HOME

Personalie: Kaiser-Jubiläum

Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs feiert seinen 60. Geburtstag. Und er hat immer noch große Ziele.

Als Sportler, Trainer und Funktionär hat er nahezu alles erreicht und gewonnen. Er selbst sieht es als seinen größten Erfolg, dass er entscheidend dazu beigetragen hat, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu holen. Franz Beckenbauer haftet der Ruf an, dass alles, was er anpacke, zu Gold wird. Doch er findet das übertrieben. Schließlich habe er sich viel erarbeiten müssen. Am Sonntag (11. September) wird der "Kaiser" 60 Jahre alt. "Manchmal funktioniert es, manchmal nicht", erklärte Beckenbauer in der ihm eigenen Mischung aus Platitude und Altersweisheit dem "Kicker" und fügt an: "Erfolg ist auch vom Glück abhängig, vor allem steckt harte, konsequente Arbeit dahinter. Glück muss man sich erarbeiten."

Der Sohn des Postobersekretärs Franz Beckenbauer wuchs im Münchner Arbeiterviertel Giesing auf - eigentlich Hoheitsgebiet des TSV 1860. Dass der junge Franz Ende der 50er Jahre einen Wechsel zum damals noch wesentlich kleineren Lokalrivalen FC Bayern vorzog, lag an einer Ohrfeige, die ihm ein "Löwen"-Spieler nach einem Streit verpasste - eine der vielen Legenden und Anekdoten aus dem Leben des Franz B., die in den zahlreichen Biografien über die Lichtgestalt des deutschen Fußballs gerne zitiert werden.

Beckenbauer vor dritter Eheschließung

Beim FC Bayern startete er seine Karriere als Linksaußen. In der Nationalelf, wo er als 20-Jähriger debütierte, spielte er zunächst als Mittelfeldspieler. Den Posten des Libero, den Beckenbauer völlig neu interpretierte und es damit zu Weltruhm brachte, durfte erst nach der Fußballweltmeisterschaft 1970 übernehmen, als der bisherige "Ausputzer" Willi Schulz zurücktrat. Als Spieler gewann Beckenbauer alle Titel - bis auf den UEFA-Cup. Diesen Erfolg holte er 1996 als Interimstrainer des FC Bayern nach - übrigens mit dem heutigen Bundestrainer Jürgen Klinsmann im Angriff.

Beckenbauer war nach dem Brasilianer Mario Zagallo der zweite Mensch, der als Spieler und als Trainer Fußball-Weltmeister wurde. Fast wäre es aber gar nicht zu einer Karriere in der Nationalmannschaft gekommen, denn Beckenbauer war bereits 1963 Vater eines unehelichen Kindes geworden - für die damalige Zeit ein unerhörter Zustand. Nur mit Fürsprache von Trainer Dettmar Cramer und Sepp Herberger konnte der junge Franz das Hindernis überwinden. Der Franz und die Frauen ist ein Thema für sich, das bisweilen im Kontrast zu den sportlichen Erfolgen steht. "Die privaten Trennungen kann man als Scheitern bezeichnen", räumte Beckenbauer im "Kicker" ein. Zuletzt sorgte die Beziehung zur zwanzig Jahre jüngeren FC-Bayern-Sekretärin Heidrun Burmester für Schlagzeilen. Nach mittlerweile zwei Kindern sollen schon bald die Hochzeitsglocken läuten. Für den Kaiser wäre es die dritte Ehe.

Karriere-Höhepunkt WM 2006

Schon früh bewies Beckenbauer Mut zu ungewöhnlichen Schritten - etwa mit Ausflügen ins Schlagergeschäft ("Gute Freunde kann niemand trennen") oder als Schauspieler im Film-Flop "Libero" über die Sinnkrise eines Fußballers. 1977 wechselte er als erster namhafter deutscher Spieler in die USA zu Cosmos New York - mit einem für die damalige Zeit astronomisch dotierten Vertrag von angeblich 2,8 Millionen US-Dollar für drei Jahre. Obwohl seine Karriere als Fußballer inzwischen mehr als 20 Jahre zurück liegt, ist der Kaiser heute als Werbeträger gefragter als je zuvor. Bereits in den 60er Jahren begann er mit Suppenwerbung, heute bewirbt Beckenbauer etwa Weizenbier, Geldinstitute und Mobilfunkanbieter ("Ja is denn heut scho Weihnachten").

Seine Meinung ist gefragt als Kolumnist und Co-Kommentator, und die Freude ist groß, wenn er mal so richtig draufhaut. In den vergangenen Jahren ist Beckenbauer allerdings deutlich diplomatischer geworden. Als Bundestrainer habe er bei der WM 1986 in Mexiko "alles, was mir in den Weg kam, pauschal beleidigt", gestand er im "Kicker". Besonders die Bewerbungsphase für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 habe ihn verändert. Die WM im kommenden Jahr wird nun der vorläufige Höhepunkt in der Karriere des Franz Beckenbauer.

Nächstes Ziel: Präsident der UEFA

Zwar hat die Lichtgestalt des deutschen Fußballs die größte Einzelsportveranstaltung nicht allein nach Deutschland geholt, aber sein Engagement und vor allem sein guter Name haben viele Türen geöffnet. Für die Zeit nach der WM hat der 60-Jährige, der sich nach eigenem Bekunden 20 Jahre jünger fühlt, bereits die nächste Option: Für den Posten des UEFA-Präsidenten gilt er als aussichtsreicher Kandidat. In die Zukunft blickt Beckenbauer nicht nur angesichts seiner Erfolge gelassen. Das Motto hat er vor Jahren selbst mit dem mittlerweile geflügelten Wort ausgegeben: "Schaun mer mal."

mit AP

Wissenscommunity