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Torwart-Frage: "Natürlich nehmen wir Kahn mit "

Mit einem "Ja" zur neuen Nummer zwei hat Bundestorwarttrainer Andreas Köpke die T-Frage endgültig geklärt. Zuvor gab es Gerüchte, Oliver Kahn solle nicht nominiert werden.

Mit einer eindeutigen Ansage hat die sportliche Leitung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft allen Spekulationen die Grundlage entzogen, sie könnte auf Oliver Kahn bei der WM verzichten. "Warum sollte Jürgen Klinsmann ihn nicht nominieren?", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke einen Tag nach Kahns öffentlicher Annahme seiner neuen Rolle als Nummer zwei hinter dem zum WM-Schlussmann ernannten Arsenal-Keeper Jens Lehmann. "Natürlich nehmen wir Oliver Kahn mit zur WM. Es ist nie angedacht gewesen, Oliver ganz weg zu lassen", sagte Köpke und beendete damit die "T-Frage" endgültig.

Dem Lob von allen Seiten, das Kahn für seine vorbildliche Haltung nach der bitteren Niederlage im Torhüter-Duell mit Lehmann erhalten hatte, schloss sich auch die Nationalteam-Führung geschlossen an. "Oliver hat uns ein sehr positives Statement gegeben. Das finden wir absolut super", sagte Klinsmann in Kalifornien. Der Bundestrainer meldete sich auch persönlich bei Kahn. "Ich habe ihn gleich angerufen und ihm ein Riesenkompliment gemacht", berichtete Klinsmann.

Kahn als loyaler Bankdrücker

Kahns Aussagen in der Pressekonferenz am Montag in München haben auch den Bundestrainer und seine engsten Mitarbeiter beeindruckt und überrascht. Die Sorge, dass man im Falle eines Rücktrittes von Kahn aus der Nationalelf bei einer Verletzung von Lehmann vor oder während der WM ohne den zweiten deutschen Weltklassekeeper dastehen könnte, sind Klinsmann & Co. nun wieder los. "Wenn man mit den beiden besten Torhütern in das Turnier geht, ist man beruhigter", sagte Köpke.

Kahns frühzeitige und klare Entscheidung, als loyale Nummer zwei hinter Lehmann bei der WM im eigenen Land teilnehmen zu wollen, habe dringend benötigte Klarheit für alle Beteiligten geschaffen, meinte Bayern-Trainer Felix Magath. "Mit dieser Entscheidung hat Deutschland zwei Super-Torhüter bei der WM. Die schnelle Entscheidung hilft Oliver Kahn, dem FC Bayern und Jürgen Klinsmann."

Allerdings muss Kahn seinen Worten nun auch Taten folgen lassen, wie Köpke anmerkte. "Olli muss sich an seinen Äußerungen messen lassen", so der Torwartcoach. Auch Lehmann ist gespannt: "Wenn Oliver das so meint, wie er es sagt, finde ich das in Ordnung."

Keinen Praxistest

Einen schnellen Praxistest nach dem Rollenwechsel der beiden Rivalen wird es vor der WM-Nominierung (14. Mai) nicht geben. Denn weder Lehmann noch Kahn werden am 24. und 25. April am Fitnesstest der Nationalelf teilnehmen, wie Köpke bestätigte. Nur der WM-Torhüter Nummer 3, der Stuttgarter Timo Hildebrand, werde in Düsseldorf dabei sein. Lehmann ist zeitgleich mit Arsenal London im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Villareal beschäftigt. Und Kahn dürfte sich bei einem Pokal-Erfolg der Bayern am Mittwoch beim FC St. Pauli ungestört auf das Endspiel am 29. April vorbereiten.

Dass sich Kahn und Lehmann demnach erst wieder in der unmittelbaren WM-Vorbereitung begegnen werden, sei jedoch kein Problem, erklärte Klinsmann-Assistent Joachim Löw: "In Düsseldorf sind ohnehin keine Gespräche und Sitzungen angesetzt. Da kommen die Spieler in verschiedenen Gruppen zusammen und machen ihre Tests."

Nun ist Lehmann der Gejagte

Über Kahns Motive, sich als erster deutscher Torhüter überhaupt vier Jahre nach einer WM als Nummer 1 beim folgenden Turnier auf die Ersatzbank zu setzen, wird unterdessen eifrig spekuliert. So schlummert in Kahn sicherlich noch ein Fünkchen Hoffnung, doch noch zum Zuge zu kommen. "Wenn man mich braucht, bin ich da", kündigte er an. Ex-Nationaltorhüter Uli Stein, der bei der WM 1986 hinter Harald Schumacher die Nummer 2 war und vom damaligen Teamchef Franz Beckenbauer nach seinem "Suppenkasper"-Vorwurf vorzeitig aus Mexiko nach Hause geschickt worden war, brachte wirtschaftliche Gründe ins Spiel. "Vielleicht hat die Entscheidung auch mit Werbeverträgen zu tun", sagte Stein der "Süddeutschen Zeitung".

Franz Beckenbauer sieht den 84-maligen Nationaltorhüter Kahn jedenfalls nach seinem ersten öffentlichen Nummer-zwei-Auftritt am Montag "in der Beliebtheitsskala ganz nach oben gerutscht". Der Gejagte ist nunmehr Lehmann, der Kahns heißen Atem bei jedem Spiel und jedem Training im Nacken spüren wird, anders als das bei einem Aufstieg von Hildebrand zur Nummer 2 der Fall gewesen wäre. "Immer weitermachen" - Kahns Lebensmotto gilt weiterhin. "Ich denke, Oliver wird noch eine Schippe im Training drauflegen", mutmaßte auch Köpke.

Klaus Bergmann und Jens Mende/DPA / DPA

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