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Europa League "Mit Bier beworfen und beleidigt": Polizei ermittelt wegen antisemitischer Vorfälle gegen Union-Fans

Fans von Union Berlin beim Europa-League-Spiel gegen Maccabi Haifa im Olympiastadion
Fans von Union Berlin beim Europa-League-Spiel gegen Maccabi Haifa: Während der Partie im Berliner Olympiastadion soll es antisemitische Vorfälle gegeben haben.
© Andreas Gora / DPA
Sportlich war der Europa-League-Auftritt von Union Berlin gegen Maccabi Haifa ein Erfolg. Doch auf den Zuschauerrängen soll es nicht so rühmlich zugegangen sein. Mittlerweile hat die Polizei Ermittungen eingeleitet.

Beim Europapokalspiel in der Conference League zwischen dem 1. FC Union Berlin und Maccabi Haifa soll es zu antisemitischen Aktionen von Anhängern des Fußball-Bundesligisten gekommen sein. "Im gemischten Block wurden wir von Union-Fans bedroht, mit Bier beworfen und u.a. als 'scheiß Juden' beleidigt", beklagte sich das Junge Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft am späten Donnerstagabend auf Twitter. Ein Union-Fan habe versucht, eine Israelfahne einer Zuschauerin anzuzünden. Dies sei durch das Einschreiten von Zivilpolizisten verhindert worden.

Zugleich sprachen sich dem Jungen Forum zufolge andere Berliner Fans gegen das antisemitische Verhalten aus: "Vielen Dank für die Welle der Solidarität online und an die Union-Fans, die sich im Stadion mit uns solidarisiert haben! Der Großteil der Unioner hat Maccabi freundschaftlich empfangen und mit ihnen den Fußball gefeiert", twitterte die Plattform für Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Alter zwischen 14 und 35 Jahren am Freitagvormittag. Konsequenzen forderte die Organisation dennoch: "Wir erwarten aber auch, dass gegen #Antisemitismus im Stadion konsequent vorgegangen wird, damit dies auch weiterhin möglich ist. Für diskriminierungsfreien Fußball!"

Ermittlungsverfahren gegen Union-Fans eingeleitet

Mittlerweile hat der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes in drei Fällen gegen mehrere noch unbekannte Personen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet. Gegen einen noch nicht identifizierten Tatverdächtigen wird wegen Inbrandsetzens einer Handfahne und Beschädigung einer ausländischen Flagge ermittelt. Der Mann konnte sich einer Festnahme entziehen, nachdem er beobachtet von einem Zivilbeamten versucht hatte, eine israelische Fahne eines Haifa-Fans anzuzünden.

Einem weiteren Mann wurde vorläufig die Freiheit entzogen, nachdem er nach dem 3:0-Sieg von Union mehrfach "Sieg Heil" gerufen hatte. Er muss sich nun wegen "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten", teilte die Polizei mit. Insgesamt waren 470 Polizisten bei der Partie im Einsatz.

Union Berlin hatte auf die Vorwürfe noch am Donnerstagabend ebenfalls via Twitter reagiert und die umgehende Nennung von Block- und Sitzplatznummern zur Identifizierung der betreffenden Zuschauer gefordert. Am Freitagnachmittag erklärte der Verein in einer Pressemitteilung: "Dieses Verhalten ist beschämend und nicht tolerierbar. Wir bitten die Betroffenen um Entschuldigung." Man werde die bereits laufenden Ermittlungen der Polizei "mit allen uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen" unterstützen, versicherte Union-Präsident Dirk Zingler. "Antisemitismus ist leider in unserer Gesellschaft nach wie vor vorhanden, deshalb zeigt er sich auch im Stadion. Diskriminierung werden wir in unseren Reihen jedoch nie dulden. Es gilt wachsam zu bleiben und unermüdlich dagegen anzugehen."

Das Gastspiel von Maccabi Haifa war der erste Auftritt einer israelischen Fußball-Mannschaft in dem von den Nationalsozialisten erbauten Berliner Olympiastadion. Union Berlin darf wegen Uefa-Regularien zu Zuschauerkapazitäten seine Heimspiele nicht im eigenen Stadion an der Alten Försterei im Stadtteil Köpenick bestreiten.

Maccabi Haifa äußerte sich zu den Vorwürfen noch nicht, lobte aber die generell friedliche Atmosphäre. "Vielen Dank für die tolle Gastfreundschaft. Es war ein aufregendes Spiel vor eurem und auch vor unserem Publikum und auch in diesem Stadion, das seine Bedeutung hat. Vielen Dank und auf ein Wiedersehen in Israel", twitterte der israelische Meister.

Während der Partie herrschte unter den 23.324 Zuschauern eine überwiegend euphorische Stimmung. Rund 1000 Haifa-Fans feuerten ihr Team ebenso leidenschaftlich an, wie die Union-Fans ihre Mannschaft. Am Spieltag hatte eine hochrangige Delegation der Eisernen die Gäste aus Israel im eigenen Stadion empfangen. Am Mittwoch hatten Vertreter von Maccabi Haifa das Holocaust-Mahnmal in Berlin besucht und einen Kranz niedergelegt.

"Judenfeindlichkeit im Fußball noch immer verbreitet"

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich bestürzt über die judenfeindlichen Ausfälle der Fußballfans. "Die antisemitischen Vorfälle" zeigten, "dass Judenfeindlichkeit im Fußball noch immer verbreitet ist", sagte Klein den Zeitungen der Funke-Mediengruppe laut Mitteilung vom Freitag. Zum ersten Mal habe ein israelisches Profifußballteam im von den Nazis erbauten Olympiastadion gespielt. Er sei "bestürzt, dass von deutschen Fans gerade an diesem historisch belasteten Ort statt Fairness und Respekt Hass und Gewalt ausgingen", sagte Klein.

Umso mehr begrüße er, dass der 1. FC Union den Vorfällen nachgehen wolle. Er hoffe aber auch, dass die Taten strafrechtlich geahndet würden. "Dass es auch Berliner Fans gab, die gegen das antisemitische Verhalten im Stadion aufgestanden sind, macht Mut", sagte Klein. Sie sollten allen anderen "ein Vorbild sein".

mad DPA

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