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Marco Reus verlängert beim BVB: Echte Liebe? Jetzt erst recht!

Anderswo hätte er mehr verdienen können und größere Chancen auf Titel gehabt. Doch Marco Reus hat sich für den BVB entschieden. Damit bringt er den Glauben an andere Werte als Geld und Titel zurück.

Ein Kommentar von Carsten Heidböhmer


Der 23. April 2013 hat sich fest in die Erinnerung eines jeden BVB-Fans eingebrannt. Es war der Tag, an dem die heile Dortmunder Welt schwere Risse bekam, an dem der Glaube, dass es im Fußball um mehr geht als Geld, schwer beschädigt wurde. An jenem Dienstag wurde - für alle überraschend - bekannt, dass Mario Götze den Verein verlässt und zum FC Bayern München wechselt.

Wer diesen Moment nicht als Fan durchlitten hat, kann sich kaum vorstellen, wie tief der Schock saß, den diese Nachricht auslöste. Götze war ein Dortmunder Junge, seit er neun war kickte er bei der Borussia. Im Selbstverständnis der Anhänger gab es zum Fußballspielen keinen besseren Ort auf der Welt. Dortmund galt als das spannendste Projekt im europäischen Fußball. Ohne großes Geld und ohne Megastars, dafür mit viel Leidenschaft und Herzblut stürmte der Club zu zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und schließlich kurz darauf ins Finale der Champions League.

BVB - ein mit Fußballromantik aufgeladenes Projekt

Mochten die Spieler anderswo deutlich mehr verdienen. Hier in Dortmund gab es dafür "Echte Liebe". Die Idee hinter diesem oft belächelten Slogan beinhaltete immer einen ideologischen Mehrwert. Er lud das Projekt BVB mit Fußballromantik auf. Das mag für Außenstehende schon immer naiv geklungen haben, Fans und Mannschaft schweißte dieser Glaube lange Zeit zusammen.

Mit dem Weggang Mario Götzes war diese romantische Idee geplatzt. Der BVB ist seither normaler geworden, der einst verschworene Haufen ist nun eine gewöhnliche Mannschaft, in der die Spieler gegen Geld Leistung abliefern. Und manchmal auch nicht, wie die aktuelle Krisensaison zeigt.

Marco Reus' Entscheidung, seinen Vertrag beim BVB zu verlängern, gibt all den Fußballromantikern neue Nahrung, für die Fußball eben doch mehr ist als ein Millionenspiel. Dass sich der Spieler gerade jetzt an den Verein bindet, in der größten sportlichen Krise seit zehn Jahren, kann man als trotziges Bekenntnis zur "Echten Liebe" werten.

Der 25-Jährige hätte zu europäischen Spitzenclubs wie Real Madrid wechseln und weitaus mehr verdienen können als die geschätzten acht Millionen Euro, die er in Dortmund künftig bekommen wird. Doch Reus bleibt in seiner Heimatstadt. Mag die Tabellensituation auch noch so düster sein und die Champions League in der kommenden Saison wohl unerreichbar, sein Motto lautet: Jetzt erst recht.

Reus' Bekenntnis zum BVB hilft dabei, die Wunde vom 23. April 2013 zu heilen. Vielleicht ist die viel beschworene "Echte Liebe" doch mehr als eine schöne Illusion ewiger Träumer.

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