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Interview

Initiative #HelpYourHometown : "Ich bin mit den Menschen dieser Stadt groß geworden": Wie Marco Reus Dortmund helfen will

Zusammen mit seiner Frau Scarlett Gartmann hat Marco Reus die Initiative #HelpYourHometown gegründet. Im stern-Interview erklärt der Kapitän des BVB, wieso er sich finanziell für die Menschen in Dortmund engagiert - und kündigt ein baldiges Comeback an.

Marco Reus

BVB-Kapitän Marco Reus hat zusammen mit seiner Frau die Initiative  #HelpYourHometown gegründet.

Picture Alliance

Herr Reus, die Corona-Pandemie fesselt Millionen Deutsche an ihr Haus. Wie stellt sich der Alltag für Sie aktuell dar?

Ich habe oben im ersten Stock ein Büro, das ich vorher nicht so wirklich oft benutzt habe. Da steht ein Teleskop, das ich mal zum Geburtstag bekommen habe. Aber jetzt bin ich viel häufiger darin, weil vieles über Video-Anrufe geregelt wird. Ich gebe Interviews über Zoom-Calls. Bin darüber auch mit meinem Berater regelmäßig im Austausch. Das Kinderzimmer meiner Tochter ist direkt neben meinem Büro. Heißt: keine Konferenzen während ihres Mittagsschlafs. Oder ich muss darauf achten, leise zu telefonieren. Ansonsten habe ich zum Glück genug Platz, um auch daheim trainieren zu können. Auch das zum Teil über Video-Telefonie. Ansonsten erlebe ich eine wahnsinnig intensive Zeit mit meiner Tochter, der ich viel mehr beim Wachsen zusehen kann als zuvor. Da war ich ja nur unterwegs.

Wie halten Sie sich gegenwärtig fit?

Ich trainiere auch beim BVB am Trainingsgelände. Aber so, dass alles passt und sicher ist. Und ich absolviere täglich ein Programm zu Hause. Mit Stabi-Übungen und Kraft-Übungen. Ich laufe, dehne mich. Also ich bin auf einem guten Weg, nach meiner Verletzung wieder richtig fit zu werden.

Viele Angestellte, aber vor allem Selbständige und Freiberufler haben aktuell ernsthafte Existenzängste. Was bekommen Sie davon mit?

Wir bekommen täglich mit, wie schwer Corona einige Menschen getroffen hat. Ich habe den Großteil meines Lebens in Dortmund verbracht. Ich bin hier geboren. Ich kenne die Stadt in- und auswendig. Auch kleine Lädchen. Den Kiosk um die Ecke. Ich bin ja nicht irgendwann zugezogen – sondern mit dieser Stadt und den Menschen groß geworden. Scarlett und ich verfolgen die Nachrichten ganz genau und wissen, wie Corona Deutschland verändert und welche Schäden es nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich anstellt. Deshalb haben wir uns ja entschieden, #HelpYourHometown zu gründen und Dortmund etwas zurückzugeben.

Sie haben zusammen mit Ihrer Ehefrau Scarlett Gartmann für diese Initiative eine halbe Million Euro gespendet. Was ist der Gedanke dahinter?

Menschen geraten unverschuldet in Not. Sie haben nichts falsch gemacht. Und nun ist ihre Existenz bedroht. Das will ich nicht hinnehmen. Und wenn ich mit meiner halben Million etwas helfen kann, dann mache ich das gerne.

Marco Reus und Scarlett Gartmann

Marco Reus ist mit dem Model Scarlett Gartmann verheiratet. Im vergangenen März wurden die beide Eltern einer Tochter.

DPA

Wie viel Geld haben Sie schon zusammen – und wie stellen Sie sicher, dass diese Gelder an die richtigen Empfänger kommen?

Wir haben gemeinsam mit der Stadt Dortmund die Plattform "Dortmund, wir stehen hinter dir" initiiert. Dort können sich alle Unternehmer, die aus Dortmund kommen und Hilfe suchen registrieren. Natürlich können wir nicht jedem helfen, aber wir werden versuchen, gemeinsam mit der Stadt Dortmund die richtigen Fälle raus zu filtern und diese dann zu unterstützen.

Wodurch sind Sie zu dem Entschluss gekommen, selbst aktiv zu werden?

Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Menschen gibt, den die Bedrohung durch Corona und die Folgen kaltlassen. Jeden Tag hört man neue frustrierende Nachrichten. Immer neue Todeszahlen. Bei uns ging es daher auch nicht darum, ob wir helfen, sondern wie. Es gibt auch viele andere tolle Kampagnen, die unterstützenswert sind. Aber ich habe nun einmal diesen besonderen Bezug zu Dortmund. Ich habe immer bei diesem Verein spielen wollen und ich wollte daher auch unbedingt dieser Stadt ein bisschen was zurückgeben. 

Sie sind nicht nur privat aktiv, Sie haben auch zusammen mit Ihren Mitspielern von Borussia Dortmund auf einen Teil Ihres Gehalts verzichtet, um im Verein Arbeitsplätze zu sichern. Haben alle Kollegen sofort mitgezogen?

Wir haben beim BVB herzensgute Menschen im Verein. Die helfen uns Spielern wo sie nur können. Ein Klub besteht ja nie nur aus den Spielern, den Managern und Trainern. Da gehören immer viele gute Mitarbeiter dazu. Ohne sie wäre der BVB nicht der Klub, den ich liebe. Daher ist die Bereitschaft auf Gehalt zu verzichten nichts, wofür man uns auf die Schulter klopfen muss. Sondern selbstverständlich. 

Wie findet derzeit überhaupt der Kontakt statt zu Mitspielern und Trainer?

Wir haben eine Whatsapp-Gruppe, über die wir uns austauschen. 

Es wurden zuletzt einige Spieltage abgesagt, an denen Sie verletzungsbedingt ohnehin gefehlt hätten. Sollte die Bundesliga – wie geplant – aber Mai fortgeführt werden, wie stehen die Chancen auf Ihren Einsatz?  

Mir geht es gut. Wir haben den Reha-Plan ein bisschen angepasst, angesichts der zusätzlichen Zeit, die ich nun habe. Ich werde im Mai wieder spielen.

Das Interview wurde über Mail geführt.

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