HOME

Uli Hoeneß: Das andere Gesicht des FC Bayern

Im knallharten Profi-Geschäft hat ausgerechnet das Wirtschafts-Unternehmen FC Bayern eine soziale Seite bewahrt, die der breiten Öffentlichkeit oft verborgen bleibt.

Es ist das andere Gesicht des FC Bayern München, die menschliche Seite der "Abteilung Attacke": Als Sebastian Deisler Hilfe brauchte, war Uli Hoeneß zur Stelle. Mehmet Scholl erhielt ein neues Vertragsangebot kurz nach seiner Operation und Samuel Kuffour nach dem tragischen Tod seiner kleinen Tochter so viel Unterstützung wie möglich. Im knallharten Profi-Geschäft hat ausgerechnet das Wirtschafts-Unternehmen FC Bayern eine soziale Seite bewahrt, die der breiten Öffentlichkeit oft verborgen bleibt. "Ich bin immer ein harter Gesprächspartner. Aber die Jungs wissen, dass sie sich auf mich verlassen können", sagte Hoeneß vor dem Champions-League-Spiel in Glasgow.

Das soziale Gewissen des FC Bayern

"Ich habe den FC Bayern immer als einen Verein gesehen, den ich führe wie meine eigene Company, wo die soziale Komponente an erster Stelle steht", meinte der Manager, den Außenstehende manchmal anders erleben. "Ich muss ehrlich sagen, mir würde der Job keinen Spaß machen, wenn ich anders handeln würde."

Einsatz für Deisler

Deisler, der derzeit in einer Münchner Klinik wegen Depressionen behandelt wird, hatte nach einem Telefonat mit Hoeneß umgehend Besuch vom Manager und von Trainer Ottmar Hitzfeld bekommen. "Als Ottmar und ich bei ihm zu Hause waren, war klar, dass wir die Dinge in die Hand nehmen mussten", erklärte Hoeneß, der sich danach auch um die Öffentlichkeitsarbeit kümmerte: "Wir hatten das Gefühl, wenn ein junger Mann regenerieren soll, muss er weg von Spekulationen sein."

"Viel Menschlichkeit"

Scholl, der sich nach vielen Verletzungen nun für längere Zeit von einer Bandscheibenoperation erholt, erhielt noch im Krankenhaus einen Anruf von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit dem Angebot zur Vertragsverlängerung. "Mehmet hat unser Signal. Und wir kennen uns lange genug, dass wir unser Wort halten", meinte Hoeneß. Die Bayern gehen davon aus, "dass wir in der Winterpause in aller Ruhe diese Verlängerung über die Bühne kriegen". Scholl hat sich bisher öffentlich zu der Offerte nicht geäußert, doch vor einigen Wochen hatte er einmal gesagt: "So viel Menschlichkeit wie beim FC Bayern findet man anderswo im Profi-Fußball nicht."

Flugzeug für Kouffour

Für Kuffour organisierte der Verein im Januar eine teure Privatmaschine, damit der Spieler nach dem Tod seiner Tochter schnell nach Ghana fliegen konnte. Das Flugzeug stand vier Tage vor Ort. "Bis die Familie in der Lage war zu reisen", so Hoeneß. Dem früheren Amateurtrainer Udo Bassemir zahlte Bayern das Gehalt weiter, obwohl der Vertrag auslief. Der an Krebs erkrankte Trainer wurde dank einer groß angelegten Suche nach einem Knochenmarkspender gerettet. "Das war klasse, das werde ich nie vergessen", sagte Bassemir. Er arbeitet heute im Talentförderungs-Programm des Clubs.

Gemeinsamer Kampf gegen Müllers Alkoholsucht

Aus der Vergangenheit sind ebenfalls prominente Fälle der Bayern-Hilfe bekannt. An dem Abend, an dem Dietmar Hamann mit Verdacht auf Schlaganfall ins Krankenhaus kam, hielt Hoeneß gerade einen Vortrag in Ottobrunn bei München. Der Manager erhielt die Nachricht von seiner Frau, brach den Vortrag ab und eilte zu seinem Spieler in die Klinik. Gerd Müller, 1974 zusammen mit Hoeneß und Franz Beckenbauer Weltmeister, überwand mit Hilfe der Ex-Kollegen seine Alkoholkrankheit und arbeitet heute als Bayern-Jugendtrainer.

Hoeneß, der 1979 mit 27 Jahren Manager wurde, versucht seine Erfahrungen aus der eigenen Spieler-Karriere im aktuellen Job umzusetzen. "Ich habe natürlich viele Dinge erlebt in meiner aktiven Zeit, wie ich sie nicht machen will." Er sei keiner, "der nach oben buckelt und nach unten tritt". Nach außen zeigt der 51-Jährige aber zuweilen die harte Seite, die ihn in den Augen vor allem gegnerischer Fans zum Feindbild im deutschen Fußball macht. Hoeneß: "Ich muss natürlich den FC Bayern nach außen hin stark verteidigen, weil es ja viele Leute gibt, die sehr unsachlich mit ihm umgehen und versuchen, den Verein als einen arroganten, kalten, mit Scheckheft wedelnden Club darzustellen, was ja überhaupt nicht der Fall ist."

Andrea Wimmer, dpa / DPA

Wissenscommunity