VG-Wort Pixel

Pizarro verlässt Werder Schock und Chance


Diese Nachricht ist für viele Werder-Fans ein Schock. Claudio Pizarro, Bremens Stürmer Nummer Eins, verlässt den Klub. Eine sportliche Hiobsbotschaft, die jedoch auch ihre guten Seiten hat.
Von Cord Sauer

Rein wirtschaftlich betrachtet kann man Werder eigentlich nur gratulieren, schließlich geht mit Claudio Pizarro der absolute Spitzenverdiener der Mannschaft. Die geschätzten vier Millionen Euro, die der beliebte Peruaner jährlich vom Verein bekam, finden sich nun beim Schatzmeister auf der Haben-Seite wieder. "Aus diesem Abgang ergeben sich für uns neue Möglichkeiten", erklärte auch Geschäftsführer Klaus Allofs am Dienstagnachmittag und verwies auf Pizarros Gehaltsbudget, das nun anderweitig eingeplant werden könne. Die Finanzen sind das eine, der sportliche Wert etwas ganz anderes. Denn der Verlust Pizarros reißt natürlich ein großes Loch in das Teamgefüge der Grün-Weißen.

Nie zuvor war Allofs' verstopfte Spürnase so sehr gefordert wie jetzt. Vor Jahren noch verzückte der Manager das anspruchsvolle Bremer Publikum mit Spielern wie Micoud, Diego und Özil. Zuletzt allerdings schien es so, als hätte er sich auf diesen goldenen Transfers fast ein bisschen ausgeruht. Anstatt weiter nach der Prämisse "günstig und gut" einzukaufen, nahm Allofs immer mehr Geld in die Hand und investierte in hohe Summen. Vor allem Carlos Alberto (7,8 Mio.) und Wesley (7,5 Mio.) floppten fürchterlich. Die Rückholaktion Pizarros, der 2009 für zwei Millionen Euro von Chelsea London erneut bei Werder anheuerte, entwickelte noch einmal zu einer Allofs-Sternstunde. Mit neun Treffern (bei nur 22 Einsätzen) in der Saison 2010/2011 und 18 Toren in der vergangenen Spielzeit bewies Pizarro seine unglaublichen Torjägerqualitäten. Ohne ihn hätte Werder in diesen beiden so enttäuschenden Spielzeiten (Plätze 13 und 9) wohl gegen den Abstieg gespielt.

Umbruch als Abstiegsprophylaxe

Apropos Abstieg: Diesen gilt es nun nach dem Weggang Pizarros zu verhindern. Dass es Werder in gut einem Jahr ähnlich gehen könnte wie dem ungeliebten Nachbarn aus der großen Hansestadt, der in dieser Saison nur mit Ach und Krach den Klassenerhalt schaffte - soweit haben bislang nur die wenigsten gedacht. Aber genau dieses Szenario könnte jetzt eintreten - wenn dem Gespann Schaaf/Allofs nicht schnellstmöglich ein erfolgreicher Umbruch gelingt.

Schaaf und Allofs haben diesen Umbruch zur kommenden Saison längst angekündigt. Dass er so gravierend ausfallen würde, haben selbst sie wohl nicht geahnt. Nach Marko Marin (Chelsea), Tim Wiese (Hoffenheim), Markus Rosenberg (Ziel unbekannt) ist Pizarro der vierte namhafte Leistungsträger, auf den die Fans in Zukunft verzichten müssen.

Die immer unzufriedener werdenden Werder-Anhänger hatten bis zum Schluss auf einen Pizarro-Verbleib gehofft. Er sollte der anvisierten Neustrukturierung die nötige Routine, die nötige Torgier, die nötige Hoffnung verleihen. Eigenschaften, die an der Weser nun händeringend gesucht werden. Nils Petersen (Bayern) ist im Gespräch, Pierre-Michel Lasogga (Hertha) nach seinem Kreuzbandriss wohl nicht mehr. Aber Werder braucht eigentlich in allen Mannschaftsteilen (auch im Tor) dringend Verstärkungen.

Viele Gerüchte um Pizarro

Claudio Pizarro selbst will nun laut eigener Aussage vor seinem nahenden Karriere-Ende "noch einmal etwas anderes machen." Das kann man verstehen. Er kennt die großen Fußballbühnen in München und London. In Bremen lag ihm ein unterschriftsreifer Zwei-Jahres-Kontrakt vor, zu stark reduzierten Bezügen.

Das künftige Gehalt war also auch ausschlaggebend für den Weggang von Werder. Gehalt, dass er bald auf Schalke neben Klaas-Jan Huntelaar oder auf der Ersatzbank des Double-Siegers Borussia Dortmund einstreichen könnte. Glaubt man aktuellen Gerüchten, sind die zwei Revierklubs und auch Gladbach in den "Pizza-Poker" eingestiegen. Der Stürmer selbst lässt seine sportliche Zukunft bislang offen. "Was es wird, kann ich noch nicht sagen. Ich habe einige Angebote, die ich noch prüfe", sagte Pizarro in einer Pressemitteilung des Klubs.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker