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Nationalmannschaft: Völler vor dem Island-Spiel in Personalnot

Rudi in Personalnot: Nach dem Ausfall von Freier und der Erkrankung von Schneider rückt ein Einsatz von Sebastian Deisler am Samstag gegen Island in den Bereich des Möglichen. Unterdessen hat Völler Ersatztorwart Lehmann in die Schranken gewiesen.

Der für das erste EM-Qualifikationsspiel am Samstag (19.30 Uhr/ARD) in Reykjavik gegen Island von Rudi Völler für das linke Mittelfeld fest eingeplante Bochumer Freier fällt mit einem Mittelfußbruch vermutlich sogar bis Dezember aus. Rudi Völlers Wunschformation ist damit geplatzt. Nachdem auch Bernd Schneider erkrankt ist, rückt der "verlorene Sohn" Sebastian Deisler urplötzlich ganz nahe an die Startelf heran.

Ausfall von Freier schwerer Schlag

"Das ist eine Hiobsbotschaft. Paul hätte gespielt", kommentierte Völler am Mittwoch die bittere Diagnose nach der Kernspintomographie des rechten Fußes von Freier. "Das ist ein Rückschlag für mich. Und dass ich gespielt hätte, macht mich noch deprimierter", klagte der 24-Jährige, als er humpelnd das DFB-Quartier in Neu-Isenburg verließ. Am Mittwochabend hatte sich auch noch der Leverkusener Bernd Schneider krankgemeldet. "Er hat sich ein Virus eingefangen», sagte Völler. Schneider wird am heutigen Donnerstag mit der Nationalmannschaft nach Reykjavik fliegen. Sein Einsatz ist allerdings ungewiss. Damit nicht genug: Auch Jens Jeremies musste wegen Knieproblemen erneut mit dem Training aussetzen.

Wird Rudis Truppe gegen Island Probleme bekommen?

Spielt Deisler?

Völler blies trotz der Negativ-Meldungen nicht lange Trübsal, sondern rückte umgehend Rückkehrer Deisler weiter ins Rampenlicht. "So traurig es für den Paul Freier ist, so absolut richtig ist es, dass Sebastian hier dabei ist», meinte Völler. Dem 23-jährigen Münchner wollte der Teamchef bei seinem Nationalmannschafts-Comeback nach 16 Monaten eigentlich nur «das Gefühl» vermitteln, «dass er dazu gehört». Durch Freiers Ausfall ist nun ein Platz im Mittelfeld frei geworden, "und ich habe da schon überall gespielt", bemerkte Deisler, der dem Team gern helfen möchte, allerdings auch zugab: "Bei hundert Prozent bin ich sicherlich noch nicht - aber kurz davor."

Deisler Chance ist die durch Freiers Ausfall und die Gelb-Sperre des Münchners Tobias Rau verwaiste linke Außenbahn. Der Berliner Michael Hartmann oder der Hamburger Christian Rahn sind allenfalls Notlösungen, was auch der Teamchef indirekt zugab: «Es muss links nicht immer ein Linksfuß spielen.» Die Einsatzchancen für Deisler, der für Links auch nicht in Frage kommt, steigen vor allem deswegen, weil der gesetzte Schneider weiterhin ein "Pflegefall" ist.

Appell an den Teamgeist

Angesichts der Personalprobleme forderte Völler seine 20 verbliebenen Akteure auf, noch enger zusammenzurücken. "Das Allerwichtigste ist, wie wir als Kollektiv in das Spiel reingehen", betonte der Teamchef, der seinem Personal eindringlich den Ernst der Lage vor Augen hielt: "Gerade wir können uns nicht erlauben, einen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Das wäre fatal."

Meyer-Vorfelder erwartet zwei Siege gegen Island und Schottland

Der Druck auf die Mannschaft ist enorm. Gerhard Mayer-Vorfelder geht von einem Durchmarsch der deutschen Mannschaft in den beiden "Spielen der Wahrheit" in Reykjavik und vier Tage später im Dortmunder Westfalenstadion gegen Verfolger Schottland. "Ich erwarte, dass die Mannschaft beide Spiele gewinnt und sich damit schon für die EM qualifiziert", sagte der DFB- Präsident. Dafür hatte er mit dem Mannschaftsrat um Kapitän Oliver Kahn für die Qualifikation eine Erfolgsprämie von 10 000 Euro pro Spiel ausgehandelt. Ein Akteur, der für alle acht Partien nominiert war, könnte so maximal 80 000 Euro kassieren.

Völler reicht Tabellenführung

Völler dagegen könnte auch mit weniger als zwei Siegen leben. "Ich will nach diesen zwei Spielen wieder Tabellenführer sein", benannte er sein Nahziel. Noch führt Island mit 12 Punkten, aber einem ausgetragenen Spiel mehr, die Grupe 5 vor Deutschland (11) und den von Berti Vogts betreuten Schotten (8) an.

Völler weist Lehmann in die Schranken

Gemeinsam versuchten der deutsche Teamchef und Präsident allerdings zwei Störfeuer der Woche zu löschen.Der Teamchef wies die öffentliche Forderung von Ersatztorhüter Jens Lehmann nach mehr Einsatzzeiten kategorisch zurück. Auf dem Trainingsplatz redete er demonstrativ fünf Minuten lang auf seine Nummer 2 ein und erinnerte Lehmann daran, "dass ich auch in schlechteren Zeiten zu ihm gestanden habe". Mayer-Vorfelder konterte unterdessen die Aussagen von Bayern- Manager Uli Hoeneß, der angesichts des immer größeren Ausländeranteils in der Bundesliga die Zukunft der Nationalelf zur Debatte gestellt hatte: "Das hat der Uli so rausgehauen. Aber die Nationalmannschaft ist das Lieblingskind der Deutschen."

DPA

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