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Sammer-Schelte für Bayern: "Pep hin, Pep her, Pep hoch, Pep runter"

Matthias Sammer ist schwer zufrieden zu stellen: Nach dem glanzlosen Sieg der Guardiola-Elf gegen Hannover lederte der Sportdirektor los – und richtete klare Warnungen an die Profis.

Von Tim Schulze

Bayern-Coach Pep Guardiola hat unter der Woche viele Fragen zum Zustand seiner Mannschaft beantworten müssen. Schließlich gibt es namhafte Verletzte zu beklagen beim Triple-Sieger: Götze, Martinez und Thiago (nicht zu vergessen der langzeitverletzte Holger Badstuber). Auch der angeschlagene Schweinsteiger saß am Samstag gegen Hannover 90 Minuten nur auf der Bank. Und dann naht auch noch das Oktoberfest – das ist immer ein Thema in München. Nicht nur wegen des traditionellen Mannschaftsausflug auf die Wiesn in Lederhosen inklusive einer Maß Bier, sondern weil in diesen Wochen die ersten Weichen gestellt werden, wohin die Reise der Mannschaft in der Saison geht.

Guardiola sagte nichts zum Oktoberfest, er stellte am Freitag nur eine Gegenfrage: "Kann ich den Spielern in dieser Periode trauen?" Nach dem schwerfälligen 2:0-Sieg gegen Hannover gibt es beim Triplesieger einen weiteren Bayern-Häuptling, der diese grundsätzliche Frage stellt. Nur war die Tonlage bei Sportdirektor Matthias Sammer eine andere als beim Trainer, dessen Gegenfrage lediglich ironisch war. Sammer ist kein Mann des sanften Weges. Sammer ließ durchblicken, dass es bei ihm mit dem Vertrauen in die Profis nicht so weit her ist.

Sammer legt den Finger in die Wunde

Und deshalb wählte er die "Methode Sammer" und schlug nach dem Auftritt der Startruppe gegen Hannover mächtig auf die Pauke: "Wir spielen zum Teil lethargisch, wir spielen ohne Emotionen Fußball, wir machen Dienst nach Vorschrift", schimpfte er. "Jeder will, das ist keine Frage des Wollens, aber wir emotionalisieren uns nicht in gewissen Phasen. Wir müssen raus aus einer gewissen Komfortzone und uns gegenseitig mitreißen."

Und erst einmal in Fahrt, lieferte er gleich die Erklärung für das bislang mäßige (und dennoch sehr erfolgreiche!) Auftreten der Bayern in der Bundesliga. Demnach verstecke sich die Mannschaft hinter ihrem Startrainer: "Der Hype, für den er ja überhaupt nichts kann, ist mit ihm jeden Tag Pep hin, Pep her, Pep hoch, Pep runter und wir finden das alle so prima, dass wir sagen, ach gut Mensch, da stehen wir alle auch ein bisschen weniger in der Verantwortung", lederte er los. Rumms, das saß. Genauso hatte er vor einem Jahr geredet, als die Mannschaft in Bremen einen pomadigen Sieg einfuhr.

Noch ist die Bilanz ja in Ordnung. Gegen Hannover blieben die Bayern zum 30. Mal saisonübergreifend hintereinander ungeschlagen. In der Liga stehen vier Siege und ein Unentschieden zu Buche. Das bedeutet Platz zwei hinter den Dortmundern, die gegen den HSV einen Gala-Auftritt hinlegten – und mit fünf Siegen in fünf Spielen einen Rekordstart hinlegten. Genau das ist das Problem, das Sammer eher wittert als die Spieler: Der Erzrivale hat den Abgang von Mario Götze zum FC Bayern hervorragend kompensiert. Es ist nicht damit zu rechnen, dass der BVB die gleichen Fehler wie in der vergangenen Saison macht. Da verlor er im heißen Herbst viele Punkte und geriet in einen Rückstand auf die Münchner, der am Ende nicht mehr aufzuholen war.

Erhöhte Wachsamkeit an der Säbener Straße

Die Bayern wollen verhindern, dass sich die Rollen vertauschen und sie diejenigen sind, die in der Bundesliga ins Hintertreffen geraten. Lustlose Auftritte wie in Freiburg, als sie nur einen Punkt mitnahmen, dürfen sie nicht allzu oft leisten. In den nächsten drei Wochen stehen in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League sieben Spiele an, darunter die Auswärtspartien gegen Manchester City, Leverkusen und Schalke. Und bislang verbreiten die Auftritte der Guardiola-Elf nicht die Brillanz der vergangenen Spielzeit. Das wissen sie in München. Uli Hoeneß forderte unter Woche "so hungrig zu Werke zu gehen, wie wir das vorige Saison phänomenal gemacht haben".

Es herrscht erhöhte Wachsamkeit an der Säbener Straße, weil das Guardiola-System noch gewaltig rumpelt. Der Trainer schickte bereits acht verschiedene Startformationen auf den Rasen, und das ist nicht nur den zahlreichen Verletzten geschuldet. Die Bayern sind dabei, sich neu zu erfinden. Das braucht eine gewisse Zeit. Aber es geht auch um die Motivation nach einem Triplegewinn, den "Hunger" auf Titel. Der existiert bislang nur in den Aussagen der Spieler, aber nicht in den Leistungen auf dem Platz – gemessen an der ruhmreichen, vergangenen Saison. Sammer weiß das.

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