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Uli Hoeneß und der FC Bayern: Tränen lügen doch

Steuerhinterzieher Uli Hoeneß vergießt öffentlich Tränen, pocht aber auch auf eine zweite Chance für sich. Dass der FC Bayern seinen Präsidenten bedingungslos trägt, schadet dem Verein selbst.

Ein Kommentar von Dieter Hoß

Hauptversammlung des FC Bayern: Die Tränen des Uli Hoeneß

Mia san mia". Das Credo des FC Bayern drückt ungebremstes Selbstbewusstsein und großen Zusammenhalt aus. Beides ist absolut angebracht. Seit dem Bundesliga-Aufstieg in den siebziger Jahren hat sich der Münchner Vorzeigeclub bekanntlich zum erfolgreichsten Verein Deutschlands und zu einer Top-Adresse in ganz Europa entwickelt. Gleichzeitig ist eine Vereinskultur entstanden, die da sagt: Wir vergessen niemanden! Tatsächlich kümmert sich der FC Bayern auch um Ehemalige, die entweder ihr Leben nicht in den Griff bekamen oder auf die schiefe Bahn gerieten. Zuletzt wurde das im Fall des brasilianischen Verteidigers Breno deutlich. An all dem hat Uli Hoeneß unbestritten den größten Anteil - als Aktiver, vor allem als Manager und auch heute als Präsident.

"Mia san mia" kann aber auch Abschottung bedeuten, ein völliges Ausblenden der Außenwelt. Und diese Kehrseite des Vereinscredos, diese Fratze, wurde auf der Jahreshauptversammlung sichtbar. Die Hoeneß-Show gipfelte im Angebot einer Vertrauensfrage: "Ich möchte Ihnen das Recht geben, zu sagen, zu entscheiden, ob ich noch der richtige Präsident für diesen Verein bin." Wie bitte? Der Mann, der sich laut eigener Anzeige massiver Steuervergehen schuldig gemacht hat, der Demut zeigen und sich bei den Mitgliedern des Vereins entschuldigen müsste, dieser Mann räumt das Recht ein, über seine Zukunft als Vereinspräsident entscheiden zu lassen? Und das auch noch - wohlgemerkt - "nach dem Prozess"! Also offenbar unabhängig davon, ob er verurteilt wird oder nicht. Da haben sich ganz offensichtlich Maßstäbe verschoben. Dem Mann droht Gefängnis!

Das Recht, Hoeneß vom Hof zu jagen, haben die Mitglieder also längst. Dass sie es - ebenso wie der Aufsichtsrat des Vereins - nicht schon ausgeübt haben, mag man noch der positiven Seite des "Mia san mia" zurechnen. Dass die Versammlung aber einen Uli Hoeneß bejubelt und feiert, der nach kurzem Innehalten ganz unverfroren verspricht, wieder so zu sein, "wie er immer war", wenn man ihn nur lässt, spricht nicht für den Verein und seine Mitglieder. Ebenso wenig wie der Umstand, dass die Lobrede auf Hoeneß ausgerechnet von einem Mann gehalten wurde, der ebenfalls mit dem Gesetz in Konflikt geraten und seit Kurzem vorbestraft ist: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG.

Wirklich weiter so?

Der große FC Bayern wird sich überlegen müssen, ob er sich auch künftig von Männern dieses Schlages führen lassen will. Es geht nicht darum, einmal straffällig gewordenen Menschen keine neue Chancen geben zu wollen. Aber andererseits bedeutet Verantwortung zu übernehmen auch mehr, als Gesetzverstöße schlicht als "Fehler" einzugestehen, um dann im Wesentlichen so weiterzumachen wie zuvor. Es beinhaltet, Demut zu zeigen und Konsequenzen zu ziehen. Erst dann, keinen Deut früher, wäre ein Uli Hoeneß wieder soweit, von einer Vereinsversammlung so gefeiert zu werden, wie das nun geschehen ist.

"Mia san mia", haben die Bayern am Mittwochabend viel zu laut gerufen. Bis auf weiteres klingt das schal und falsch.

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