Schalke 04 Verkehrssünder Magath "sucht Geld"


Schalkes Trainervorstand Felix Magath übt sich nach den jüngsten Krisenberichten in Gelassenheit. Geld gefunden hat er aber nicht, was ihm entsprechende Sorgen bereitet.
Von Andreas Morbach

Bei seiner Mission, als ultimativer Wunderknabe in die Annalen von Schalke 04 einzugehen, ist Felix Magath wieder einen Schritt vorangekommen. Die Frankfurter Eintracht war zum heutigen Ligaspiel in Gelsenkirchen noch gar nicht angereist, da hatte der Trainermanager des Revierklubs bereits drei Punkte geholt. Allerdings nur bei der Flensburger Verkehrssünderkartei. Statt der erlaubten 100 war Magath jüngst im Landkreis Uelzen mit 143 Stundenkilometern unterwegs - macht neben den drei Punkten einen Monat Führerscheinentzug und ein Bußgeld in Höhe von 320 Euro.

"Mache mir weiterhin große Sorgen"

Magath legte Einspruch ein, in vier Wochen wird verhandelt. Bis dahin gibt es garantiert auch wieder neue Details über die wirtschaftlichen Engpässe, in die sich Magaths aktueller Arbeitgeber hinein manövriert hat. Zuletzt berichtete die FTD, dass Peter Peters, nach der Entmachtung von S04-Präsident Josef Schnusenberg kurzerhand zum Finanzvorstand aufgestiegen, in Stephen Schechter einen mächtigen Kritiker gefunden habe. An den Londoner Investor hat Schalke Zuschauereinnahmen bis ins Jahr 2025 für 85 Mio. Euro verpfändet. Nachdem Schechter erfahren habe, dass drei der vier Sicherheitskonten leer seien, macht der Brite Druck - am Dienstag reiste er zum Krisengespräch nach Rheda-Wiedenbrück. Am Donnerstag teilte der Verein mit, die Konten der Anleihe seien derzeit allesamt gefüllt.

Auf Schalke löste das Wirbel aus - nur Magath reagierte gewohnt süffisant: "Ich muss mich für meine Verspätung entschuldigen", eröffnete der 56-Jährige die Pressekonferenz vor dem Frankfurt-Spiel und erklärte mit Leidensmiene: "Ich habe Geld gesucht, ist doch klar. Aber leider bin ich nicht fündig geworden. Deshalb mache ich mir weiterhin große Sorgen."

Umstrukturierung auf Schalke

Richtig Sorgen muss sich wohl vor allem Peters machen. Der Mann, der nach Schnusenbergs Degradierung neben Magath faktisch das einzig verbliebene Mitglied im S04-Vorstand ist, steht auf der Kippe. Denn Schechter ist ein einflussreicher Gegenspieler. Das räumte auch Magath ein, der zwar beteuert, der Verein lasse sich "nicht von außen steuern", zugleich aber ankündigte: "Die Umstrukturierung wird weitergehen. Es werden sicher noch Personen hinzukommen, die in unserem Klub verantwortungsvolle Positionen übernehmen."

Alles nur eine Frage der Zeit. "Man darf sich das hier ja nicht wie in einem normalen Wirtschaftsunternehmen vorstellen, wo man gewisse Dinge sofort in Angriff nehmen kann. Wir haben nebenher immer noch unseren Spielbetrieb", erklärte Magath und ächzte: "Ich bin ja hier nicht für alles zuständig." Die Übersetzung zum Fall Peters lieferte er gleich mit: "Das Thema ist fürs Erste erledigt: Es wird keinen zusätzlichen und auch keinen neuen Vorstand geben." Vielleicht ja einen verkleinerten - aber das sagte Magath nicht.

Gut Ding will beim überemotional geführten FC Schalke in dieser heiklen Situation eben Weile haben. Andererseits drängt die Zeit: Denn Geldsuchen ist aktuell die beliebteste Disziplin bei Königsblau - neben Geldsparen. Die Fachzeitschrift "RevierSport" berichtete am Donnerstag von acht zum Teil langjährigen Klubmitarbeitern aus Bereichen wie Rechtsabteilung oder Hausmeisterei, denen in dieser Woche gekündigt wurde. Maßnahmen, die wie ein Pflaster auf dem Rücken eines Blauwals anmuten.

Finanzfachkräfte gesucht

Vermutungen, Schalke 04 stünde kurz vor dem Bankrott, tat Magath am Donnerstag jedenfalls als "dummes Zeug" ab. Die finanzielle Situation sei "kontrolliert" - und auch sonst sei "alles im Fluss". Zum Beispiel bei der Suche nach fähigen Fachkräften. So wird als Mann für die wirtschaftliche Sanierung des Vereins zum Beispiel Albrecht Schade, einst Vorstandsmitglied der WGZ Bank, gehandelt.

Der Verein selbst nahm zu dem FTD-Bericht mit wenigen offiziellen Zeilen Stellung. "Die Finanzlage des FC Schalke 04 ist unverändert ein Thema in den Medien", stellte der Klub dabei fast beleidigt fest - und lieferte seine Sicht der Dinge. So seien die in dem "Artikel thematisierten Sicherheitskonten der Schechter-Anleihe vertragsgemäß gefüllt". Seit wann das so ist, ließ der Klub unerwähnt. Aus der Vergangenheit ist immerhin bekannt, dass unter anderem Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies dem Verein schon mit Krediten aus der Privatschatulle über so manches Finanzloch hinweggeholfen hat.

Diesen Text haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

Von Andreas Morbach

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