HOME

Nationalmannschaft: "Verstehe die Pfiffe nicht"

Es war eine Niederlage mit Ansage. Das 0:1 gegen die Dänen bewies, das der "zweite Anzug" der Nationalmannschaft noch gewaltig zwickt. Trainer Jogi Löw ließ die Kritik an seiner Bubi-Truppe hinterher allerdings nicht gelten - im Gegenteil.

Herr Löw, wie bewerten Sie Ihre erste Niederlage als Bundestrainer?

Die Serie war zweitrangig. Solche Spiele sind wichtig für junge Spieler, für ihre weitere Karriere. Die Mannschaft hat läuferisch, kämpferisch und von der Moral her alles gegeben. Insgesamt waren die Dänen uns fußballerisch in vielen Phasen überlegen. Wir haben wichtige Erkenntnisse aus dem Spiel und aus dieser Woche mitgenommen. Von daher kann man zufrieden sein.

Wer waren die Gewinner und Verlierer auf deutscher Seite?

Robert Enke hat sich sehr stark gezeigt. Mit seiner Leistung kann man absolut zufrieden sein. Wir werden jetzt in den nächsten zwei Monaten in Ruhe überlegen, wie war die Woche, wie war das Spiel? Welche jungen Spieler haben wo noch Schwächen? Was kann man ihnen mitgeben? Aber dieses Spiel war ein wichtiger Schritt für viele.

Kann es sein, dass man einen der Perspektivspieler schon im Juni bei den nächsten EM-Qualifikationsspielen wieder sieht?

Das ist durchaus möglich. Gerade, weil wir dann wieder einen Doppel-Spieltag haben und insgesamt wieder zehn Tage zusammen sein werden. Aber man muss auch bedenken: Einige Spieler wie Tim Borowski oder Mario Gomez, die auch heute gespielt hätten, waren verletzt. Ich hoffe, dass diese Spieler auch wieder fit sein werden bis Juni.

Hat Robert Enke im Tor die Wachablösung als Nummer 2 geschafft?

Es herrscht keine Eile, dass wir da eine Entscheidung treffen müssen. Wir haben noch mehr als ein Jahr bis zur EM. Klar ist, Jens Lehmann ist die Nummer 1. Timo Hildebrand hat weiter unser Vertrauen, weil er gerade auch in diesem Jahr beim VfB Stuttgart richtig stabil geworden ist. Jetzt haben wir Robert Enke die Chance über 90 Minuten gegeben. Er hat unter Beweis gestellt, dass er mit viel Ausstrahlung spielt, dass er in den Reaktionen sehr gut war und ein sehr guter Torhüter ist. Eine Entscheidung ist nicht gefallen. Es gibt auch noch einige andere Kandidaten, die wir im Auge haben.

Dänemarks Trainer Morten Olsen hatte sich im Vorfeld heftig beschwert, dass die deutsche Elf nicht in Bestbesetzung antrat. War es ein Versäumnis, dass man dem Gegner nicht gesagt hatte, man spielt mit einer Perspektivmannschaft? Oder ist das Absicht gewesen?

Absicht würde ich das nicht nennen. Wir haben das relativ früh kommuniziert. Ich kann vielleicht noch nachvollziehen, dass Morten Olsen sich geärgert hat. Aber wir sind doch nicht dafür da, andere Trainer zufrieden zu stellen. Wir sind dafür da, auch junge Spieler zu fördern. Das ist unsere Aufgabe.

Wäre es nicht besser gewesen, die jüngeren Spieler - eingebettet in ein paar erfahrene Akteure - Erfahrung sammeln zu lassen?

Es war ganz klar, dass die Spieler, die bei der WM dabei waren und beim Confed-Cup 2005, die 16, 17 Länderspiele gemacht haben im letzten Jahr und weiterhin im internationalen Wettbewerb stehen, sich ‘mal eine Woche über Training vorbereiten. Mir ist wichtig, dass wir dauerhaft eine gute Mannschaft haben und nächstes Jahr, wenn die EM ansteht, alle gesund sind. Es war eine klare Entscheidung, und zu der stehen wir absolut.

Viele Zuschauer waren jedoch verärgert. Sind Sie jetzt auch verärgert, dass die Zuschauer verärgert waren?

Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass die Zuschauer die Mannschaft unterstützen. Zum Schluss gab es Pfiffe. Da muss ich ehrlich sagen, das konnte ich nicht verstehen. Denn gerade in der Schlussphase haben wir noch einmal alles versucht und nochmal drei, vier gute Möglichkeiten herausgespielt. Da gab es wirklich keinen Grund zu pfeifen. Das verstehe ich auch nicht.

Aufgezeichnet von der DPA

Wissenscommunity