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Schäuble: Vereine sollen "Hooligan-Seuche" bekämpfen

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat die Fußballvereine nach den Leipziger Krawallen zu einem entschlosseneren Vorgehen gegen Hooligans aufgerufen. Es sei nicht akzeptabel, dass mehr als 300 Polizisten ein Spiel in einer unteren Liga sichern müssten.

"Die Klubs müssen sich bekennen, Gewalttäter aktiv ächten und in die Jugendarbeit investieren", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Täten sie dies nicht, drohe der Ausschluss aus der Fußballfamilie. "Zudecken, Beschwichtigen und Schweigen gilt nicht mehr", fügte der Minister hinzu. Die Deutsche Sportjugend lehnte die Spielaussetzungen als Konsequenz der Ausschreitungen ab.

Hooligans suchten sich immer Nischen, die ihnen Schutz und Anonymität gewährten. "Solche Schutzbereiche für Gewalttäter und Chaoten darf es im deutschen Fußball nicht geben, sonst gefährdet unsere Gesellschaft eine ihrer größten integrativen Kräfte", warnte Schäuble. Die deutschen Fußballfans seien zum allergrößten Teil friedliche Mitbürger. "Damit die Hooligan-Seuche jedoch nicht um sich greift, darf man die Probleme in unteren Ligen nicht verharmlosen."

Schnelle und ernste Konsequenzen

Mit Blick auf die Krawalle vom vergangenen Wochenende in Leipzig fügte Schäuble hinzu, es dürfe nicht so weitergehen, dass mehr als 300 Polizisten ein Spiel in einer unteren Liga sichern müssten. Die Justiz solle schnell gegen Rädelsführer vorgehen und wie bei der WM sollten Sport-Staatsanwälte im Stadion Anklage erheben können. Dadurch müsse deutlich werden, dass Straftaten ernste Konsequenzen hätten.

Nach dem Pokalspiel zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und dem FC Erzgebirge Aue II waren am vergangenen Wochenende 39 Polizisten verletzt worden. Die nach Polizeiangaben zwischenzeitlich mehr als 800 Randalierer hatten mit Wurfgeschossen Polizei angegriffen. Als Konsequenz aus den Krawallen hatte der Sächsische Fußball-Verband dieses Wochenende in einigen Klassen den Spielbetrieb ausgesetzt.

Diese symbolische Entscheidung treffe vor allem Vereine der unteren Ligen, die mit den Ausschreitungen nichts zu tun hätten, sagte der bei der Deutschen Sportjugend für Fanprojekte zuständige Volker Goll im Deutschlandradio Kultur. Um Aggressionen bei Fans abzubauen, müssten andere Maßnahmen ergriffen werden. Es gehe darum, Beziehungen zu den Fans aufzubauen und einen Dialog zwischen den Konfliktparteien in Gang zu setzen. Allerdings gebe es für derartige Projekte keine ausreichende finanzielle Unterstützung.

Reuters

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