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Neuer Job: Was macht eigentlich Oliver Bierhoff?

Er ist laut eigenem Bekunden von "früh um acht bis Mitternacht beschäftigt". Doch so recht weiß keiner genau, wie man Oliver Bierhoffs neuen Job bezeichnen soll. Manager? "Macher"? Oder einfach "irgendwie mittendrin"?

Für eine Sekunde schielte Brasiliens Coach Carlos Alberto Parreira im Berliner Olympiastadion verwundert auf den langen Stürmer im deutschen Trikot: Hat sein Freund Jürgen Klinsmann etwa eine neue Wunderwaffe im Ärmel? Der Mann konnte noch vor dem Anpfiff des Fußball-Schlagers Vizeweltmeister gegen Weltmeister beruhigt werden, der lange Stürmer heißt Oliver Bierhoff und half nur beim abschließenden Trainingsspiel aus. "Ich bin von früh um acht bis Mitternacht beschäftigt", erzählte der neue Teammanager Bierhoff. Gemeinsam mit Neu-Bundestrainer Klinsmann trieb der 36-Jährige in den vergangenen sechs Tagen die Erneuerung der DFB-Auswahl voran, praktisch und theoretisch: "Wir wollen den Spielern vor allem mit vermitteln, dass sie hier eine Insel haben, wo sie - zwar nicht kritiklos - auch einen gewissen Schutz finden."

"Wer hoch klettert, kann tief fallen"

Für diese und noch ganz viele andere Aufgaben mehr hat sich Klinsmann seinen einstigen Angriffs-Partner Bierhoff an die Seite geholt. Eine genaue Job-Beschreibung fällt dem gebürtigen Essener, als Fußball-Profi ebenso erfolgreich wie als Fernstudent der Betriebswirtschaft - noch schwer. Doch eins ist schon jetzt klar: Es war lange überfällig, einen "Macher" für die wichtigste deutsche Fußball-Mannschaft zu installieren, der auf fast allen Hochzeiten tanzen und überzeugen kann. Verbindung zu Sponsoren, Medien, zur Bundesliga, zum Trainerstab und natürlich zu den Spielern - als "irgendwie mittendrin" beschreibt Bierhoff selbst seine Rolle.

Bierhoff erklärte geduldig die neue offensive und risikovolle Philosophie ("Wer hoch klettert, kann tief fallen") der frisch installierten sportlichen Leitung, er verteidigte die ungewöhnlichen Fitness-Tests amerikanischer Spezialisten, er las vor Fans Fußball- Geschichten, diskutierte mit Sponsoren - und er zog selbst wieder die Fußballschuhe an, als für das Training ein Mitspieler fehlte. "Man sieht, welche Bandbreite von Anfragen auf den Nationalmannschafts- Manager zukommen", sagte Bierhoff. Viel Hilfestellung habe er bekommen bisher, außerdem seien die vielen Erfahrungen als Aktiver sein wichtigster Trumpf: "In keinem anderen Job gibt es wohl so viele Menschen, die sagen, wie man diesen Job zu erledigen hat."

Schwingungen mitbekommen

"Wir sind dabei als Dreier-Gespann, uns gegenseitig zu helfen, uns auszutauschen, eine Art Gefühl zu entwickeln, wenn der eine mehr angespannt ist, kann der andere mehr Lockerheit vermitteln", berichtete der Bundestrainer über die interne Findungsphase beim Trio Klinsmann, Bierhoff und Joachim Löw. Klinsmann möchte gern, dass der Teammanager noch etwas näher an die Mannschaft heran rückt, "die Schwingungen mitbekommt", verriet Bierhoff. "Und sicher kann ich dem Jürgen ein paar Inputs geben." Allerdings: Eigentlich will sich der Manager aus dem Sportlichen heraus halten, zudem fehlt bei den kurzen Trainingsperioden des DFB-Teams einfach die Zeit.

Zwei Hauptaufgaben für die nächste Zeit hat Bierhoff in Berlin definiert. Zuerst will der Europameister von 1996 und Vizeweltmeister von 2002 das Büro Nationalmannschaft in der Verbandszentrale in Frankfurt/Main personell und organisatorisch fertig stellen. "Die Nationalmannschaft soll dadurch mehr präsent sein, für die Bundesliga, Sponsoren, aber auch für die Spieler selbst." Dazu dient die zentrale Anlaufstelle mit Leiter Georg Behlau und dem weiter auf Honorarbasis arbeitenden Betreuer Flavio Battisti. Ein oder auch zwei Mal in der Woche will Bierhoff selbst von Frankfurt aus arbeiten.

Zum anderen hat sich Bierhoff eine neue Offenheit auf die Fahnen geschrieben. Der Teammanager möchte die Nationalspieler unter jener Schutz-Glocke hervorziehen, die in den vergangenen Monaten immer weniger Kontakte zum "normalen Leben" zuließ. "Ich will die Nationalmannschaft auch außerhalb der Länderspiele präsentieren. Mit Sicherheit haben der DFB und die Mannschaft gewisse Verpflichtungen, die über den reinen Sport hinaus gehen", sagt Bierhoff und verhehlt dabei nicht, dass er dabei auch "intern Überzeugungsarbeit leisten muss". Notfalls eben sogar auf dem Trainingsplatz.

Von Jens Mende und Oliver Hartmann, DPA

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