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Schiedsrichter in der Kritik Manuel Gräfe patzte früher schon gewaltig

Auch Top-Schiedsrichter machen eklatante Fehler. So wie Manuel Gräfe, der beim Spiel Wolfsburg gegen Leverkusen fälschlicherweise ein klares Abseitstor anerkannte. Es war nicht der erste schwere Patzer des Fifa-Referees.

Das Spiel ist schneller geworden. Unparteiische wie Manuel Gräfe müssen Entscheidungen sekundenschnell oder in einer Grauzone fällen. Hauchdünnes Abseits, versteckte Fouls, Schwalben, Handspiele – trotz der hohen Anforderungen liegen die Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga oft richtig, das muss betont werden. Dennoch gibt es schon seit Langem in Deutschland eine Diskussion darüber, die Schiedsrichter im Volkssport Nummer eins mit Videobeweis und Torlinienkamera zu unterstützen. Um das Spiel gerechter zu machen und auch um die Unparteiischen nicht allein im Regen stehen zu lassen.

Doch diese Diskussion hat nichts mit dem zu tun, was sich am Wochenende in Wolfsburg abspielte. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler rastete regelrecht aus - und das völlig zurecht. Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte eine glasklare Abseitsstellung von mehreren Metern von Wolfsburgs Vieirinha übersehen, die zum 1:0 gegen Leverkusen führte. Am Ende gewannen die Gastgeber mit 2:1. Was die Fehlentscheidung noch schlimmer machte, ist die Tatsache, dass Gräfes Assistent an der Seitenlinie das Abseits korrekt anzeigte, von seinem Vorgesetzten jedoch überstimmt wurde. Der frühere Unparteiische Markus Merk twitterte entsetzt: "Unfassbar! Solche Fehler dürfen nicht passieren. Wir sind im 21. JH! Wenn der SR überfordert ist: Videoschiedsrichter!"

Gräfe gehört zu den Besten

Gräfe gehört – eigentlich - zu den besten Schiedsrichtern der Liga. Er ist Fifa-Referee, 2011 wurde er in Deutschland zum Schiedsrichter des Jahres gewählt. Doch schon in den vergangenen Jahren machte der Berliner vom Verein Hertha Zehlendorf Fehler, die deutschlandweit für hitzige Diskussionen sorgten.

Zuletzt war das im Relegationspiel zwischem dem Karlsruher SC und dem HSV der Fall. Gräfe pfiff zwei Minuten vor dem Abpfiff ein mehr als fragwürdiges Handspiel eines Karlsruhers. Der HSV erhielt einen Freistoß, den Diaz zum Ausgleich verwandelte. In der Verlängerung gelang den Hamburgern das Siegtor und damit der hauchdünne Klassenerhalt. Gräfe wurde für viele Fans zum Gespött. Der DFB setzte ihn in der Bundesliga erst zum 5. Spieltag wieder ein, um ihn zu schützen.

Handschlag mit Breitenreiter verweigert

Die Schiedsrichter sehen nach dem Spiel in den TV-Bildern, ob ihre Entscheidungen korrekt waren. Nach dem Relegationsspiel stand Gräfe zu seiner Entscheidung. Im aktuellen Fall aber entschuldigte sich der 42-Jährige bei Leverkusen – er hatte angesichts der klaren Sachlage keine andere Wahl. Im vergangenen Jahre gab es einen ähnlichen Fall. Damals war Eintracht Frankfurt im Spiel gegen Augsburg der leidtragende Club. Gräfe gab nach einem nicht gegebenen Elfmeter seinen Fehler zu und entschuldigte sich bei Coach Thomas Schaaf.

Der Mann kann aber auch anders. Nach einem "Fehlentscheidungs-Festival" (die Zeitung "Neue Westfälische") im Aufstiegskampf der 2. Liga zwischen Paderborn und Fürth verbannte er den aufgebrachten Paderborner Trainer André Breitenreiter auf die Tribüne. Danach verweigerte Gräfe dem Coach den Handschlag.

So gut wie nie passiert es einem Schiedsrichter, dass ein Spieler freiwillig eine Fehlentscheidung korrigiert. Gräfe hat auch das erlebt. Im Abstiegsduell zwischen Bremen und Nürnberg im Frühjahr 2013 pfiff er einen Strafstoß nach einem Foul an Aaron Hunt. Der Bremer Spielmacher gab sofort zu, eine Schwalbe produziert zu haben. Allerdings führte Werder zu diesem Zeitpunkt bereits mit 2:0.

Tim Schulze

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