lotito, rechnet nicht mit einer Strafe für den Verein. Die Anne-Frank-Aufkleber seien eine Aktion von mehreren "Dummköpfen, die nicht wissen, was sie angerichtet haben", zitierte ihn die "Gazzetta dello Sport". Lotito hatte am Dienstag die Synagoge in Rom besucht und als Zeichen des Respekts einen Kranz niedergelegt - dieser war kurz darauf von Unbekannten in den Tiber geworfen worden.

Die Lazio-Ultras Irriducibili wollten dem Club am Mittwoch nicht zum Spiel nach Bologna folgen, wie die "Gazzetta" berichtete. Die "Unbeugsamen" fühlten sich gezwungen, darauf zu verzichten, "um nicht "Teil des Medientheaters" der vergangenen Stunden zu werden", zitierte das Blatt aus einer Mitteilung. "Unsere übliche Art und Weise, uns als Fans auszudrücken, könnte falsch verstanden werden von denjenigen, die Lazio und seinen Fans zuletzt schaden wollten."

fs / DPA
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity