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Schalke-Keeper Manuel Neuer: "Wir sind besser vorbereitet als 2007"

Torhüter Manuel Neuer steht mit Schalke 04 mitten im Titelkampf der Bundesliga. Im Interview mit stern.de erläutert der Nationalspieler, warum er glaubt in dieser Saison besser auf den Meisterschaftsendspurt vorbereitet zu sein und warum Trainer Felix Magath so erfolgreich ist.

Manuel Neuer, in den letzten vier Spielen blieben Sie ohne Gegentor. Schalke spielt sehr minimalistisch. Hat Felix Magath heimlich wieder die Huub Stevens-Devise "die Null muss stehen" hervorgekramt?
Bei Huub Stevens stand ich noch als Fan in der Kurve, deswegen kenne ich seine taktischen Vorgaben nicht im Detail. Grundsätzlich ist es so, dass man ein gutes Abwehrverhalten der gesamten Elf schneller organisieren kann als ein kreatives und schlagkräftiges Offensivspiel. Wir haben aber schon Fortschritte gemacht und ich bin zuversichtlich, dass wir dank der Neuzugänge in der Winterpause auch in dieser Hinsicht zulegen werden.

Magath lässt regelmäßig mit Medizinbällen trainieren. Mit positivem Effekt: Den Feldspielern sieht man die antrainierte Fitness auf dem Rasen regelmäßig an. Wie wichtig ist auf diesem Top-Niveau die Fitness eines Torwarts?
Ich mache ja größtenteils das Programm der Feldspieler mit und eben auch die Einheiten mit den Medizinbällen... Eine gute physische Verfassung ist für einen Keeper die Basis, noch wichtiger ist für mich aber das torwartspezifische Training mit Bernd Dreher.

Vor der Winterpause hielten sich hartnäckige Wechselgerüchte um ihre Person. Große Vereine sollen angeklopft haben: Manchester United, Bayern München. Wie reagiert man, wenn Manchester United angeblich vor der Tür steht?
Man registriert solche Meldungen schon, aber ich habe davon eben auch nur in der Zeitung gelesen und hatte nie einen persönlichen Kontakt zu den Clubs.

Können Sie sich bei solchen Traumangeboten überhaupt noch vorstellen, längerfristig bei Schalke zu bleiben? Reicht wirklich ein Europa-League-Platz, damit Sie Schalke auch über die Saison hinaus die Treue halten?
Ich habe immer gesagt, dass es für mich wichtig ist, international zu spielen. Am liebsten würde ich das mit Schalke 04 tun.

Momentan stehen die Chancen auf einen Platz für das internationale Geschäft sehr gut. Aber was ist mit der Meisterschaft? Sehen Sie da Chancen? Mal ganz ehrlich: Geht einem bei diesem Thema als Spieler nicht doch ein bisschen die Flatter?
Welcher Druck dann auf einer Mannschaft lasten kann, haben wir ja selbst 2007 am eigenen Leib erfahren, als wir auf der Zielgeraden die Tabellenführung verspielt haben. Aus dieser Erfahrung sollten wir gelernt haben. Zudem hat sich seitdem die Besetzung der Mannschaft geändert und ebenso die Verantwortlichen. Ich glaube, dass wir bei der nächsten Chance besser vorbereitet sein werden.

Als Meistertorwart hätten Sie sicherlich auch gute Chancen auf einen Platz im WM-Tor…
Klar, der sportliche Erfolg mit dem Club ist für die eigenen Ambitionen in der Nationalmannschaft ein Faktor. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen dann aber auch die persönlichen Leistungen entsprechend sein.

Ihr Hauptkonkurrent bei der Nationalmannschaft, René Adler, wird für seine mentale Stärke gelobt. Arbeiten Sie eigentlich - so wie Adler - mit einem Mental-Trainer zusammen? Wie wichtig ist die Psyche für einen Torwart?
Nein, das tue ich nicht, aber es gibt eben nicht nur einen Weg zum Erfolg. Außerdem glaube ich, dass alle drei Torhüter der Nationalmannschaft mental stark sind.

Was können Sie besser als Adler und Tim Wiese?
Das möchte ich nicht beurteilen. Letztlich entscheidend ist die Bewertung des Bundestrainers.

Eine letzte Frage zum FC Schalke 04: Beschreiben Sie doch mal kurz das Erfolgsrezept von Felix Magath. Wie arbeitet er? Wie ist seine Ansprache?
Ich würde es so sagen: Er verbindet Erfahrung, Sachverstand und Autorität, er ist hart aber fair und seine Ansagen sind unmissverständlich.

Felix Haas und Klaus Bellstedt

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