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Nationalmannschaft: Ballacks pikanter Rollentausch

Defensiv bei Bayern, offensiv im Nationalteam - Michael Ballack darf bei "seinem" Heim-Länderspiel in Leipzig wieder in seine Lieblingsrolle hinter den Stürmern schlüpfen.

Auch wenn Felix Magath den 28-Jährigen beim deutschen Fußball-Rekordmeister seit einigen Wochen weiter nach hinten beordert hat und dafür Torsten Frings im Mittelfeld vorne spielen lässt, hält es Bundestrainer Jürgen Klinsmann in der Nationalmannschaft genau entgegengesetzt. Der Bundestrainer ordnet am Mittwoch gegen Kamerun für Ballack und Frings wieder den pikanten Rollentausch an. "Ich finde, es ist eine interessante Konstellation, was Felix Magath bei den Bayern macht. Aber wir belassen es dabei, dass Michael vorgezogen spielt und Torsten ihn absichert", erklärte Klinsmann am Dienstag.

Ballack ist flexibel

Trotz der konträren Verwendung des Schlüsselspielers Ballack will der Bundestrainer keinen Konflikt zwischen Magath und ihm aufkommen lassen. "Es ist eine gute Variante, die Felix getroffen hat. Sie gibt uns mehr Möglichkeiten", meinte der 40-Jährige. Auch Ballack wiegelte am Dienstag bei der Pressekonferenz des DFB-Teams ab. "Ich weiß, dass ich gegen Kamerun wieder offensiver spielen werde, aber das ist kein Problem", sagte der Kapitän. Das gelte auch in der Kombination mit seinem Teamkollegen Frings: "Wir sind sehr flexibel, Torsten und ich können beides spielen", versicherte Ballack.

Während Magath beim FC Bayern auf den defensiven Ballack setzt, weil mit dessen Stärken im Spielaufbau "ein geordneteres Spiel im Mittelfeld" Einzug gehalten habe, passt Klinsmann der offensive Ballack besser in sein auf Attacke ausgerichtetes WM-Spielsystem. Team-Manager Oliver Bierhoff verwies darauf, dass Ballack "einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler in Europa ist".

"Torjäger" Ballack

20 Tore in 47 Länderspielen sind ein eindrucksvoller Beleg. Und dass Ballack die offensivere Rolle bevorzugt, ist sogar aktenkundig. Unter Magaths Vorgänger Ottmar Hitzfeld nahm er beim FC Bayern im Februar 2003 sogar bewusst eine mögliche Geldstrafe in Kauf, als er in einem Interview die offensivere Position einforderte. Er bekam sie - 10 000 Euro kostete ihm das öffentliche Aufbegehren.

Seit seinem Wechsel nach München vor über zwei Jahren wird beim FC Bayern immer wieder darüber gestritten, was Ballack tatsächlich ist: "Ein Sechser", wie Manager Uli Hoeneß glaubt, oder doch ein das Spiel machender "Zehner". Der Rollenwechsel zwischen Verein und Nationalteam birgt dadurch enorme Brisanz, auch wenn sie öffentlich von allen Beteiligten heruntergespielt wird. Ein "ganz besonderes Spiel" ist die Partie in den neuen Bundesländern für den gebürtigen Sachsen in erster Linie aus einem anderen Grund: "Es ist mein erstes Länderspiel im ehemaligen Osten."

Von Klaus Bergmann und Jens Mende/DPA

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