HOME

Premier League: Heiliges Grün versinkt im Schmiergeldsumpf

Kaum ist der Fußball-Skandal in Italien vom Tisch, zieht England nach. Bestechungsgelder sollen in sämtlichen Profi-Ligen geflossen sein. Die Beschuldigten tun ihre Gespräche über Schmiergeld als "dummes Geschwätz" ab.

Der Bestechungsskandal im englischen Fußball zieht sich offenbar durch sämtliche Profi-Ligen. Nach schweren Vorwürfen der BBC gegen mehrere Premier-League-Clubs ist der Präsident des Drittligisten FC Blackpool mit neuen Anschuldigungen an die Öffentlichkeit getreten. Clubchef Karl Oyston sagte, ihm und Trainern seines Vereins seien von Spielerberatern mehrfach Schmiergelder bei Transfergesprächen geboten worden. Unterdessen hat der englische Rekordmeister FC Liverpool seine Anwälte eingeschaltet, um rechtliche Folgen des Skandals für den Traditionsclub zu erörtern.

"Mir wurde Bestechungsgeld angeboten, um Spieler zu verpflichten. Und das passierte mehr als einmal", sagte Oyston der Zeitung "Blackpool Gazette". "Seit Beginn meiner Präsidentschaft 1999 wurden auch meinen Trainern Schmiergelder angeboten. Weil wir ablehnten, kamen viele Transfers nicht zustande." Der englische Fußballverband FA forderte Oyston auf, Namen zu nennen.

Skandal weitet sich aus

Die FA hat wegen des Verdachts illegaler Transaktionen bereits im Januar einen unabhängigen Ermittler damit beauftragt, sämtliche Transfers in der Premier League seit 2004 auf Unregelmäßigkeiten zu untersuchen. Der vorläufige Bericht soll am 2. Oktober veröffentlicht werden. Nach den neuen Vorwürfen weitet sich der Skandal offenbar auf alle vier englischen Profi-Spielklassen aus. Schon zu Jahresbeginn hatten Zweitliga-Trainer von Bestechungsangeboten durch Spielerberater berichtet.

Der FC Liverpool hat wegen der Schmiergeld-Vorwürfe seine Anwälte eingeschaltet. "Wir haben uns rechtlichen Beistand genommen, weil wir überrascht wurden. Die Anwälte müssen Lösungen suchen", sagte Trainer Rafael Benitez. In der BBC-Sendung, die den Skandal aufdeckte, war Liverpools Jugendkoordinator mit versteckter Kamera dabei gefilmt worden, wie er über den Wechsel eines Jugendnationalspielers verhandelte, ohne das dessen Club davon wusste. Nach den Regeln der FA ist das verboten.

"Ich habe nie Schmiergelder gezahlt"

Spielerberater Peter Harrison kündigte an, die BBC zu verklagen. Er war mehrfach heimlich dabei gefilmt worden, wie er über Bestechungsgelder für Trainer sprach. Harrison behauptet nun, das seien nur "Kneipengespräche und dummes Geschwätz" gewesen. "Ich habe nie Schmiergelder gezahlt", sagte der von der FIFA lizenzierte Berater dem "Daily Express".

In der BBC-Sendung wurde mehreren Trainern vorgeworfen, illegale Handgelder bei Spielerwechseln kassiert zu haben. Besonders belastet wurden Sam Allardyce, Coach des Erstligisten Bolton Wanderers, und Harry Redknapp, Trainer von Tabellenführer FC Portsmouth. Der englische Meister FC Chelsea und Pokalsieger FC Liverpool sollen verbotenerweise versucht haben, dem FC Middlesbrough einen Jugendspieler abzuwerben.

DPA / DPA

Wissenscommunity