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Pokal-Halbfinale: St.Pauli hat ausgeträumt

Die Spieler des FC St.Pauli wehrten sich tapfer, hielten lange mit dem Rekordmeister mit. Ausgerechnet eine unfaire Flaschen-Attacke der Pauli-Fans ermöglichte das 2:0 für die Bayern. Damit war die Niederlage der Kiez-Kicker besiegelt und das 0:3 nur noch Formsache.

Mit einem leidenschaftslosen Pflichtsieg hat der FC Bayern München die Pokalfestspiele am Hamburger Millerntor beendet und zugleich Kurs auf ein historisches Double genommen. Der deutsche Rekord-Meister und -Pokalsieger spielte im zweiten Halbfinale um den DFB-Pokal beim kampfstarken FC St. Pauli seine Überlegenheit vor der Pause und in den Schlussminuten aus und setzte sich mit 3:0 (1:0) durch. Owen Hargreaves (15. Minute) und Claudio Pizarro (84./89.) sorgten am Mittwochabend für den zu hoch ausgefallenen Erfolg des Bundesliga-Tabellenführers gegen den Fünften der Regionalliga Nord.

Arbeits-Sieg

"Das war ein hartes Stück Arbeit, das wir aber auch erwartet hatten. Die Mannschaft von St. Pauli hat 90 Minuten gefightet und ein unheimliches Tempo durchgehalten - das hätte ich nicht gedacht", zollte Bayern-Trainer Felix Magath den Kiez-Kickern großen Respekt. "Erst in der Schlussphase haben wir unsere Klasse und Routine ausspielen können", meinte Manager Uli Hoeneß. Etwas enttäuscht, aber zufrieden mit seinen Männern, war St. Paulis Trainer Andreas Bergmann: "Wir haben heute wirklich ein ganz tolles Spiel geliefert. In der zweiten Halbzeit sind wir hohes Tempo gegangen - daher tut das jetzt weh. Aber wir sind stolz, dass wir so weit gekommen sind."

Sternstunde von Kahn

Turm in der Abwehrschlacht in der hektischen Schlussphase war Torhüter Oliver Kahn - eine echte Nummer 1 bei den Bayern, die in der zweiten Halbzeit trotz der späten Tore schwer enttäuschten. Dennoch steht der Cup-Verteidiger bereits zum 15. Mal im Endspiel um den DFB- Pokal und will am 29. April im Berliner Olympiastadion gegen Bielefeld-Bezwinger Eintracht Frankfurt zum 13. Mal den "Pott" gewinnen. Sollte das Magath-Team auch die Meisterschale zum zweiten Mal hintereinander holen, wäre das ein Novum im deutschen Fußball.

19,400 Zuschauer erlebten das "Spiel des Jahres", St. Pauli hätte locker das Dreifache an Karten verkaufen können - doch das Wunder vom Millerntor fiel diesmal aus. Noch im Achtelfinale gegen Hertha BSC (4:3 nach Verlängerung) und im Viertelfinale gegen Werder Bremen (3:1) hatten die Fans des Kiez-Klubs ihre Lieblinge leidenschaftlich zum Sieg getrieben.

Bayern ruhten sich aus

Magath hatte seine Mannschaft nach dem 0:3-Debakel in Bremen nur auf einer Position verändert: Lucio rückte für Martin Demichelis in die Vierer-Abwehrkette. Der Cup-Verteidiger machte sofort Druck, doch St. Pauli räumte hinten konsequent ab und erkämpfte sich nach zehn Minuten den ersten Eckball. Doch das erste Tor fiel nach der ersten Chance für die Gäste: Fernschuss-Spezialist Hargreaves zog aus 25 Metern ab und überlistete Torhüter Achim Hollerieth, dem allerdings etwas die Sicht verdeckt war. In der 33. Minute war der Hamburger Keeper aber auf dem Posten, als er sich dem einschussbereiten Roy Makaay entgegen warf. Einen Schuss von Bayern- Verteidiger Philipp Lahm lenkte er an den Pfosten (76.).

Nach dem 1:0 schaltete der Favorit einen Gang zurück, die Hamburger ließen sich von dem Rückstand nicht schocken. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Ich glaube sogar, dass wir bisher die besseren Chancen hatten", sagte Bergmann in der Halbzeit. Nach der Pause wurde die Partie offener und St. Pauli munterer, von einem Klassenunterschied war nichts mehr zu sehen. Der Ausgleich lag in der Luft: Mit Weltklasse-Paraden entschärfte Bayern-Torhüter Kahn tückische Kopfbälle von Felix Luz (54.) und Thomas Meggle (77.). Auf der Gegenseite vergab Makaay, der wiederum nicht überzeugen konnte, gleich mehrfach beste Torchancen.

Britta Körber und Christian Kamp/DPA

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