HOME

FC Bayern München: Der tragische Fall Manuel Neuer - haben die Ärzte versagt?

Manuel Neuer hat sich zum dritten Mal in diesem Jahr eine Fraktur im linken Fuß zugezogen. Der Nationalkeeper fällt erneut ein halbes Jahr aus. Wurde er falsch behandelt oder zu früh wieder eingesetzt? Versuch einer Erklärung.

Manuel Neuer FC Bayern München

Mit Schraube im Fuß: Manuel Neuer in der vergangenen Saison während des Rückrundenspiels gegen Leverkusen



Es ist ein schwerer Rückschlag für den ehrgeizigen . Der Nationalkeeper fällt mit seiner dritten Fraktur im linken Mittelfuß innerhalb eines Jahres erneut für Monate aus. Vermutlich wird er erst zum Beginn der Rückrunde wieder gesund sein - wenn es mit der Heilung gut läuft. Nach seiner Operation am Dienstagvormittag, bei der ihm eine Metallplatte eingesetzt wurde, postete Neuer gleich ein Foto auf Twitter: Da ist zu sehen, wie er im Krankenbett liegt. Zum Bild schrieb er: "Den ersten Schock und die OP gut überstanden. Danke für die vielen Genesungswünsche!"

Der "Schock" aber wirft Fragen auf. Was ist da schief gelaufen, dass die alte Verletzung keine vier Wochen nach seinem Comeback wieder aufbrach? War Neuer zu ehrgeizig? Hat Trainer Ancelotti den Torwart zu früh wieder eingesetzt? Haben die Ärzte versagt? Oder ist es einfach Pech?

Erster Bruch im Frühjahr

Begonnen hat die Leidensgeschichte vor einem halben Jahr. Die heiße Phase der Saison stand an, im Viertelfinale der wartete Real Madrid. Zwei Wochen vor dem Hinspiel zog sich Neuer im Training die erste Mini-Fraktur (Haarriss) zu. Der Spieler, Teamarzt Volker Braun und der Trainer gingen volles Risiko. Neuer sollte fit sein für das Duell gegen Real - also wurde ihm eine Schraube eingefügt, um den maladen Knochen zu stabilisieren. Meistens setzen die Ärzte bei einer solchen Verletzung eine Metallplatte ein, aber dann hätte Neuer nicht auflaufen können.


Wer den Torwart kennt, weiß, dass er in diesem Fall nicht das Opfer ehrgeiziger Vorgesetzter gewesen ist. Neuer wird das Risiko bewusst gewesen sein: "Bei diesem Hit wollte und sollte er dabei sein", schreibt der "kicker" in einer Analyse.

Im Hinspiel gegen Real hielt Neuer bravourös, in der Bundesliga war er gegen Leverkusen im Einsatz, dann folgte das Rückspiel gegen Real. In der Verlängerung passierte es: Beim Treffer von Ronaldo brach der Mittelfuß zum zweiten Mal. Das Tragische: Die Bayern hatten bereits drei Mal gewechselt, Neuer musste über elf Minuten weiter spielen, obwohl er nicht mehr auftreten konnte: "Das war schon eine Wahnsinnssituation", erzählte er später der "Sport Bild".

Diesmal entschieden sich Ärzte für konservative Methode

Diesmal entschieden sich die Ärzte für die konservative Methode ohne Schraube oder Metallplatte. Zu Beginn der Saison war Neuer wieder fit - so dachten er und die Verantwortlichen zumindest. Doch das war ein Trugschluss. Der Kapitän der Nationalelf war sich sicher, dass sein Fuß hält. Ob der Keeper drängelte oder die Ärzte den Heilungsverlauf zu positiv einschätzten, lässt sich nicht genau sagen. Neuer war auf jeden Fall enttäuscht, als ihn Bundestrainer Joachim Löw Anfang September nicht für die Länderspiele gegen Tschechien und Norwegen nominierte, obwohl er zuvor in der Bundesliga sein Comeback gefeiert hatte.

Vor wenigen Tagen brach die Verletzung im Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Schalke wieder auf. Die Konsequenz: Neuer fehlt bis zum Beginn der Rückrunde - das ist nicht nur ein Rückschlag für den Spieler, sondern auch eine Schwächung des . Jetzt hütet Sven Ulreich das Tor, ein solider Keeper, der aber längst nicht die Klasse des Weltmeisters hat. In der Nationalmannschaft hatte Neuer seinen letzten Einsatz im September 2016. Wenn er im Weltmeisterschaftsjahr in die Nationalelf zurückkehren sollte, wird er anderthalb Jahre kein Länderspiel absolviert haben.

Hinzu kommt: Die Causa Neuer hat bei den Bayern offenbar zu Konflikten über die richtigen Behandlungsmethoden geführt. Laut "Bild" wurde für Neuers jüngste Operation ein Spezialist in Tübingen ausgewählt - auf Anraten des ehemaligen Bayern-Arztes Dr. Müller-Wohlfahrt, der von Pep Guardiola einst entlassen worden war und jetzt wieder beratend tätig ist. Der eigentliche Mannschaftsarzt, Dr. Volker Braun, soll bei der Entscheidung übergangen worden sein, spekuliert das Blatt. Es heißt, Uli Hoeneß sei unzufrieden mit ihm. Zudem wurde zu Beginn der Saison der Chef-Physiotherapeut abgelöst - all das deutet daraufhin, dass an den Konflikten etwas dran ist. 

Allen Beteiligten war das Risiko bekannt

Fest steht, dass alle Beteiligten im Frühjahr wussten, welches Risiko sie eingingen - jetzt müssen alle mit den Folgen eines zu schnellen Einsatzes leben. Der Profi-Fußball ist immer auch Raubbau am Körper. Manuel Neuer erlebt das gerade. Aber wenn im Frühjahr die wichtigen Spiele in der Champions League anstehen und im Sommer die Weltmeisterschaft, wird er hoffentlich fit sein - wenn der Fuß hält.

Wissenscommunity