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Beinahe-Abstieg Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe – wenn Werder nicht die richtigen Schlüsse zieht

Sehen Sie im Video: Werder feiert Klassenerhalt und Pizarro – doch die Bundesligafans erzürnt eine Bratpfanne.


Werder Bremen bleibt erstklassig.


Die Norddeutschen holen in einem dramatischen Relegationsrückspiel ein 2:2 in Heidenheim – und setzen sich aufgrund der Auswärtstorregel gegen den Zweitligisten durch.


Für Werder-Trainer Kohfeldt findet damit eine "Scheiß Saison, ein gutes Ende".


Viele Fans sehen das ähnlich ...


Im Netz sorgt auch die akustische Unterstützung der Heidenheimer für Diskussionen.


Werder-Legende Claudio Pizarro muss sich nicht als Absteiger verabschieden – und wird gebührend gefeiert.


Wie lange die Bremer Spieler die Nacht zum Tag machten, ist nicht überliefert.
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Werder Bremen ist nur äußerst knapp dem Abstieg entronnen. Die Leistung in den Relegationsspielen waren ein Spiegelbild einer komplett missratenen Saison. Reagiert der Verein jetzt nicht richtig, bleibt der Abstiegskampf ein Dauerthema.

Was Abstiegskampf und Relegationspiele mit einem Trainer anstellen, ließ sich nach dem knappen Klassenerhalt in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim gut beobachten. Florian Kohfeldt, Trainer von Werder Bremen, stand sichtlich angegriffen und vollkommen erschöpft mit Sicherheitsabstand vor dem Mikrofon und sollte Auskunft über seine Gefühle geben. "Ich bin einfach nur froh und glücklich, dass wir es geschafft haben. Wir waren so oft tot. Scheiß Saison, gutes Ende", sagte er. Aber auch: "Es kann kein 'Weiter so' geben und es wird kein 'Weiter so' geben, das ist vollkommen klar."

Am Ende einer völlig missratenen Saison haben die Bremer zwar den Kopf aus der Schlinge gezogen. Aber damit verschwinden die Probleme nicht wie von Geisterhand. Im Gegenteil: Sie werden fortbestehen, wenn die Bremer nicht die richtigen Schlüsse ziehen. Deshalb hat Kohfeldt recht, dass es ein "Weiter so" nicht geben kann. Die Werder-Bosse, die das letzte Drama der Saison auf der Tribüne durchlitten, wissen das ebenfalls. Präsident Hubertus Hess-Grunewald, Aufsichtsratschef Marco Bode oder Manager Frank Baumann atmeten nach dem aufwühlenden Schlussminuten ganz tief durch, von ausgelassener Freude aber keine Spur. Der Abstieg wäre vor allem eine finanzielle Katastrophe geworden mit unabsehbaren Folgen für die sportliche Entwicklung. Das schlimmste Szenario tritt zumindest in dieser Saison nicht ein.

Werder Bremen hat kaum finanzielle Ressourcen

Doch wenn Bremen in der nächsten Saison nicht erneut einen so aufreibenden Abstiegskampf erleben will, müssen sie viele Frage beantworten: Wie konnte es überhaupt zu dieser desolaten Spielzeit kommen? Warum gab es zu Beginn so viele Verletzte? Wieso wirkte die Mannschaft alles andere als fit? Und weshalb hinkten fast alle Neuzugänge den Ansprüchen hinterher? Lag es am Trainer oder waren die Transfers nicht gut?

Das grundsätzliche Problem ist und bleibt das liebe Geld. Es gibt nicht nur wegen der Coronakrise kaum finanzielle Ressourcen, um die Fehler in der Kaderplanung umfassend zu korrigieren. Durch den Klassenverbleib greifen die millionenschweren Kaufverpflichtungen für Ömer Toprak oder Leonardo Bittencourt, für die Werder rund elf Millionen berappen muss. Das Geld ist also schon gebunden und lässt den Spielraum schrumpfen, auch wenn der Verkauf von Milot Rashica zusätzliches Geld in die Kassen spülen wird. Es wird weitere Transfers geben müssen. Flops wie die Verpflichtung von David Selke sollten nicht dazu gehören, lieber schon erfolgreiche Coups wie die Ausleihe von Kevin Vogt, dessen Zukunft offen ist. Das ist die große Herausforderung.

Vollmundige Ansagen wird es nicht mehr geben - so viel ist sicher

Doch die wichtigste Frage lautet: Wie geht es mit Kohfeldt weiter? Welchen Anteil hat der eloquente Trainer an der Misere? In Bremen hat man stets betont, dass man mit Kohfeldt sogar in der 2. Liga weitergemacht hätte. Der selbst ließ seine Zukunft offen. "Wir werden nichts am Zeitplan ändern. Wir werden uns die nächsten Tage zusammensetzen und besprechen, was das Beste für Werder ist." Bis zum Ende dieser Woche wollen Geschäftsführung und Aufsichtsrat mit Kohfeldt darüber beraten, ob man die Zusammenarbeit fortsetzt. Vermutlich werden sie den gemeinsamen Weg weiter gehen, sonst würde alle Beteiligten ihre bisherigen Aussagen ad Absurdum führen.

Eines ist aber sicher: Mit Beginn der neuen Saison im September wird es keine vollmundigen Ansagen geben wie vor einem Jahr, als die Bremer sich die internationalen Plätze zutrauten - eine groteske Fehleinschätzung, die fast in einem Desaster geendet hätte. Diesmal wäre eine realistische Einschätzung besser. Und die lautet: Die 2. Liga ist näher als Europa.


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