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Manipulations-Prozess: Schnelles Ende für Hoyzer

Der siebte Prozesstag zum Fußball-Wettskandal hat eine Überraschung bereitgehalten: Weil ein weiterer Schiedsrichter die Vorwürfe gegen sich selbst bestreitet, kann Ex-Referee Robert Hoyzer mit einem schnellen Ende seines Verfahrens rechnen.

Der Prozess gegen Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer und den geständigen Drahtzieher Ante Sapina wegen manipulierter Fußballspiele steht vor einem schnellen Ende. Nachdem Ex-Profi Steffen Karl am 7. Prozesstag vor dem Landgericht Berlin alle Betrugs-Vorwürfe vehement bestritt, plant nun Richterin Gerti Kramer, das Verfahren gegen Karl abzutrennen. Damit könnte die Beweisaufnahme im Hauptverfahren schon nächste Woche beendet werden. Ursprünglich waren 18 Prozesstage bis zum 29. Dezember anberaumt worden.

Völlig offen ist weiter das Verfahren gegen Schiedsrichter Dominik Marks, der am Dienstag nicht wie geplant aussagte. Sollte auch der Stendaler weiter die ihm vorgeworfenen Straftaten bestreiten, könnte auch sein Prozess abgetrennt werden.

Schiedsrichter Karl hat von Manipulationen angeblich nichts geahnt

"Die Abtrennung ist ganz in unserem Interesse. Wir hoffen, dass sich der Prozess gegen Steffen Karl nun durch die zusätzliche Beweisaufnahme nicht zu sehr verlängert", meinte Karls Anwalt Andreas Bartholomé. Der Anwalt erhofft sich vom abgetrennten Verfahren, dass sein Mandant von allen Vorwürfen freigesprochen wird. Er hatte zuvor die Erklärung von Steffen Karl verlesen, in der der 35-jährige Ex-Profi jede eigene Beteiligung an Spiel-Manipulationen abstreitet. Auch dementiert Karl, jemals Geld von den kroatischen Sapina-Brüdern erhalten zu haben. "Keinen Cent", unterstrich Bartholomé die Einlassung des derzeit arbeitslosen Karl.

Ante Sapina hatte zuvor ausgesagt, Karl hätte allein für die Manipulation des Regionalliga-Spiels Holstein Kiel - Chemnitzer FC (4:0) 10.000 Euro von ihm in einem Kieler Hotel erhalten. Indes räumte Karl ein, dass er im Auftrage von Ante Sapina versucht habe, den damaligen Cottbuser Torwart Georg Koch für 15.000 bis 20.000 Euro zur Manipulation des Zweitligaspiels Cottbus gegen Regensburg (3:0) am 23. Mai 2004 zu bewegen. "Offen bleibt, ob daraus eine strafrechtliche Verurteilung herzuleiten ist", meint Bartholomé. Als Grund für die Kontakte Karls zu den kroatischen Wettbetrügern gibt der Anwalt an, dass sich der Profi Hoffnung gemacht habe, junge kroatische Nationalspieler auf den deutschen Fußball-Markt vermitteln zu können. Er habe nicht ansatzweise geahnt, was bei den Brüdern Sapina "für Manipulationen gelaufen" seien.

Kämpfernatur Steffen Karl

Karl versuchte in seiner Aussage den Eindruck eines unbescholtenen, immer ehrgeizig um den Sieg kämpfenden Profis zu erwecken. "Er hat sich immer für sein Team eingesetzt und nie sportwidrig gehandelt. Er hat nie - wie unterstellt - mit angezogener Handbremse gespielt, nie ein Selbsttor geschossen oder einen Gegner absichtlich zur Spielmanipulation im Strafraum gefoult", betonte Bartholomé. Weitere Ton- und Bilddokumente würden dies belegen.

Die Staatsanwaltschaft hatte Karl fünf Verfehlungen - darunter Straftaten zum Vermögensvorteil - vorgeworfen. "Solche Verhaltensweisen sind der Kämpfernatur Steffen Karl persönlichkeitsfremd", hieß es hingegen in Karls Erklärung. "Mit der Reduzierung der Vorwürfe auf Null wird sich die Staatsanwaltschaft sicher nicht zufrieden geben", meinte danach Ante Sapinas Anwalt Nicolas Becker.

"Das Leben hält noch Überraschungen bereit

Für eine Überraschung sorgte auch Dominik Marks, der sein angekündigtes Statement nochmals verschob. Bisher hat der Schiedsrichter alle Verwicklungen in Spiel-Manipulationen bestritten. "Das Leben hält noch Überraschungen bereit", meinte die Richterin. Marks soll nun gleich zum Auftakt des achten Prozess-Tages zu Wort kommen. Gleichfalls wurde der Cousin der Sapinas, Tomislav Cirko, für Donnerstag vorgeladen.

Zugleich hat der FC St. Pauli einen Antrag gestellt, um wegen der vermutlichen Manipulation der Regionalliga-Partie bei Eintracht Braunschweig am 5. Juni 2004 eine Zahlung von 3605 Euro zu erwirken. Beim 3:2 der Braunschweiger hatte Referee Robert Hoyzer den Hamburgern zwei klare Treffer nicht anerkannt.

Frank Thomas/DPA / DPA

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