HOME

TSG 1899 Hoffenheim: Ein Dorfclub greift an

Hoffenheim ist mit dem Sieg über Cottbus fulminant in die Fußball-Bundesliga gestartet. Aber der Erfolg des Aufsteigers und die finanziellen Mittel durch Mäzen Dietmar Hopp rufen immer wieder Kritiker auf den Plan, die eines außer Acht lassen: In diesem Dorf wird hochprofessionell am Fußball der Zukunft gearbeitet.

Nach dem gelungenen Debüt und dem überraschenden Sturm an die Tabellenspitze der deutschen Eliteliga machte sich beim "Dorfclub" 1899 Hoffenheim viel Stolz, aber auch eine Menge Ärger breit. Chefcoach Ralf Rangnick, der 32 Monate nach seinem Abschied vom FC Schalke 04 mit dem verdienten 3:0 seiner TSG bei Energie Cottbus wieder einen Erstliga-Sieg feiern konnte, fühlte sich und seinen Club einmal mehr in eine unberechtigte Geld- und Neid-Debatte verwickelt. "Unser Etat ist genauso groß wie der von Cottbus", verkündete der Hoffenheim-Coach und reagierte damit unaufgefordert auf Berichte in Lausitzer Medien, die vor dem ersten Duell der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga größere wirtschaftliche Vorteile für den Aufsteiger herausgestellt hatten.

"Das ist immer wieder schade", bemerkte Rangnick. Einige hätten wohl noch nicht so richtig registriert, dass es sich in Hoffenheim um eine "in Deutschland einmalige Sache handelt". Unbestritten hat Mäzen Dietmar Hopp, der gerade für 60 Millionen Euro in Sinsheim eine erstligataugliche Arena bauen lässt, großen Anteil am ungewöhnlichen Weg von 1899. Doch das sei eben nur ein Teil der Wahrheit, unterstrichen die TSG-Verantwortlichen nach den Toren von Vedad Ibisevic (16., 76. Minute) und Demba Ba (54.).

Rangnick: Wollen die Bundesliga bereichern

Seit Jahren arbeitet man in Hoffenheim mit Fachkräften wie Sportdirektor Bernhard Peters, Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann und eben Rangnick an der Umsetzung einer Philosophie vom modernen Fußball. Kürzlich gab es mit dem deutschen Meistertitel für die B-Jugend eine weitere Bestätigung für das Modell Hopp, das weit über den Profifußball hinaus geht. "Wir wollen die Bundesliga bereichern", betonte Rangnick.

Im Premierenspiel gelang das auf Anhieb: Das im Durchschnitt nur 23 Jahre alte Team gab den erfahrenen Cottbusern (Schnitt 28,7) vor 18 370 Fans gleich eine fußballerische Lehrstunde. "Wir haben hochkonzentriert gespielt, als Team gearbeitet und die taktischen Vorgaben erfüllt", sagte Abwehrmann Marvin Compper, der zu den wenigen TSG-Akteuren mit Bundesliga-Erfahrung gehört. Dass sich die Hoffenheimer eine Auswahl von Stars zusammengekauft haben, kann man trotz des jüngsten Einkaufs von Wellington (4,5 Mio/verletzt) nicht behaupten: Den Brasilianer sowie seine 21-jährigen Landsleute Carlos Eduardo und Luiz Gustavo kannte bis dato kaum jemand.

Cottbus' Niederlage keine Frage des Etats

TSG-Manager Jan Schindelmeiser rückte anschließend die Etat-Aussage von Rangnick ein Stück gerade. Eine Summe von 23 Millionen, die Cottbus als Gesamtetat für die Saison 2008/09 zur Verfügung hat, sei zu vergleichen mit dem Personaletat der eigenen Fußball-Spielbetriebs-GmbH. Insgesamt ordnete Schindelmeiser die finanziellen Aufwendungen seines Club irgendwo "im eher unteren Mittelfeld" der Bundesliga ein, der FC Energie steht unten. Als Erklärung für die schwache Leistung der Cottbuser konnte das aber nicht herhalten. "Das war arrogant und überheblich. Wir wollten gegen den Aufsteiger mal so locker spielen", fasste Energie-Torwart Gerhard Tremmel die Fehlleistung "aller" Cottbuser zusammen: "Wir müssen schnell zu unseren Tugenden finden."

Dass nach Cottbus noch andere Erstliga-Clubs die technischen und taktischen Fähigkeiten des Aufsteigers aus dem 3300-Einwohner-Ort Hoffenheim kennenlernen werden, war für Energie kein Trost. Doch überbewerten wollte Rangnick den Spitzenplatz auch nicht: "Wir stehen dort nur, weil H wie Hoffenheim vor S wie Schalke kommt."

Jens Mende/DPA / DPA

Wissenscommunity