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Premier League: Chelsea begräbt Titel-Hoffnung

Michael Ballack hat mit dem FC Chelsea kaum noch Chancen auf die Meisterschaft. Nach einer schwachen Leistung gegen Everton ist die Tabellenspitze in weite Ferne gerückt. Liverpool verlor ebenfalls wichtige Punkte, lachender Dritter ist Manchester United.

Nach der Nullnummer gegen den FC Everton haben Michael Ballack und sein FC Chelsea die Titeljagd in Englands Premier League ad acta gelegt. "Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass wir keinen Punkt mehr verlieren dürfen, und das haben wir nun getan", erklärte Chelseas Interims-Trainer Guus Hiddink nach dem für die "Blues" enttäuschenden 0:0 im Stadion an der Stamford Bridge. "Mathematisch sind wir zwar noch im Meisterschaftsrennen, aber wir müssen ehrlich sein und uns nun auf die Champions League und den Pokal konzentrieren", sagte der Niederländer. Während sich Favorit Manchester United nach dem 2:0 über den FC Portsmouth an der Tabellenspitze mit drei Punkten vom FC Liverpool absetzte, liegt Chelsea als Dritter fünf Spieltage vor Schluss schon sechs Zähler zurück. Und United hat auch noch ein Nachholspiel zu absolvieren.

Ballack und Co. kämpften gegen Everton, das am 30. Mai im Wembley-Stadion Chelseas auch Gegner im Cup-Finale sein wird, zwar bis zuletzt, konnten aber spielerisch nicht überzeugen und brachten kaum eine vernünftige Torchance zustande. Die beste Möglichkeit vergab Stürmerstar Didier Drogba, der in der Nachspielzeit die Latte traf. "Manchmal reicht es nicht, hart zu arbeiten", redete Hiddink der Elf des DFB-Kapitäns ins Gewissen, "wir müssen uns intelligenter anstellen." Vor dem Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse in Barcelona kommende Woche deutete der Coach an, im nächsten Premier-League-Match gegen West Ham United einen Gang zurückzuschalten. "Wir werden uns dort nicht hängen lassen, aber der Fokus liegt nun stärker auf der Champions League", so Hiddink. "Sicher sind wir enttäuscht, aber die Mannschaft kann damit umgehen und sich auf das sehr schwere Spiel nächste Woche konzentrieren."

600. Spiel von Paul Scholes

Manchesters 2:0-Sieg in Portsmouth nach Treffern von Wayne Rooney (9. Minute) und Michael Carrick (82.) markierte derweil nicht nur die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen, sondern auch einen Rekord für den "stillen Star" Paul Scholes. Der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler lief zum 600. Mal für seinen Verein auf und ist erst der dritte Manchester-Spieler, der diese Bestmarke knackte. "Ich weiß nicht, was ich über das Spiel denken soll", gab Trainer Sir Alex Ferguson nach dem Match zu, das Manchester trotz Überlegenheit spannender als nötig machte. "Wir haben in der ersten Halbzeit den besten Fußball der Saison gespielt, aber statt mit 5:0 zu führen, lagen wir nur 1:0 vorn und haben uns das Leben selbst schwer gemacht", klagte der Schotte. Von vorzeitigen Glückwünschen zum Titelgewinn indes wollte Ferguson nichts wissen. "Wir sind heute in einer besseren Position als gestern, das stimmt", sagte der Erfolgscoach, "aber nachdem ich gesehen habe, wie nachlässig wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, betrachte ich nichts als selbstverständlich."

Der FC Chelsea ist nun sechs Punkte hinter United auf Rang drei. Durch den Erfolg baute Manchester seine Führung in der Tabelle auf 74 Punkte aus und liegt bei einem Spiel weniger drei Zähler vor dem FC Liverpool.

Die Liverpooler haben ebenfalls einen heftigen Dämpfer im Kampf um die erste Meisterschaft seit 19 Jahren hinnehmen müssen. Nach dem zweiten 4:4 für den FC Liverpool in sieben Tagen sind die Titelchancen des englischen Fußball-Rekordmeisters drastisch gesunken. Das mitreißende Match am Dienstagabend gegen den FC Arsenal kostete Liverpool zwei wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft in der Premier League. Die "Reds" denken jedoch nicht daran aufzugeben. "Das Positive ist, dass die Mannschaft gekämpft und hart gearbeitet hat, und so wird das bis zum Saisonende bleiben", sagte Liverpool-Trainer Rafael Benitez. Sieben Tage zuvor war sein Club schon nach einem 4:4 im Viertelfinal-Rückspiel am FC Chelsea in der Champions League gescheitert.

Vier Tore durch Arschawin

Gegen Arsenal geriet Liverpool ohne den verletzten Kapitän Steven Gerrard dreimal in Rückstand und glich erst in der Nachspielzeit aus. Dabei trafen je zweimal Fernando Torres und Yossi Benayoun für den Rekordchampion. Englands Sportpresse schrieb jedoch Liverpools Chancen auf die erste Meisterschaft seit 1990 fast unisono ab und feierte den russischen Angreifer Andrej Arschawin, der alle vier Arsenal-Tore schoss. "Champions? My Arsch", titelte das Boulevardblatt "The Sun" lautmalerisch in Richtung Liverpool.

"In Russland ist mir zweimal einen Hattrick gelungen, aber ich habe noch nie vier Tore in einem Spiel erzielt", sagte Arschawin, der im Februar von Zenit St. Petersburg zu den Gunners gewechselt war. "Es war ein gutes Spiel für die Zuschauer. Liverpool wollte unbedingt gewinnen, und wir auch. Es war fast schon Basketball."

DPA / DPA

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