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Verschenkter Sieg gegen Neapel: Bayern scheitern an sich selbst

Zahlreiche gelbe Karten und vergebene Torchancen: Die Bayern sind im Champions-League-Spiel beim SSC Neapel nicht über ein Remis hinausgekommen - auch weil sie einen Elfmeter kläglich vergaben.

Von Tim Schulze

Siegesgewiss und voller Selbstbewusstsein waren die Bayern zum Champions-League-Spiel nach Neapel gekommen, ernüchtert und mit nur einem Punkt im Gepäck reisten sie wieder ab. In der Stadt am Fuß des Vesuv, wo sie diesem Duell entgegen gefiebert hatten, reichte es für den deutschen Rekordmeister nur zu einem enttäuschenden 1:1 in einer Partie, in dem die Bayern ungewohnt fahrlässig und unkonzentriert wirkten. Den Italienern gelang zwar während der 90 Minuten so gut wie kein Torschuss, auf der Gegenseite ließen die Münchner nach der Blitzführung durch Toni Kroos (2.) allerdings viele Chance ungenutzt. Nach Neapels Ausgleich (39.) durch ein Eigentor von Holger Badstuber vergab Mario Gomez kurz nach Wiederanpfiff die größte Chance, als er mit einem Elfmeter kläglich scheiterte. Dennoch führen die Bayern die Gruppe A weiter mit sieben Punkten und zwei Zählern Vorsprung vor den Italienern an.

Vor der Partie hatte Mastermind Bastian Schweinsteiger die aktuelle Verfassung des deutschen Rekordmeisters noch so beschrieben: "Wir können uns nur selbst schlagen". Wie recht er damit hatte, bewies das Spiel an diesem Abend. Im Stadio San Paolo hatten sich die Nebelschwaden der Bengalos auf dem Rasen noch nicht ganz verzogen, als sich die Napoli-Fans verwundert die Augen rieben. Nach anderthalb Minuten lag ihr Team gegen die Deutschen mit 0:1 zurück. Toni Kroos lief nach Vorarbeit von Jerome Boateng, der wieder auf der rechten Abwehrseite für den angeschlagenen Rafinha auflief, völlig unbedrängt in den Strafraum der Gastgeber und versenkte den Ball mit einem platzierten Flachschuss ins linke Eck. Das saß. Die Italiener waren sichtlich geschockt und wussten mit Ball und Gegner in der Folge nicht viel anzufangen. Es entwickelte sich ein Spiel, in dem die Bayern gewohnt dominant auftraten und Neapel kaum Luft zum Atmen ließen.

Chancen nicht konsequent zu Ende gespielt


Die Italiener ließen ihrem Gegner in der Anfangsphase so viel Raum zum Kombinieren, als wollten sie ihm den Ausflug in die süditalienische Metropole möglichst angenehm gestalten. Und die Münchner schienen leichtfüßig ihre Erfolgstory der vergangenen Wochen fortzuschreiben. Sie schoben sich den Ball ohne ernsthafte Gegenwehr zu. Das bekam ihnen nicht gut. Sie spielten ihre Chancen nicht konsequent zu Ende (Kroos in der 11. Minute) oder scheiterten an Torwart Morgan de Sanctis (Jerome Boateng in der 33. Minute). Schweinsteigers Aussage schien so etwas wie ein Menetekel für diese Partie zu sein.

Die Nachlässigkeiten zogen sich durch alle Mannschaftsteile, vor allem in der Defensive, nur hatte das zunächst keine Folgen gegen einen harmlosen Gegner, der gerade wegen seiner Offensivabteilung um das Dreigestirn Edinson Cavani, Ezequiel Lavezzi und Marek Hamsik hoch gehandelt wird. Nur einmal spielten die Neapolitaner einen Angriff erfolgreich zu Ende. Christian Maggio ließ Lahm stehen und sein scharfer Pass vor das Tor wurde von Holger Badstuber ins eigene Tor gelenkt. Badstuber hatte schon zuvor einige Unsicherheiten gezeigt. Völlig überraschend stand es auf einmal 1:1 in einem Spiel, das bislang weit von einem angemessenen Champions-League-Niveau entfernt war und es auch bleiben sollte. Manuel Neuer musste das erste Mal nach exakt 1147 Minuten ohne Gegentreffer wieder hinter sich greifen.

Nach Wiederanpfiff forcieren sie das Tempo


Man muss den Münchnern anrechnen, dass sie sich wenigstens bemühten. Nach Wiederanpfiff forcierte das Team von Jupp Heynckes das Tempo - mit einem schnellen Erfolg. Nach einem Handspiel von Paolo Cannavaro zeigte der portugiesische Schiedsrichter Olegario Benquerenca auf den Punkt. Jetzt schienen sich die Dinge als doch wieder zurechtzurücken, doch Mario Gomez vergab die große Chance auf die erneute Führung. Sein harmloser Schuss wurde von de Sanctis ganz locker weggefischt. Die Bayern dominierten die Partie weiter, allein Thomas Müller vergab zwei große Gelegenheiten zur Entscheidung und scheiterte genauso wie seine Mitspieler vor ihm.

Die Bayern taten sich insgesamt schwer, die Leichtigkeit und die Durchschlagskraft der vergangenen Wochen gingen ihnen an diesem Abend ab. Die Italiener kämpften verbissen und wurden in der hitzigen Atmosphäre von ihren Fans immer wieder angefeuert. Der zuletzt so brillant aufspielende Frank Ribéry fiel am meisten auf, als er nach einer Schwalbe im Strafraum die gelbe Karte sah - eine von insgesamt neun! Auch das zeigt, wie zerfahren diese Partie war, geprägt von Fouls und vielen Nickeligkeiten.

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