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Uefa-Cup: Lehmann hält sich alle Türen offen

Auch vor dem entscheidenden Uefa-Cup-Spiel gegen Standard Lüttich nichts Neues in Sachen Jens Lehmann: Der ehemalige Nationalkeeper zögert weiter mit seiner Vertragsverlängerung beim VfB Stuttgart. Die sportlichen Perspektiven müssten stimmen - dafür kann seine Mannschaft gegen Lüttich sorgen.

Die VfB-Verantwortlichen wollen den Top-Torhüter mit allen Mitteln halten, aber der Wunschkandidat ziert sich und zögert die Entscheidung weiter hinaus. "Falls ich weitermache, will ich nochmals auf höchstem Niveau spielen. Ich mache meinen Entschluss auch von der sportlichen Entwicklung in Stuttgart ab", sagte Jens Lehmann vor dem über den Einzug in die K.o.-Runde entscheidenden UEFA-Cup-Gruppenfinale des schwäbischen Fußball-Bundesligisten gegen Standard Lüttich. "Stand heute würde ich bleiben. Aber das kann sich morgen schon wieder ändern."

Lehmann weiß, dass er im Vertragspoker mit dem VfB die besseren Karten hat. Die Schwaben setzen alles daran, dem souveränen Keeper eine weitere Saison in Stuttgart schmackhaft zu machen.

Teamchef Markus Babbel schmeichelte dem 39 Jahre alten Ex-Nationalspieler: "Jens ist für mich der beste deutsche Torwart. Ich hoffe natürlich, dass er bleibt." Sportdirektor Horst Heldt, der die Verlängerung des Kontraktes perfekt machen will, wird bestimmten Sonderwünschen des eigenwilligen Profis wohl oder übel nachgeben müssen.

So ist jetzt schon klar, dass die ursprünglich auf den 9. Januar festgelegte Erklärungsfrist hinfällig ist. Nicht der VfB, sondern Lehmann bestimmt das Verhandlungstempo. "Es besteht kein Zeitdruck. Wir lassen uns Spielraum", betonte Heldt, der diese Top-Personalie am liebsten noch vor der Weihnachten vom Tisch gehabt hätte.

"Wir setzen uns nach der Winterpause zusammen und besprechen alles." Der Manager räumt ein, dass "in der Tat alles möglich" und die Lage schwer einzuschätzen sei. "Es ist aber keine Geldfrage", versicherte Heldt, dass es Lehmann primär ums Sportliche, Persönliche und Private gehe. "Es hängt davon ab, ob Jens weiter Lust hat."

Der dreifache Familienvater Lehmann weist immer wieder darauf hin, dass ihm das Pendeln zwischen dem Starnberger See und Stuttgart lästig ist. Um Zeit zu sparen, flog er daher nach Spielen auch schon mit dem Helikopter heim, was ihm prompt als "affig" und überheblich ausgelegt wurde. Babbel beurteilt die Fliegerei seines Führungsspielers eher belustigt. "Vielleicht wäre ein Charterservice vom Verein eine Möglichkeit, ihn zu locken."

Noch mehr als persönlicher Komfort zählen für den überaus ehrgeizigen Routinier sportlicher Erfolg und Perspektiven. Unter Babbel hat der VfB offensichtlich die Trendwende geschafft, auch wenn ein Vorstoß in die Champions-League-Region angesichts des großen Punkte-Rückstands und der Dominanz der Liga-Konkurrenz kaum noch realisierbar scheint. Aber die erneute UEFA-Cup-Qualifikation dürfte bei einer erfolgreichen Rückrunde machbar sein. Damit könnte auch der WM-Dritte von 2006, deutsche und englische Meister sowie UEFA-Cup- Sieger - um nur einige Erfolge Lehmanns aufzulisten - leben.

"Ich muss eine Perspektive haben", nannte der Schlussmann als Grundvoraussetzung für einen Verbleib in Stuttgart. Die Stadt gefällt ihm ja "sehr gut": "Die Atmosphäre ist angenehm, die Leute sind sehr nett", bescheinigte Lehmann der Schwaben-Metropole Lebensqualität.

DPA / DPA

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