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Nach der Nullnummer: Wo bitte geht's zum Tor?

Kuranyi und Bobic ein Totalausfall, nur Klose war schlechter: Das peinliche 0:0 gegen Lettland offenbart die deutsche Sturmmisere. Rudi Völler plant gegen Tschechien die Rückkehr zum Ein-Mann-Sturm.

Die Fachwelt fällte ein vernichtendes Urteil, der Verbandspräsident lieferte einen trostlosen Ausblick, und selbst der Teamchef entzog seinen Stürmer öffentlich das Vertrauen. Mit einem armseligen Auftritt untermauerten Deutschlands Angreifer beim 0:0 gegen Lettland, dass sie im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig sind.

"Problem für WM 2006"

"Das Problem von Deutschland liegt im Sturm, daran gibt es keinen Zweifel", analysierte Gerhard Mayer-Vorfelder. Selbst mittelfristig sei keine Besserung in Sicht. "Das wird das Problem für die WM 2006 werden. Denn wenn ich mich so umschaue in den diversen Jugend-Nationalmannschaften, da sind nicht so viele Lichtblicke", beschrieb Mayer-Vorfelder die Perspektivlosigkeit.

Die Stürmerleiden des Rudi Völler

Von seinen fünf Offensivkräften schickte Rudi Völler gegen die Letten bis auf Lehrling Lukas Podolski alle ins Rennen. Doch das Quartett überbot sich an Harm- und Hilflosigkeit. "Der Sturm mit Fredi Bobic und Kevin Kuranyi war katastrophal. Ersatzmann Miroslav Klose war noch schlechter", befand die italienische Zeitung "Corriere della Sera", die auf den kurz vor Schluss eingewechselten Thomas Brdaric als vierten DFB-Angreifer im Bunde gar nicht erst einging.

Schaffen Rudis Jungs noch den Sprung ins Viertelfinale?

Auch blinde Hühner finden kein Tor

In der Tat lässt der im Bessa-Stadion abgelieferte Leistungsnachweis alle Wünsche offen. Das Stolper-Festival von Bobic hatte in der 67. Minute seinen traurigen Höhepunkt, als der Berliner vor dem leeren Tor am Ball vorbeigrätschte. Klose fand in seinem 23- Minuten-Auftritt nur einmal den Weg in den Strafraum, köpfte den Ball in der Nachspielzeit aber meterweit am Tor vorbei. Kuranyi war zwar ständig präsent, aber wie schon gegen die Niederlande glücklos im Abschluss. Dem dennoch einzigen Angreifer von Format entzog Völler in der 78. Minute das Vertrauen, als er den Stuttgarter gegen den völlig wirkungslosen Neu-Wolfsburger Brdaric eintauschte.

Selbst Völler geht auf Distanz

"Ich gebe zu, dass es schon in den Qualifikationsspielen ein Problem war, dass wir zu wenig Tore gemacht haben", ging selbst der sonst mit dem eigenen Personal stets nachsichtige Völler zu seiner "Torlos-Abteilung" auf Distanz. Innerhalb der Mannschaft haben die Stürmer ohnehin keine Lobby mehr, wie Michael Ballack verdeutlichte. Der Münchner Mittelfeldstar plädierte unverhohlen dafür, vom Zwei- Mann-Sturm wieder abzurücken und zu dem gegen die Niederländer praktizierten System mit nur einem Angreifer zurückzukehren.

Völler will zum "Holland-System" zurückkehren

Das wird Völler am Mittwoch gegen die Tschechen auch wieder tun und sich von der Doppelspitze verabschieden. "Es ist wichtig, dass wir Michael Ballack so nah wie möglich ans gegnerische Tor bringen. Das wird am Mittwoch passieren", kündigte Völler die Rückkehr zum Holland-System an.

Wann kommt Podolski?

Und vielleicht probiert er es dann erstmals bei der EM mit dem 18-jährigen Podolski, wenn er einen Joker braucht. "Vielleicht hätte er die ein odere andere Chance bekommen und reingemacht. Im Nachhinein ist man immer schlauer, meinte Völler. Er betonte zugleich aber, von allen fünf Angreifern hätte der junge Kölner im Training am wenigsten überzeugt.

Für Mayer-Vorfelder aber liegen die langfristigen Hoffnungen mehr in der Stärkung des Mittelfeldes als im Angriff: "Ich betrachte das immer perspektivisch. Man hat den Ballack, den Deisler, wenn er zurückkommt, den Schweinsteiger und den Broich, von dem ich sehr viel halte. Dann hast du ein Mittelfeld, über das du dir keine Sorgen machen musst."

Oliver Hartmann und Jens Mende, DPA / DPA

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