Muslime und Schalke 04 "Moschee im Dorf lassen"


Groß war die Aufregung bei Schalke 04, nachdem scharfsinnigen Beobachtern auf einmal aufgefallen war, dass die uralte Vereinshymne den Propheten Mohammed beleidigen könnte. Der Zentralrat der Muslime nimmt jetzt ein wenig Luft aus der Debatte. Unterdessen hat Christoph Daum eine Änderung der Textzeile angeregt.

Der Zentralrat der Muslime hat die Aufregung um eine angebliche Beleidigung des Propheten Mohammed in der Vereins-Hymne des FC Schalke 04 als übertrieben bezeichnet. "Das Lied ist nach unserer Ansicht weder Blasphemie, noch stellt es eine Verhöhnung des Propheten dar", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Aiman A. Mazyek, am Mittwoch dem Fernsehsender N24. Das Lied sei nicht zu beanstanden und könne bleiben, wie es ist.

Die Hymne wird seit Jahrzehnten im Stadion gesungen. In den vergangenen Tagen hatten jedoch Muslime in hunderten Protestmails eine Textpassage kritisiert, in der es heißt: "Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht. Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht."

Vielleicht gebe es für die Aufregung einen ernsten Hintergrund - den Mord an einer Ägypterin in Dresden, sagte der Generalsekretär. "Bei einigen Muslimen liegen die Nerven blank. Und da gibt es dann Heißsporne, die versuchen, diese Geschichte zu instrumentalisieren." Mayzek riet jedoch dazu, den Humor zu bewahren - immerhin gebe das Lied eigentlich alles richtig wieder. So gebe der Text zu verstehen, dass Mohammed keine Ahnung von Fußball habe: "Ist ja auch klar, weil er nämlich vor der Erfindung des Fußballs gelebt hat. Also, lassen wir doch die Moschee im Dorf und versuchen, das mit Humor zu nehmen."

Der FC Schalke 04 nimmt die Situation dennoch ernst. "Wir stehen bereits in Kontakt mit der Polizei und dem Staatsschutz", sagte eine Vereinssprecherin der "Frankfurter Rundschau". Die Polizei sehe aktuell aber keine konkrete Bedrohung. In den bisher ausgewerteten Mails sei keine Gewalt angedroht worden; nun solle ein Islamwissenschaftler die Liedzeilen prüfen.

Der frühere Kölner Bundesligatrainer Christoph Daum, der inzwischen wieder in der Türkei arbeitet, riet den Schalkern dazu, die andere Seite anzuhören und mit ihr zu reden. "Wenn sich in den Gesprächen, die absolut wichtig sind, herausstellen sollte, dass sich die Muslime verletzt, verunglimpft und angegriffen fühlen, sollte es nicht daran scheitern und auch für Schalke kein Problem sein, bestimmte Textpassagen gegebenenfalls zu verändern", sagte Daum der Zeitung "Die Welt".

Bei der Schalker Fan-Initiative kann man die Aufregung unterdessen nicht nachvollziehen. "Das ganze ist doch ein Witz», zitierte die "Rundschau" Martin Krüger von der Fan-Initiative. Diese gründete sich 1993, um gegen rassistische Sprechgesänge in den Stadien zu protestieren. "Heute hat Schalke so viele türkische Fans wie kaum ein zweiter Verein", sagte Krüger.

AP AP

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