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Manchester United: Ein Weltclub vor dem Kollaps

Aus dem einst reichsten Club der Welt ist ein Sanierungsfall geworden: Manchester United steht das Wasser bis zum Hals. Die Wut der Fans richtet sich mehr und mehr gegen die Profitgier des Eigentümers.

Dem englischen Meister Manchester United steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Aus dem einstigen Vorreiter in Sachen Börsengang, Merchandising und Auslandsvermarktung ist angesichts der Verbindlichkeiten von umgerechnet etwa 800 Millionen Euro ein Sanierungsfall geworden. Die Wut der Fans richtet sich gegen den Eigentümer, die Glazer-Familie aus Amerika, dessen Profitgier den Traditionsklub in eine bedrohliche Lage gebracht hat.

Besonders bitter für die Anhänger ist, dass ausgerechnet Stadtrivale Manchester City bereits höhere Gehälter zahlt - und das mit Folgen: Im prestigeträchtigen Derby am Dienstagabend im Halbfinal-Hinspiel des englischen Ligapokals erzielte der von "ManU" zu den "Citizens" gewechselte Carlos Tevez beide Treffer seines Teams. Das mögliche Ausscheiden im Pokal wäre aber nur ein kleines Übel verglichen mit dem drohenden Finanzkollaps.

Schuldentilgung über Anleihen

In der Londoner Finanzmeile zirkuliert derzeit eine 322 Seiten umfassende Broschüre für potenzielle Anleger. Ziel von ManU-Geschäftsführer David Gill ist es, mit Hilfe einer Anleihe im Wert von umgerechnet etwa 550 Millionen Euro die Schulden umzuschichten, damit der Klub wieder Luft zum Atmen hat. Das Problem dabei: Der Verein bietet zwar knapp neun Prozent Zinsen auf das Papier, doch für die Anleger ist das Risiko sehr groß, da "ManU" in den vergangenen Jahren fast das Maximum an Einnahmen aus der Champions League, den Fernsehgeldern, Sponsorendeals und Eintrittskarten erzielt hat. Eine Umverteilung der Schulden ist aber zwingend notwendig.

Im vergangangenen Jahr mussten die Red Devils allein 46 Millionen Euro an Schuldentilgung zahlen, also die Hälfte der Summe aus dem Rekordtransfer von Cristiano Ronaldo zu Real Madrid. Nur der Verkauf des portugiesischen Superstars im Sommer verhinderte in der vergangenen Saison einen Rekordverlust von mehr als 30 Millionen Euro - trotz einer Umsatzsteigerung auf 312 Millionen Euro. "Bei jedem Heimspiel werden die Scheine durch die Drehtüren hineingespült. Trotzdem haben es die Glazers geschafft, den Klub in eine Lage zu bringen, in der nur der Verkauf des besten Spielers dafür sorgte, dass die Zahl unter dem Strich nicht roter ist als die Farbe der eigenen Trikots", schrieb die Zeitung Daily Telegraph. Wo also wird das viele Geld verbrannt?

"Eine Bombe mit tickendem Zeitzünder"

Die Spur führt zurück zur Übernahme des Klubs im Mai 2005 durch die Glazer-Familie, die sie sich nur mit Hilfe von teuren Krediten leisten konnte. Zudem haben sie sich seitdem selbst etliche Millionen Euro an Löhnen und Darlehen gezahlt. Die Fans hatten schon damals befürchtet, die Glazer würden sich nur selbst bereichern wollen, und waren gegen die Übernahme Sturm gelaufen. "Je länger die Glazers den Verein führen, desto mehr Schaden fügen sie ihm zu", sagt Duncan Drasdo. Der Vorsitzende des Fanverbandes Supporters Trust sieht Unheil auf seinen Klub zukommen: "Es ist eine Bombe mit tickendem Zeitzünder."

Sollten sich für den Deal mit der Anleihe nicht genügend Interessenten finden, wird ManU einen eisernen Sparkurs fahren müssen. Dann scheint der Verkauf so genannter "Assets", also von Vermögenswerten wie Starspielern, dem Trainingsgelände oder gar dem Stadion Old Trafford, unumgänglich. Die jahrelange Dominanz der Red Devils in der Premier League und der Champions League dürfte sich dann erst einmal erledigt haben.

Von Nigel Ferguson/SID / SID

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