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Neue Helden: Alle Augen auf "Roonaldo"

David Beckham ist berühmt, sieht gut aus, hat viel Geld und gute Manieren, doch sein Typ ist in diesen Tagen nicht gefragt. Und das genießt er.

Ein Halbwüchsiger aus der Arbeiterstadt Liverpool, ein ungeschliffener Junge mit Segelohren und furchtlosem Blick, hat den einstigen Liebling aller Paparazzi als Cover-Boy von den Titelseiten der englischen Massenblätter verdrängt. Beckham ist dankbar, wirkt von einer schweren Last befreit und scheint das neue Leben im Schatten von "Shooting Star" Wayne Rooney richtig zu genießen.

Aus der Schusslinie

So locker wie bei der EM in Portugal hat man Beckham selten erlebt. Die angeblichen Affären mit der Diplomatentochter Rebecca Loos und der "Vier-Stunden-Geliebten" Sarah Marbeck scheinen nie stattgefunden zu haben, auch die völlig missratene Saison mit Real Madrid hat keine Spuren hinterlassen. Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft spricht viel, wenn auch meistens Belangloses, stellt sich höflich den Medien und tut seit Rooneys erstem Doppelpack beim 3:0 gegen die Schweiz alles, um den hoch begabten Stürmerstar ins Gespräch und sich selbst aus der Schusslinie zu bringen.

Beckham als neuer "Pressesprecher"

Fast täglich tut Beckham in der neuen Rolle als «Pressesprecher» der Öffentlichkeit kund, wie es um das Befinden seiner Kollegen steht. Kein Moment vergeht, in dem er den unbekümmerten Rooney zum Helden erhebt. "Wayne ist fantastisch" oder "Wayne spielt wie ein Mann, ist aber noch ein Junge" oder auch "Wayne geht auf den Platz, als wenn auf dem Schulhof oder bei den Sonntagskickern spielt" - Beckhams Taktik geht bisher auf. Sein Konterfei ist von den Frontseiten der Yellow Press verschwunden, die Paparazzi lassen ihn weitgehend in Ruhe. Der Superstar kann sich auf das Wesentliche konzentrieren - das Fußballspielen.

Doch auch auf dem Platz ist Beckham zum Nebendarsteller geworden. Selten nur noch sind die millimetergenauen Pässe, die gefährlichen Freistöße und Eckbälle zu bewundern. Gegen Frankreich verschoss er sogar einen Elfmeter. Die Vorwürfe aus der Heimat, er mache sich an der rechten Außenlinie als Standfußballer ein schönes Leben und schaue mehr auf die Tribüne zu Ehefrau Victoria und Sohn Brooklyn hoch als auf den Ball, lassen ihn kalt: "Es gibt immer Kritik, aber ich bin als Person und Spieler stark genug, um das wegzustecken."

Ewige Dankbarkeit garantiert

Rooney, der Wunderknabe aus dem Liverpooler Quartier Croxteth, hat seit seinen vier Vorrunden-Toren im Moment mehr zu bieten als die vermeintlichen Stars. Er stellt derzeit einen Zinedine Zidane, Luis Figo, einen Thierry Henry oder David Beckham in den Schatten. Seit Tagen steht der Boy-Man, wie Rooney von den englischen Journalisten treffend beschrieben wird, im Bann der Öffentlichkeit - Beckham wird ihm ewig dankbar sein.

Gerd Münster/DPA / DPA

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