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NATIONALMANNSCHAFT: »Wir können jetzt positiv denken«

Zwei Kantersiege, eine Blamage, weitere Personalsorgen, wenig Erkenntnisse: Nach der ersten Vorbereitungs-Phase auf die WM ist Rudi Völler nicht viel schlauer als zuvor.

Zwei Kantersiege, eine Blamage, weitere Personalsorgen, wenig Erkenntnisse: Nach der ersten Vorbereitungs-Phase auf die WM ist Rudi Völler nicht viel schlauer als zuvor. »Man darf das alles nicht überbewerten«, beurteilte der Teamchef die Berg- und-Tal-Fahrt nach dem abschließenden 6:2 gegen Österreich am Samstagabend in Leverkusen. Zuvor hatte es beim 7:0 gegen Kuwait und beim 0:1 in Wales Licht und Schatten gegeben. »Wir sind froh, dass diese Spiele, die Muster ohne Wert darstellen, jetzt vorbei sind«, erklärte Kapitän Oliver Kahn. »Die entscheidenden Tage kommen in Japan«, hakte der Münchner die elftägige Übungsphase ab. Nie zuvor hatte ein Bundestrainer und Teamchef vor einem großen Turnier so improvisieren müssen.

Die harsche Kritik hat geholfen

»Wir können jetzt positiv denken«, brachte Altstar Jürgen Klinsmann die entscheidende Erkenntnis aus dem locker gewonnenen Prestige-Duell gegen Österreich auf den Punkt. 14 Tage vor dem WM- Auftakt in Sapporo gegen Saudi-Arabien taten mit ihren Toren der Lauterer Miroslav Klose, der Bremer Marco Bode und auch der Münchner »Löwe« Daniel Bierofka etwas für ihr Selbstvertrauen; auch alle anderen deutschen Akteure zeigten sich sichtlich an der Ehre gepackt. Ja, die harsche Kritik nach der Wales-Pleite habe da vielleicht auch etwas mit geholfen, gestand Völler ein. »Der Sieg war wichtig für die Außenwirkung und bringt uns ein bisschen Ruhe«, verabschiedete sich »Tante Käthe« in den kurzen Heimat-Urlaub.

Sorgenkind Deisler

Unfreiwillig musste sich Völler erneut mit dem Gesundheitszustand von Sebastian Deisler beschäftigen, der sich in einem Zweikampf mit Rolf Landerl wieder an seinem vorgeschädigten Knie verletzte und aus der BayArena getragen werden musste. Mit einer möglichen erneuten Nachnominierung wollte sich Völler unmittelbar nach dem Österreich- Spiel noch nicht beschäftigen. »Ich rede nicht so gern darüber«, meinte der Teamchef, der in Japan schon ohne Jens Nowotny, Mehmet Scholl und Christian Wörns auskommen muss. Marko Rehmer gab nach seiner Zerrung in der rechten Schulter dagegen Entwarnung: »Das haut mich nicht um. Ich würde nicht von Seuche sprechen«, betonte der Berliner, dass die WM für ihn nicht gefährdet ist.

»Es gibt Dinge, die noch wesentlich zu verbessern sind«

Der eigentliche Kampf um die Stammplätze beginnt erst, wenn das Flugzeug mit den 23 Auserwählten am Mittwoch von Frankfurt nach Miyazaki abhebt. Dann sind auch die Leverkusener Nationalspieler, gegen Österreich nach der strapaziösen Saison nur Tribünengäste, an Bord. »Es gibt Dinge, die noch wesentlich zu verbessern sind«, wies Kapitän Oliver Kahn auf die viele Arbeit hin, die in den acht Tagen vor dem ersten Vorrunden-Spiel wartet. Vor allem die Defensive und speziell die Innenverteidigung geben Anlass zu größten Sorgen. »Diese Dinge dürfen bei der WM nicht passieren. Da wird es schwierig ein Spiel zu kippen«, meinte Völler mit Blick auf die Patzer von Thomas Linke und Christoph Metzelder.¿

»Das sind Dinge, die ein Spiel entscheiden«

»Wir müssen uns bei der Organisation der Defensive verbessern. Das bezieht sich nicht nur auf die Abwehr«, sagte Bode, dessen WM-Aktien nach seinem Doppelpack gegen die harmlosen Österreicher weiter gestiegen sein dürften. Völler drückte es sogar drastischer aus: »Einmal geschlafen, einmal sich nicht richtig konzentriert - und du fährst nach Hause.« Deshalb sprach der Teamchef die Fehler auch gleich nach der Partie klar und direkt an. »Das sind Dinge, die ein Spiel entscheiden.« Neue Möglichkeiten hat Völler hinten kaum: Frank Baumann und Jörg Heinrich heißen die Stopper-Alternativen, Carsten Ramelow könnte die Rolle des Abwehrchefs interpretieren.

»Man darf nicht glauben, nur weil wir sechs Tore gemacht haben, dass es nun ein Selbstläufer wird in Japan«, warnte Völler, der aber dennoch seine Offensiv-Fraktion lobte. »Wie schon in der Vergangenheit haben wir uns relativ viele Chancen herausgearbeitet und sie genutzt«, ergänzte der 42-Jährige. Klose hat sich mit der hervorragenden Quote von nun acht Toren in 12 Länderspielen einen Stammplatz verdient, doch nun scharrt auch das Leverkusener Quintett mit den Hufen: Der Konkurrenzkampf ist erstmals in dieser Vorbereitung eröffnet. »Es wird noch viel passieren«, prophezeite Oliver Kahn.

Von Jens Mende und Marc Zeilhofer (dpa)

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