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Sanierung: Schicksalsstunde für Borussia Dortmund

Die Anleger des Immobilienfonds Molsiris haben die Zukunft des angeschlagenen Traditionsvereins in der Hand. Wird der in der Finanzkrise steckende BVB gerettet oder von der Pleite überrollt?

Der sechsfache Fußballmeister Borussia Dortmund steht vor den dramatischsten Stunden seiner Vereinsgeschichte. Am Montag entscheiden die Anleger des Immobilienfonds Molsiris über die Zukunft des angeschlagenen Traditionsvereins. Stimmen sie auf einer Versammlung in Düsseldorf einem Rückkauf des Westfalenstadions durch den Verein und einer Stundung der Miet- und Tilgungszahlungen für die Jahre 2005 und 2006 zu, kann der BVB seinen Sanierungsplan umsetzen und hoffen, auch weiter eine wichtige Rolle im deutschen Fußball zu spielen. Zeigen sie dem Verein die rote Karte, droht die sofortige Insolvenz des hochverschuldeten Bundesligisten.

Wenn die bis zu 5.800 Anleger am Montagmorgen in der "Event Terminal Halle" in Düsseldorf zusammenkommen, wollen die BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Michael Meier zusammen mit Wirtschaftsprüfer Jochen Rölfs deshalb noch einmal ausführlich das Sanierungskonzept der Borussia erläutern und um Vertrauen werben. Mindestens 75 Prozent des anwesenden Kapitals müssen den Plänen zustimmen.

Kein einfacher Gang

Für Manager Meier dürfte dies kein einfacher Gang werden. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat inzwischen wegen Betrugsverdachts ein Ermittlungsverfahren gegen ihn und den Ex-Präsidenten Gerd Niebaum eingeleitet. Anlass ist eine Strafanzeige des Münchner Aktienrechtlers Klaus Rotter. Der hatte den BVB-Managern unter anderem vorgeworfen, sich des Kapitalanlagebetrugs und der Kurs- und Marktpreismanipulation schuldig gemacht zu haben. So hätten beide im Börsenprospekt vom 27. Oktober 2000 wichtige Angaben verschwiegen.

Trotzdem spricht einiges für einen glimpflichen Ausgang des Anlegertreffens. Denn den Anteilseignern drohen bei einem "Nein" zu dem Sanierungsplan deutlich höhere finanzielle Einbußen als bei einer Zustimmung. Trotzdem warnte Rotter die Molsiris-Anleger, sich nicht unter Druck setzen zu lassen: Die im neuen Molsiris-Verkaufsprospekt für das Westfalenstadion gemachten Angaben zur Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, der Mieterin des Westfalenstadions, seien "in sachlicher und rechtlicher Hinsicht unvollständig und irreführend".

Bei einem "Nein" zum Sanierungsplan droht die sofortige Insolvenz

Im Einzelnen gelte dies für die Darstellung zur wirtschaftlichen Lage von Borussia Dortmund, insbesondere die Angaben zur Eigenkapitalquote, die liquiden Mittel und den Jahresüberschuss, erklärte Klaus Rotter, Partner der Kanzlei. „Die Bilanz der GmbH & Co. KGaA zum 30. Juni 2002 wurde gezielt mit Unterstützung einer weiteren Commerzbank-Tochter, der Molacra Vermietungs GmbH aufpoliert. Damit sollte den Molsiris-Anlegern eine Bonität der Stadionmieterin Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA vorgetäuscht werden, die nicht annähernd der Realität entsprach.“

Doch noch mehr als für die Anleger steht für den Verein auf dem Spiel. Bei einem "Nein" zum Sanierungsplan drohe dem Verein die sofortige Insolvenz, heißt es im Einladungsschreiben zum Anlegertreffen. Was dies bedeuten würde, mag niemand im Detail ausmalen. Möglicherweise könnte der Verein die Saison noch unter der Obhut eines Konkursverwalters zu Ende spielen. Doch spätestens mit dem Start der nächsten Bundesliga-Saison wäre wohl die Geschichte des Profi-Fußballs in Dortmund beendet, befürchtet man im Verein.

Mitte Februar hatte der Verein seine Anhänger mit der Mitteilung geschockt, er stehe kurz vor der Pleite.

AP / AP

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