Trainerentlassungen Panik auf dem Elefantenfriedhof


Heynckes, Magath, Doll - Gladbach, Bayern, HSV. Plötzlich feuern Traditionsvereine nach zwei Spieltagen ihre hochgeschätzten Trainer. Mehr als eine Momentaufnahme? Die Nervosität bei den großen Vereinen wächst.
Von Nico Stankewitz

Elefantenfriedhöfe sind mystische Orte, jedes Kind hat die unheimliche Atmosphäre bei "Tarzan" oder "Daktari" aufgesogen. Die Fußball-Bundesliga gilt allgemein nicht gerade als mystischer, sondern als sehr profaner Ort, aber als am 31. Januar innerhalb von nur zehn Stunden gleich drei der größten Dickhäuter im Fußballgeschäft ihren Arbeitsplatz einbüßten, gewann der Beobachter neue Eindrücke von der Vergänglichkeit von mächtigen Figuren.

Um 13.30 Uhr verkündete das Präsidium von Borussia Mönchengladbach den Abschied von Heynckes, um 15.00 Uhr zog der FC Bayern mit der Entlassung Magaths nach, und um 23.41 Uhr teilte der HSV-Vorstand Thomas Doll mit, dass seine Dienste beim Bundesliga-Dino nicht mehr erwünscht sind. Drei legendäre Spieler, zumindest Heynckes und Magath mit einer Reihe von Titeln auch als Trainer bemerkenswerte Figuren in der Bundesliga.

Panik in der Bundesliga: Bayern zog nervös die Reißleine, um dem drohenden Verlust der Einnahmen aus der Champions League vorzubeugen. Bei Gladbach und dem HSV ist es die nackte Existenzangst, die Vorstände antreibt. Gravierende Fehler machten jeweils auch die Vereinsführungen, alle jetzt vorliegenden Missstände waren auch schon vor sechs Wochen erkennbar, wurden aber verkannt und verniedlicht. Interessant aber, das die jetzt gefallenen grauen Riesen vor einigen Monaten als unantastbar galten, Magath und Doll mit großen Erfolgen, Heynckes mit riesigen Vorschusslorbeeren. Vor der Saison auf diese drei Entlassungen zu wetten, hätte viel Geld eingebracht.

Don Jupp machte den Anfang

"Don Jupp", wie der späte Josef Heynckes aufgrund seiner Jahre in Spanien gerne spöttisch genannt wurde, beschließt nun wohl eine höchst wechselhafte Trainerkarriere mit einer erneut verpatzten Station, ausgerechnet seinem Lieblingsverein am Niederrhein.

Nach dem schnellen Start seiner Trainerlaufbahn bei der Borussia hatte Heynckes den Verein zu einem stabilen Uefa-Cup-Teilnehmer geformt, bevor er selber bei den Bayern höhere Ziele ins Visier nahm. Mit überzogenen Ankündigungen ("Ich verspreche euch den Europacup") legte er die Latte allerdings sehr hoch, weshalb sein Abgang den Münchner Traditionsclub 1992 auch in die schwerste Krise der vergangenen 25 Jahre stürzte.

Danach wechselten sich Katastrophen wie der unrühmliche Abgang in Frankfurt - nachdem er den Verein zuvor durch die Rauswürfe von Yeboah und Gaudino nachhaltig geschwächt hatte - und Triumphe wie der Champions-League-Titel mit Real Madrid 1998 regelmäßig ab. Vor dem vollkommen missglückten Engagement in Gladbach war Heynckes auch bei Schalke gescheitert.

"Saddam", "Quälix" oder doch weicher als gedacht?

Die rigiden Trainingsmethoden von Felix Magath sind Legende, aber ebenso wie Heynckes brachte auch Magath große Vorschusslorbeeren als Spieler mit in die zweite Karriere. Mit dem "goldenen Tor" im Finale von Athen schoss er 1983 den HSV zum Sieg im Europapokal der Landesmeister, bis heute der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Sein Start als Trainer war holprig, nach recht missglückten Anläufen beim HSV, in Bremen und in Frankfurt gelang es ihm erst beim finanziell geschwächten VfB Stuttgart den Respekt der Branche zu erlangen. Prompt folgte ein Angebot des FC Bayern, die Medizinbälle beim Training hatten auch Herrn Beckenbauer gefallen. Den Nachweis, einer der ganz großen seiner Branche zu sein, blieb Magath auch auf der nationalen Siegerstraße zwar schuldig, aber ob diese Bayern-Mannschaft auch "der Busfahrer" (so der Fanspott) hätte trainieren können, scheint angesichts der jüngsten Leistungen zumindest fraglich.

Magath war längst nicht mehr der harte Hund, diese Rolle schien der sensible Antialkoholiker ohnehin nur vorgeschoben zu haben. Nach zwei Jahren beim FCB hatte Felix an Selbstbewusstsein gewonnen, schien aber andererseits häufig teilnahmslos und desinteressiert. Kritik ließ er nicht mehr gelten ("Taktik ist etwas für schlechte Spieler"), setzte aber auch nicht mehr auf die knallharte körperliche Arbeit früherer Jahre. Fast zwangsläufig dann das Scheitern des Schleifers - Magath hatte seine Linie eingebüßt.

Kuschelcoach als Auslaufmodell

Bei Thomas Doll ist die Trainerkarriere noch sehr kurz, seine erfolgreiche Laufbahn als einer der besten DDR-Spieler überhaupt machte ihn aber bereits zum Berufsstart zu einem vielgeliebten Topstar. Beim Stasi-Club Dynamo Ost-Berlin war Doll das technisch perfekte Aushängeschild des Sozialismus, nach der Wende brillierte er ein Jahr beim HSV, der ihn dann für damals großes Geld an Lazio Rom verkaufte. Auch dort setzte Doll sich durch, war zweifellos einer der besten deutschen Mittelfeldspieler in der ersten Hälfte der neunziger Jahre. Viele Verletzungen zwangen ihn früh dazu kürzer zu treten bei seiner ersten Weststation HSV schaffte er dann den gleitenden Übergang ins Trainergeschäft.

Nach gut zwei Jahren hat der jüngste der drei Elefanten nun die Segel streichen müssen, ein Trainer, der auf längere Sicht zu nahe an der Mannschaft war, um den satten Profis aus aller Herren Länder Beine zu machen. Doll war ein guter Trainer für ein homogenes Mannschaftsgebilde, das mit Barbarez und van Buyten zwei unbestrittene Führungsspieler hatte. Die Fähigkeit, aus dem diffusen HSV dieser Saison eine Mannschaft zu formen, fehlt dem unerfahrenen Trainer noch.


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