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Nationalmannschaft: Podolski-Gala

4:2 gegen Südafrika. Zehn starke Minuten reichten, um einen schwachen Gegner zu schlagen. Besonders in der ersten Hälfte tat sich die DFB-Auswahl aber schwer.

Von Klaus Bellstedt, Bremen

Im Vergleich zur blamablen 0:2-Niederlage von Bratislava stand gegen Südafrika eine stark veränderte Startelf auf dem Rasen im Bremer Weser-Stadion. Coach Jürgen Klinsmann machte insofern seine Ankündigung wahr und krempelte sein Team als Konsequenz auf die schwache Vorstellung gegen die Slowakei gleich auf fünf Positionen um: Jansen, Sinkiewicz, Schweinsteiger, Borowski und Podolski rückten für Hitzlsperger, Wörns, Schneider, Ernst und Asamoah in die Anfangsformation.

Nach hektischem Beginn bekam die DFB-Auswahl das Spiel nach etwa zehn Minuten mehr und mehr in den Griff. Schnell wurde deutlich, dass die Männer vom Kap sich hauptsächlich darauf beschränkten, das Spiel der Deutschen zu zerstören. Das gelang aber nur bis zur 15. Minute. Nach einem Fehler in der südafrikanischen Hintermannschaft schaltete Miroslav Klose am schnellsten und setzte mit einem schönen Pass Sturmpartner Lukas Podolski in Szene. Der quirlige Kölner ließ sich nicht lange bitten und überwand Keeper Hans Vonk mit einem sehenswerten Heber zum frühen 1:0.

Nationalmannschaft zu Beginn mit mehr Spielanteilen

Überhaupt Podolski: Der Angreifer avancierte nach seinem Treffer zum auffälligstem Akteur auf dem Platz, war überall zu finden und suchte immer wieder selbst den Abschluss. Auch den restlichen Teammitgliedern war deutlich anzumerken, dass sie die Schmach vom letzten Wochenende vergessen machen wollten - Wille und Engagement stimmten. Zwingende Torchancen blieben aber trotz flüssigen Kombinationsspiels vorerst nur Mangelware.

Die Südafrikaner, für die die Partie gegen den dreimaligen Weltmeister nach der verpassten WM-Qualifikation eine Art Neustart darstellen sollte, trauten sich erstmals nach knapp einer halben Stunde in die Nähe des Gehäuses von Keeper Jens Lehmann. Und gleich der erste gelungene Angriff sollte zum überraschenden Ausgleich führen. Bielefelds Sibusiso Zuma hatte sich auf der rechten Seite durchgetankt und drang in den Strafraum ein. Per Mertesacker kam den berühmten Schritt zu spät und holte den Stürmer elfmeterreif von den Beinen. Shaun Bartlett ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelte sicher zum 1:1 (26.)

Der Ausgleichstreffer hatte verunsichernde Wirkung auf die deutsche Elf, die nach gutem Beginn plötzlich jegliche Linie in ihrem Spiel vermissen ließ. Unnötige Ballverluste und Fehlpässe prägten das Spiel des DFB-Teams, das bis zum Halbzeitpfiff kaum noch etwas Konstruktives zu Stande brachte. Folgerichtig begleitete ein Pfeifkonzert der gut 30.000 Zuschauer im Weser-Stadion die Mannschaft in die Kabine.

Podolski in bestechender Form

Nach dem Wechsel überschlugen sich dann die Ereignisse. Klinsmanns Kabinen-Predigt sollte nicht ohne Wirkung bleiben. Innerhalb von zwei Minuten erhöhte die in ihren roten Ausweichtrikots spielende deutsche Elf auf 3:1. Zunächst war es der Bremer Tim Borowski, der nach einem feinen Zuspiel von Lukas Podolski dem südafrikanischen Keeper aus kurzer Distanz keine Chance ließ (48.), und nur 60 Sekunden später war es "Prinz Poldi" selbst, der sich über links durchgesetzt hatte und aus spitzem Winkel zum 3:1 vollendete. Die Antwort der "Bafana Bafana" ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Unmittelbar nach Wiederanpfiff gelang Südafrikas Fußballidol Benny McCarthy im Nachschuss der Anschlusstreffer (50.).

Wer nun geglaubt hatte, dass beide Teams einen Gang zurückschalten würden, sah sich getäuscht. Die Begegnung nahm weiter an Tempo zu, wobei sich die DFB-Auswahl ein deutliches Übergewicht im Mittelfeld verschaffen konnte. Das lag nicht zuletzt auch an Bernd Schneider, der ab der zweiten Hälfte für den schwachen Sebastian Deisler in die Partie kam und für neuen Schwung sorgte. Anders als nach dem südafrikanischen Ausgleichstreffer zum 1:1 aus der ersten Halbzeit ließ sich die deutsche Nationalmannschaft dieses Mal nach dem Treffer der Gäste nicht schocken. Im Gegenteil: Mit seinem dritten Tor zum 4:2 in der 55. Minute avancierte Lukas Podolski endgültig zum Matchwinner auf Seiten der Klinsmann-Truppe. Der Publikumsliebling, der kurze Zeit später unter dem donnernden Applaus der Zuschauer ausgewechselt wurde, überwand Torwart Hans Vonk mit einem trockenen Linksschuss aus dem Stand von der Strafraumgrenze.

Südafrikas Goalie vereitelt weitere Großchancen

Der Widerstand der Südafrikaner war jetzt, Mitte der zweiten Hälfte, gebrochen. Das Team von Coach Stuart Baxter stellte nach dem vierten Gegentor seine Offensivbemühungen komplett ein und beschränkte sich lediglich darauf, den Rückstand nicht weiter anwachsen zu lassen. Die deutsche Mannschaft dagegen agierte weiter nach vorne und erspielte sich durch einen Kopfball des eingewechselten Kevin Kuranyi und Schüsse von Bernd Schneider sowie Fabian Ernst kurz vor Schluss weitere gute Torgelegenheiten. Der beste Südafrikaner an diesem Abend, Schlussmann Hans Vonk von Ajax Amsterdam, zeigte sich aber jeweils auf dem Posten. So blieb es bis zum Abpfiff beim Zwei-Tore-Vorsprung für den dreimaligen Weltmeister.

Nach einer schwachen ersten Hälfte reichten der deutschen Nationalmannschaft zehn starke Minuten und ein Lukas Podolski in Weltklasseform, um eine insgesamt viel zu passive südafrikanische Elf an diesem spätsommerlichen Abend im Bremer Weser-Stadion zu bezwingen. Über das tatsächliche Leistungsvermögen des DFB-Teams wird erst das nächste Testspiel am 8. Oktober in Istanbul gegen die Türkei Aufschluss geben. Als echter Gradmesser, noch dazu in einer WM-Saison, taugte die "Bafana Bafana" jedenfalls nicht.

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